Schorndorf

VfB-Fans: Andere Gegner, neuer Stress

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Dieses Spiel liegt schon ein paar Wochen zurück: Der VfB spielte gegen Greuther Fürth am 30. Juli in Weinstadt. © Ramona Adolf

Schorndorf/Aalen. Der VfB trifft neuerdings nicht mehr auf die Bayern, auf Schalke oder Dortmund. Man reist jetzt nach Sandhausen und Aue. Oder empfängt Heidenheimer wie am Wochenende. Danach hat’s geknallt. Die Polizei berichtet von tumultartigen Szenen am Aalener Bahnhof und von Körperverletzungen in der S-Bahn.

Am Freitagabend hat der VfB in der Mercedes-Benz-Arena gegen den FC Heidenheim verloren. Ebenfalls am Freitagabend trennten sich der VfR Aalen und der F.C. Hansa Rostock unentschieden in der Aalener Scholz-Arena. Drei Fan-Gruppierungen trafen im Anschluss am Aalener Bahnhof aufeinander, und was sich dort abspielte, beschreibt die Polizei als „tumultartige Szenen“. Fans des VfR Aalen, des FC Heidenheim und des VfB waren aneinandergeraten. Die Polizei reagierte mit einem Großaufgebot: 16 Fahrzeugbesatzungen gingen dazwischen und trennten die Streithähne. Vier Personen wurden leicht verletzt. Die Polizei nahm drei Männer aus dem Ostalbkreis, alle Anfang 20, vorläufig fest, weil diese im Verdacht stehen, ihren Kontrahenten die Verletzungen zugefügt zu haben. Alle drei jungen Männer waren betrunken – „teils erheblich“, wie die Polizei schreibt.

Zwei Personen wurden festgenommen

Nach dem Polizeieinsatz herrschte Ruhe – zumindest in Aalen. Zuvor war es bereits im Zug bei Schorndorf zu Auseinandersetzungen gekommen. Nachdem jemand gegen 21.45 Uhr eine Schlägerei im Zug gemeldet hatte, stiegen Polizisten am Bahnhof Schorndorf in den sehr vollen Zug. Zu diesem Zeitpunkt konnten die Beamten weder Schläger noch Opfer ausfindig machen. Kaum war der Zug weitergefahren, nahm das Unheil erneut seinen Lauf. Fahrgäste beschwerten sich offenbar bei Fans, die im Nichtraucherabteil rauchten – und büßten das mit Verletzungen. Die Polizei schritt erneut ein und nahm zwei Personen fest, was diese sich nicht ohne weiteres gefallen ließen. Ein Polizeibeamter wurde leicht verletzt.

Friedliche Fans sind in der Überzahl

In ihrem Bericht über diese Vorkommnisse bezeichnet die Polizei die Randalierer bewusst nicht als Fans, „um den vielen anständigen und sich normal verhaltenden Fußballfans nicht Unrecht zu tun“.

Die friedlichen Fans sind weit in der Überzahl – wär' auch schlimm, wenn’s nicht so wär'. Was sich seit dem Abstieg des VfB in die Zweite Liga verändert hat, sind natürlich die Fan-Gruppierungen, die nun aufeinandertreffen. Bei der Polizei kümmern sich szenekundige Beamte schwerpunktmäßig um diese Gruppen, ihre Gebräuche, ihr Verhalten. In Zusammenarbeit mit den Fußballvereinen ordnet die Polizei im Vorfeld einem Spiel Gefährdungsstufen zu zwischen hochriskant und nicht riskant, erläutert Thomas Engelhardt vom Polizeirevier in Cannstatt. Unter VfB-Fans tummeln sich nicht wenige „Ultras“, das sind eingefleischte Fans, die ganz und gar aufgehen in ihrer Begeisterung für ihre Mannschaft. Innerhalb der Ultras gibt es eine gewaltbereite Szene.

Hochriskantes Spiel: VfB gegen Karlsruher SC

Als hochriskant gilt ein Spiel, das im April nächstes Jahr in Stuttgart stattfindet: Wenn der VfB auf den Karlsruher SC trifft, dann könnte es hoch hergehen. Auch in den S-Bahnen und Zügen und an den Bahnhöfen im Rems-Murr-Kreis. Die Fans sind „gut verfeindet“, so umschreibt es Thomas Engelhardt.

Vor solch einem brisanten Spiel bespricht sich die Polizei mehrfach mit den Fußballvereinen, denen auch eine gewisse Verantwortung für die eigenen Fans zukommt, findet Engelhardt. Im Infoaustausch vorab geht es um die Struktur der Fans, um die Anzahl „problembehafteter“ Personen, um Anzahl und Art der einzelnen Gruppierungen.

Hauptziel: Verfeindete Gruppen auseinanderzuhalten

Manche Fan-Gruppen pflegen Freundschaften, andere können sich nicht ausstehen. Hauptziel der Polizei ist, verfeindete Gruppen von vornherein auseinanderzuhalten, so gut es geht. Das Stadion in Stuttgart bietet dafür gute bauliche Voraussetzungen. Die Zugänge für die Fans der Gäste und die des VfB liegen weit auseinander. Umso mehr Konflikte entzünden sich eventuell auf den An- und Abfahrtswegen. Hinzu kommt, dass bei den Zweitligaspielen die Fans der Gästemannschaften nach dem Spiel eventuell nicht so schnell den Heimweg antreten, weil sie eh nicht mehr so weit fahren müssen.

Für die Sicherheit im „Fußballfanreiseverkehr“ ist die Bundespolizei zuständig. An einem Heimspieltag des VfB reisen rund 15 000 Fans aus allen Himmelsrichtungen mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Cannstatt. Es werden extra Fanzüge eingesetzt, um rivalisierende Gruppen auch auf der An- und Abreise möglichst auseinanderzuhalten. Trotzdem nutzen noch jede Menge Fußballbegeisterte „Regelzüge, die nicht vollständig überwacht werden können und in denen es zu Fanvermischungen kommen kann“, so Jonas Große von der Bundesspolizeiinspektion Stuttgart. „In der Regel“ verlaufen diese Begegnungen verschiedener Gruppen friedlich. Doch immer wieder eben auch nicht.

Gegner suchen

Sportpsychologen beschäftigen sich mit der Frage, was gewaltorientierte Fans antreibt. Prof. Sigurd Baumann schreibt in einem Beitrag zu einem Online-Seminar Sportpsychologie: Gefährdet seien Menschen, „die ihr Leben nicht im gewünschten Maß gestalten können“. – „Wer keine Möglichkeit sieht, im Sport, im Beruf oder im Privatleben Erfolgs- oder Siegeserlebnisse zu haben, geht auf die Suche nach dem besiegbaren Gegner.“