Schorndorf

Veranstaltung in Schorndorf: "Herausforderung durch autoritäre Regime"

stadtkirche konzert
Bewegende Musik der Deutsch-Kongolesin Akeva mit ihrer Band in der Stadtkirche. © Markus Metzger

„Wo sind denn die Friedensaktivisten?“, fragte Simone Knapp in ihrem Beitrag zur Stadtkirche am Abend. Ja, wo sind sie hin? Das Thema der Veranstaltung war die „Herausforderung durch autoritäre Regime“. Und gemeint war nicht nur, aber vor allem Putin und sein Überfall auf die Ukraine. Seitdem, und doch so mancher reibt sich dabei die Augen, sind Waffenlieferungen in das Kriegsgebiet - auch unter Alternativ-Friedensbewegten - längst kein Tabu mehr. Frieden schaffen mit Waffen? Zum Ukraine-Krieg gehören die gemischten Gefühle, die er bei uns ausgelöst hat.

„Es gibt keinen Weg zum Frieden, der Frieden ist der Weg“

In der Stadtkirche wurde versucht, ihnen Raum zu geben. Etwa mit dem gemeinsamen Singen von „If I had a hammer“, das mit der Stimme Pete Seegers zu einer der Hymnen der US-amerikanischen Bürgerrechtsbewegung wurde. „If I had a hammer, I’d hammer out danger“ (hätt’ ich einen Hammer, hämmerte ich die Gefahr fort), heißt es dort zu einer träumerischen Melodie, die den „Hammer der Gerechtigkeit“ beschwört. Eine Gewaltfantasie trotzdem, wenn auch eine friedensstiftende.

Aber, so Simone Knapp, die für den verhinderten Boniface Mabanza eingesprungen war, „es gibt keinen Weg zum Frieden, der Frieden ist der Weg“. Ja, schön gesagt. Ambivalenzen auch hier. Ist das nun antibellizistischer Fundamentalismus oder doch pazifistischer Realismus? „Was können wir tun?“, fragte die Mitarbeiterin der Arbeitsstelle Südliches Afrika. Und „wo sind auch die Probleme innerhalb der Demokratien?“, erweiterte sie selbstkritisch den Blickwinkel. Und hier kam für sie „der immer stärker werdende globale Kapitalismus ins Spiel“. Und weiter: „Sind wir nur deshalb gerade demokratisch, weil es wirtschaftlich boomt? Hat unser Kapitalismus nicht auch etwas mit diesen autoritären Regimen zu tun? Haben wir sie nicht aufgebaut? Sind sie als gute Partner nicht Teil dessen gewesen, was wir gebraucht haben?“ Viele Fragen also, die dem (Selbst-) Zerstörerischen in der Verfasstheit unserer eigenen Gesellschaften nachspürten.

Weil der globale Süden einen anderen Blick als der nördliche Westen auf den Ukraine-Krieg hat, ließe sie schließlich danach fragen, „was es bedeuten könnte für unsere Kirche, die Stimmen des Südens zu hören“. Überwunden werden müsse „unsere Außenpolitik“, deren Interessen vor allem, so Simone Knapp, von den drei Fragen nach Flüchtlingen, Terror und „Gibt es dort Öl?“ geleitet würden. Stattdessen forderte sie dazu auf, Demokratie zu stärken durch eine große Kampagne „für Menschenrechte entlang der globalen Lieferketten“.

Ziemlich erfahren mit blutigen Diktaturen ist man im postkolonialen Kongo, aus dem der Künstler Lambert Mousseka stammt, der abwechselnd in Stuttgart und Kinshasa lebt und arbeitet und zuletzt am Kunstprojekt der evangelischen Kirchengemeinde beteiligt war. Die Diktatorengeschichte seines Landes streifte er mit humoristisch verzweifelter Abgeklärtheit. Das musste sich für das Schorndorfer Kirchenpublikum in seiner globalen Pole- und Sofa-Position durchaus provozierend anhören.

Und war sicher auch so gemeint. Was Mousseka für Afrika forderte, war „Solidarität statt Mitleid“. Er erinnerte daran, dass das heutige Afrika, und meinte damit wohl auch dessen Elend, aus seiner Sicht angefangen habe mit dem Deutschen Kolonial-Kongress von 1905 ausgerechnet in Berlin. „Und dieses Jahrhundert ist noch nicht vorbei!“

„Was in der Ukraine passiert, betrifft uns alle“, bekannte der Künstler. „Aber ich habe noch niemanden gesehen, der auf die Straße ging und sagte ,Peace for Congo!‘ Es sterben Tausende und nichts geschieht.“

Aber es galt der Auftrag, den Pfarrerin Dorothee Eisrich zu Beginn des Abends ausgab: „Wir dürfen vor den großen Herausforderungen nicht erstarren.“ Und immer wieder hilft da vielleicht die Musik. An diesem Abend war es der sehr bewegende, herzliche und erfrischende Auftritt der deutsch-kongolesischen Sängerin Akeva und ihrer Band.

„Wo sind denn die Friedensaktivisten?“, fragte Simone Knapp in ihrem Beitrag zur Stadtkirche am Abend. Ja, wo sind sie hin? Das Thema der Veranstaltung war die „Herausforderung durch autoritäre Regime“. Und gemeint war nicht nur, aber vor allem Putin und sein Überfall auf die Ukraine. Seitdem, und doch so mancher reibt sich dabei die Augen, sind Waffenlieferungen in das Kriegsgebiet - auch unter Alternativ-Friedensbewegten - längst kein Tabu mehr. Frieden schaffen mit Waffen? Zum

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