Schorndorf

Verdi-Demo und Kita-Streik in Schorndorf: Erzieherinnen am Belastungslimit

KitaDemoStreik
Streik am Oberen Marktplatz . © Gaby Schneider

Mit Reden, Plakaten und einem Zug durch die Innenstadt haben am Mittwochmorgen auf Einladung der Gewerkschaft Verdi rund 300 Erzieherinnen, Erzieher und Gewerkschaftsaktivisten für bessere Arbeitsbedingungen und Wertschätzung von Erzieherinnen demonstriert. Anfang April hatte Verdi bereits zum Demo-Zug durch Waiblingen aufgerufen, nachdem die zweite Tarif-Verhandlungsrunde ohne Ergebnisse geblieben war.

Diesmal waren die Betroffenen aus Schorndorf, Waiblingen und vielen anderen Kommunen im Rems-Murr-Kreis auf dem Schorndorfer Marktplatz zusammengekommen, um ihre Forderungen mit Fahnen und Transparenten laut zu bekunden – und nicht zuletzt ihren Frust zu zeigen. „Wenn du meinst, dass Bildung zu teuer ist, probier’s mit Dummheit“, war auf einem Plakat zu lesen. Auf einem anderen wurden die schlechten Arbeitsbedingungen in den Einrichtungen in den Fokus gerückt: „Kita: Come in and burn out.“

„Jeder Oberbürgermeister muss sehen, dass die Beschäftigten im Sozial- und Erziehungsbereich die Schnauze voll haben“, rief denn auch Cuno Hägele, Geschäftsführer von Verdi Stuttgart, bei der Kundgebung auf dem Marktplatz. Tatsächlich ist eine der zentralen Forderungen der Gewerkschaft, die Arbeitsbedingungen in den Kitas zu verbessern. Erzieherinnen bräuchten Zeit für Vor- und Nachbereitung, zudem werden Entlastungstage gefordert, um große Belastungen bei der Arbeit in den Kitas auszugleichen.

Schafft eine Massage Entlastung?

„Seit über zwei Jahren verhandeln wir über die Aufwertung im Sozial- und Erziehungsdienst“, sagte Hägele. „Aber die Damen und Herren haben keine Fantasie, dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, und keine Visionen, um die Fachkräfte zu entlasten.“ Das Angebot der Arbeitgeber, für Erzieherinnen in der Mittagspause Massagen anzubieten, habe er zunächst für einen Aprilscherz gehalten. Viele Erzieherinnen hätten gar keine Mittagspause, sagte er.

Außerdem sei doch die Frage: „Schafft eine Massage Entlastung?“ Dass in den Kitas Bildungsarbeit geleistet wird, haben die Arbeitgeber nach Ansicht des Gewerkschaftlers noch immer nicht begriffen. Allenfalls in den Sonntagsreden komme das vor, ansonsten sei dies in ihren Reden kein Thema. „Von Dank kann man aber nicht runterbeißen“, sagte er unter dem Beifall der Fahnen schwenkenden Teilnehmenden. Wenn kein Geld für den öffentlichen Dienst in den Kassen sei, aber plötzlich Milliarden in die Rüstung investiert werden könnten: „Was läuft da schief?“, fragte Hägele.

Die Unzufriedenheit und der Stress in den Kitas sind groß. „Viele Kolleginnen kommen täglich an den Rand des Machbaren“, erklärte eine Erzieherin aus Urbach, die sich an ihre „Kolleginnen, Eltern, Kinder und Politiker“ wandte. Die Erzieherinnen hätten die Pandemie zusammen mit den Kindern durchlebt und versucht, ihnen so viel Herzenswärme wie möglich zu geben. Immer weniger Menschen entschieden sich mittlerweile für den Beruf, den sie als ihren „Herzensjob“ bezeichnete.

Gründe dafür seien die mangelnde Wertschätzung, zu große Gruppen und die schlechte Bezahlung. „Von uns wird ständig nur viel verlangt“, sagte sie. Erzieherinnen bräuchten aber mehr Anerkennung und Wertschätzung und mehr Geld für gute Arbeit. Verdi fordert eine grundsätzliche Eingruppierung in eine höhere Entgeltgruppe.

„Wir wünschen uns eine zukunftsfähige Gesellschaft“, sagte eine Erzieherin aus Schorndorf. Dazu braucht es aus ihrer Sicht Bildung statt Betreuung, eine angemessene Leitungszeit für Kita-Leiterinnen, Rahmenbedingungen, die gesund halten, und eine sichere Rente, die zum Leben reicht.

Mit Reden, Plakaten und einem Zug durch die Innenstadt haben am Mittwochmorgen auf Einladung der Gewerkschaft Verdi rund 300 Erzieherinnen, Erzieher und Gewerkschaftsaktivisten für bessere Arbeitsbedingungen und Wertschätzung von Erzieherinnen demonstriert. Anfang April hatte Verdi bereits zum Demo-Zug durch Waiblingen aufgerufen, nachdem die zweite Tarif-Verhandlungsrunde ohne Ergebnisse geblieben war.

Diesmal waren die Betroffenen aus Schorndorf, Waiblingen und vielen anderen

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