Schorndorf

Vanias verkauft bulgarischen Strudel nach Omas Rezept - eine europäische Familiengeschichte

Marktstand Poushe
Florian Baumgärtner und Vania Naydenova vor ihrem schwarzen Van. Normalerweise sind sie damit oft auf Street-Food-Festivals unterwegs. Seit kurzem zieht es sie damit aber auch in die Daimlerstadt. Für das Foto haben die beiden ihre Maske kurz abgenommen. © Benjamin Büttner

Eigentlich ist Vania Naydenova mit ihrem schwarzen Van, der als Marktstand dient, vor allem auf großen Veranstaltungen und Messen unterwegs. Doch auf dem Schorndorfer Wochenmarkt hat die junge Unternehmerin seit Corona neue Kundschaft für die Teilchen nach dem Rezept ihrer Oma gefunden. Die 31-Jährige erzählt ihre europäische Studel- und Familiengeschichte.

Liebevoll ist der Wagen geschmückt. „Poushe“, der Name des Familienunternehmens, steht neben der Durchreiche. Die Klappe ist weiß-rot gestreift und erinnert damit an die Überdachung klassischer Marktstände. Mit ihrem stylishen Van war Vania in den vergangenen Jahren vor allem auf Street-Food-Festivals unterwegs. Ein Trend, der vor einigen Jahren aus den USA nach Deutschland kam. Dabei werden meist Produkte aus der ganzen Welt angeboten, jeder Stand ist meist auf ein Produkt spezialisiert. Der große Hype um solche Märkte sei aber schon wieder vorbei, sagt Vania. 2018 eröffnete sie schließlich in Stuttgart-Vaihingen ein Café, ebenfalls unter dem Namen „Poushe“.

Auch ausgefallene Strudel mit Linsen gibt es im Sortiment

Die meisten der Teilchen, die sie anbietet, sind süß und etwa mit Schokolade, Beeren oder Äpfeln. Aber auch herzhafte Varianten mit Feta oder sogar mit Linsen-Curry hat Vania im Angebot.

Zwar wirbt sie in Schorndorf nicht aktiv damit, erklärt aber, einige der Strudel seien sogar vegan. Im Grundrezept stecken keine tierischen Produkte. Wer beim Stichwort „vegan“ generell an trockene, fade Speisen denkt, liegt falsch. Vanias Strudel ist außen knusprig, innen saftig. Statt mit Butter arbeitet sie mit pflanzlichen Ölen. Vania verspricht ihren Kunden, dass der Strudel auch am nächsten Tag noch nicht trocken ist. Mit einem „süßen Stückle“ vom Bäcker haben die Teilchen nicht viel gemein. Die Strudel werden aus dünnem Blätterteig gewickelt.

Vanias Urgroßeltern hatten in Bulgarien eine Mühle

„In Südosteuropa hat jede Familie ihr eigenes spezielles Strudel-Rezept“, erklärt Vania Naydenova. Doch bei ihrer Familie ist es nicht einfach bei einem guten Rezept geblieben. Gleich mehrere Generationen haben sich dem Strudel verschrieben. Vanias Urgroßeltern besaßen in Bulgarien eine alte Mühle. Süße und salzige Strudel kamen bei der Familie über Generationen auf den Tisch. Von Bulgarien zog es Vania, ihre Mutter Ivanka und ihre beiden Schwestern Violetta und Vassilena in die Schweiz, wo sie 2002 die erste Backstube eröffneten. In Zürich betreibt die Familie noch immer ein Café. Das Grundrezept ihrer Strudel sei von ihrer Oma, erzählt Vania.


Was ein süßes Ferkel mit Poushe zu tun hat

Zwar als Teil des familiären Strudelimperiums, aber dafür mit eigener Produktion samt Café, ging Vania 2015 nach Deutschland. In Murrhardt macht sie die Strudel, verkauft werden sie vor allem auf Märkten, wie etwa auch dem Ludwigsburger Weihnachtsmarkt.

Nicht nur das Rezept stammt ursprünglich aus Bulgarien, auch der Name „Poushe“ erinnert an das Herkunftsland. Innerhalb der Familie sei das Wort ein Kosename für kleine und süße Dinge gewesen. Vania habe etwa das kleine Ferkel im Ort so genannt.

Während sie spricht, kommt ein älteres Ehepaar an den Stand. Schon vor einer Woche waren sie hier. Künftig wollen sie häufiger kommen, kündigen sie an. Die ersten Stammkunden habe sie schon, freut sich die Unternehmerin.

Weil sie einst als reines Frauenunternehmen gestartet sind, sei auf ihrem Logo die Schutzpatronin Barbara abgebildet. Vanias Schwester habe es entworfen. Besonders in der Orthodoxen und Römisch-Katholischen Kirche wird die Figur als Heilige verehrt. Doch statt mit ihrem Schwert zeigt Vanias Familie sie mit einem Mörser in der Hand.

Florian Baumgärnter gehört inzwischen auch dazu

Mit eingestiegen in das Familienunternehmen ist inzwischen auch Florian Baumgärtner, Vanias Freund. Der 39-Jährige ist eigentlich Kommunikationsdesigner. Früher habe er viel in der Gastronomie gejobbt, jetzt habe er quasi das Hauptstandbein gewechselt, sagt er. Doch für die Werbung, die Homepage und die Grafiken des Unternehmens ist er als Profi zuständig.

Auch wenn der Schorndorfer Wochenmarkt als Strudel-Standort mit dem Coronavirus dazukam, fühlt sich Vania dort wohl. Die 31-Jährige mag die Stimmung und betont: „Das ist ein wichtiges und schützenswertes Kulturgut.“ Auch nach der Coronakrise will sie in Schorndorf ihre Waren noch anbieten.

Eigentlich ist Vania Naydenova mit ihrem schwarzen Van, der als Marktstand dient, vor allem auf großen Veranstaltungen und Messen unterwegs. Doch auf dem Schorndorfer Wochenmarkt hat die junge Unternehmerin seit Corona neue Kundschaft für die Teilchen nach dem Rezept ihrer Oma gefunden. Die 31-Jährige erzählt ihre europäische Studel- und Familiengeschichte.

Liebevoll ist der Wagen geschmückt. „Poushe“, der Name des Familienunternehmens, steht neben der Durchreiche. Die Klappe ist

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