Schorndorf

Veranstaltungsbranche leidet unter Corona: Tontechniker vom Teil-Lockdown ausgebremst

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So kennt man ihn von vielen Veranstaltungen: Joe Saling am Mischpult - in Corona-Zeiten mit Mund-Nasen-Schutz. © privat

Kultur im Lockdown, das bedeutet auch für Joe Saling erst mal wieder: Als freiberuflicher Tontechniker ist er arbeitslos und Tausende Euro Umsatzeinbruch sind ihm gewiss. Seit über 30 Jahren sieht man ihn bei mehr als 100 Veranstaltungen im Jahr normalerweise im ganzen Remstal am Mischpult; im Schorndorfer Jazzclub, bei Schulkonzerten in der Künkelinhalle, im Bürgerhaus Kernen, viele Jahre auch in der Manufaktur. Als im März schon einmal die Lichter für den Kulturbetrieb ausgingen, hatte er zwei Monate lang nichts zu tun. „Die ersten zwei Wochen“, erinnert sich der 53-Jährige, „bin ich wie in Trance rumgelaufen“.

Dann hat er sich ein neues I-Pad zugelegt und nach Alternativen Ausschau gehalten. Mit Erfolg: Seit Anfang Mai macht er bei immer mehr Livestreams von Kreis- und Gemeinderatssitzungen und digitalen Bürger-Planer-Dialogen in Kernen die Technik und Video-Konferenzen möglich. Zum Glück hat er sich, weil für ihn die Krankenversicherungsbeiträge als Freiberufler irgendwann unerschwinglich geworden sind, vor drei Jahren um ein zweites Standbein bemüht: Er ist mit einer halben Stelle bei der Stadt Fellbach für die Haus- und Hallentechnik der Alten Kelter zuständig und bekommt jetzt zumindest Kurzarbeitergeld. Außerdem hat er, als pünktlich zum ersten Lockdown auf seinem Konto Ebbe war, von der Soforthilfe des Bundes profitiert. So viel Glück haben nicht alle im Kulturbetrieb.

„Die ganze Branche wird es so nicht mehr geben“

Gut vernetzt in der Szene, sieht Joe Saling die Kollateralschäden des Lockdowns und der Kontaktbeschränkungen – und ist überzeugt: „Da hat man nicht an die Kultur gedacht.“ Schon allein das vor dem Lockdown diskutierte Beherbergungsverbot habe zu reihenweise Absagen von Kleinkünstlern geführt. Und letztlich haben die ausgefeiltesten Hygienekonzepte den Kulturbetrieben so wenig gebracht wie der Gastronomie. Dass die Politik die entspannten Sommermonate ganz offenbar nicht genutzt hat, um sich auf eine zweite Infektionswelle im Herbst und Winter vorzubereiten, und jetzt wie im Notfallmodus und stellenweise „sehr unstrukturiert“ reagiert, das ist ihm unverständlich. Klar ist für ihn vielmehr: „Die ganze Branche wird es so nicht mehr geben.“

Und dabei haben die Kulturschaffenden im Sommer gezeigt, dass sie kreative Lösungen bieten können: Saling, der im Schorndorfer Kulturforum Leiter der Sektion Musik ist, hat von 7. August bis 12. September eine sehr erfolgreiche Konzert-Reihe auf der Open-Air-Bühne zwischen Bücherei und Stadtpark-Spielplatz auf die Beine gestellt. Für die Gitarrentage, die in diesem Mai ausfallen mussten, gibt es bereits ein Corona-Konzept fürs kommende Jahr, die Künkelinhalle ist vorsorglich geblockt: Statt 120 Workshop-Teilnehmer in zehn Kursen zu betreuen, sollen gleichzeitig nicht mehr als zwei Kurse mit zehn Teilnehmern stattfinden. Findet diese Idee Anklang, wird nach Dozenten Ausschau gehalten; die drei Lehrer, die bisher aus den USA nach Schorndorf kamen, werden allerdings nicht dabei sein können.

Alternativprogramm: „Es sollten sich alle zusammensetzen“

Da er die Corona-Pandemie als Naturkatastrophe sieht und mit einer dritten, womöglich sogar mit einer vierten Welle rechnet, ist Saling, der auch privat sehr gern auf Konzerte geht, überzeugt, dass man sich dringend Gedanken machen muss über eine „kulturelle Grundversorgung“. Seitdem die Kneipen geschlossen haben und es keine Veranstaltungen mehr gibt, trifft er sich mit seinen Freunden wieder zum Online-Stammtisch und spielt daheim mehr Gitarre, letztlich ist er aber überzeugt: Das Problem haben in der Kulturszene alle, „also sollten sich alle zusammensetzen“, um sich über ein Alternativprogramm Gedanken zu machen.

Kultur im Lockdown, das bedeutet auch für Joe Saling erst mal wieder: Als freiberuflicher Tontechniker ist er arbeitslos und Tausende Euro Umsatzeinbruch sind ihm gewiss. Seit über 30 Jahren sieht man ihn bei mehr als 100 Veranstaltungen im Jahr normalerweise im ganzen Remstal am Mischpult; im Schorndorfer Jazzclub, bei Schulkonzerten in der Künkelinhalle, im Bürgerhaus Kernen, viele Jahre auch in der Manufaktur. Als im März schon einmal die Lichter für den Kulturbetrieb ausgingen, hatte er

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