Schorndorf

Viele Händler geben die Mehrwersteuersenkung an die Kunden weiter

Einzelhandel Mehrwertsteuersenkung
Stephan Kaliss, Inhaber des gleichnamigen Reformhauses, kündigt an, die Senkung an seine Kunden weiterzugeben. Die vielen kleinen Preisschilder müssen seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Geschäften austauschen. © Benjamin Büttner

Ab Juli wird die Mehrwertsteuer von 19 auf 16 Prozent gesenkt. Ein halbes Jahr lang soll die Änderung wegen der Corona-Krise gelten. Auch der reduzierte Mehrwertsteuersatz, wie er etwa für Lebensmittel wie Brot, Milch und Kartoffeln gilt, wird in dieser Zeit nur fünf Prozent betragen, statt wie sonst sieben Prozent. Die Händler in der Schorndorfer Innenstadt bereiten sich derzeit auf die Änderung vor. Doch nicht überall wird gleich mit der Senkung umgegangen: Einzelne haben nicht vor, die wenigen Prozente auch an ihre Kunden weiterzugeben.

Stephan Kaliss, Inhaber des gleichnamigen Reformhauses, macht es wie die großen Lebensmittelhändler und gibt die Mehrwertsteuersenkung an seine Kunden weiter. „Wir ändern jedes einzelne Preisschild“, kündigt er an. Mit der Neuregelung geht für die Händler ein großer Zusatzaufwand einher. In den ersten vier bis fünf Tagen im Juli müssen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Reformhaus Kaliss neben dem normalen Betrieb die Änderung vornehmen. Die Schildchen für Getränke, Milchprodukte oder auch die Snacks in den Regalen müssen geändert werden.

„Die Leute sollen sehen, dass sich die Preise ändern“, sagt Kaliss. Es sei ein positiver Impuls, der durch die Senkung entstehe, meint er. Sein Werbeprospekt für Juli habe er vor dem Druck extra noch mal kurzfristig geändert, ganze drei verschiedene Preise führt er auf: den eigentlichen Preis, das Sonderangebot und die Senkung der Mehrwertsteuer auf das Sonderangebot. Im Lebensmittelbereich scheinen viele Händler die Senkung mitzumachen, einige der ganz großen Supermarktketten haben schon vor dem 1. Juli eine Senkung angekündigt.


Auch das Ehepaar Salomon vom Juweliergeschäft Greiner will die Steuersenkung an die Kunden weitergeben. Doch die kleinen Schildchen an den Uhren, Ketten und Ringen wollen sie nicht ändern. „Wir haben 3000 verschiedene Artikel, das ist nicht möglich“, sagt Karin Salomon. Sie und ihr Mann hoffen, dass es eine Möglichkeit gibt, ihr Kassensystem für die Zeit umzustellen. Doch zur Not müssten sie es eben manuell lösen. Auch wenn die beiden praktisch an die Änderung herangehen, wirklich sinnvoll finden sie diese nicht. „Ich glaube nicht, dass es etwas nützt und sich ein großer Impuls ergibt“, sagt Günter Salomon.

Auch im Inneneinrichtungsgeschäft Mariposa soll der Preis um die Mehrwertsteuersenkung an der Kasse reduziert werden, erklärt Verkäufer Marijo Ujevic. Bald soll ein Schild in dem Geschäft darauf hinweisen.

Umrechnung ist für viele Kunden verwirrend

Einige der Händler betonen, dass die Kunden beim Umrechnen nicht den Fehler machen dürfen, vom Preis einfach drei Prozent abzuziehen, auch wenn sich die Mehrwertsteuer um den Wert senkt. Schließlich komme der Preis im Geschäft durch den Nettopreis plus Steuer zusammen.


Weil das für viele Kunden verwirrend sei, will Roland Veil vom gleichnamigen Bettengeschäft seinen Bruttopreis um drei Prozent reduzieren. Er will seine Waren nicht neu auszeichnen und plant, die Vergünstigung an der Kasse an den Kunden weiterzugeben. Er rechnet damit, dass die Steuersenkung ein kleiner Kaufanreiz ist, doch mit großen Umsatzsteigerungen rechnet er nicht. Der Geschäftsinhaber hat sich über die Entscheidung der Politik gefreut. Allerdings findet es Veil falsch, dass auch die ganz großen Unternehmen wie Amazon von der Senkung profitieren. Er habe eine stärkere Unterstützung der lokalen Händler befürwortet, erklärt Roland Veil.

Doch nicht überall werden die Preise ab Juli niedriger sein. In einigen Geschäften, die von ihren entsprechenden Großhändlern Preise empfohlen bekommen, wird sich auch mit der Senkung nichts verändern. Mit der Buchpreisbindung muss sich etwa Osiander an die Empfehlung der Verlage halten, erklärt die stellvertretende Filialleiterin Elke Hawlicek. Doch auch die wenigen Produkte, für die die Bindung nicht gilt, würden nicht vergünstigt. Der Aufwand sei nicht im Verhältnis zu dem, was Kunden am Ende sparten. Schließlich seien es etwa bei einem kleinen Geschenk für fünf Euro nur wenige Cent, das lohne sich nicht.

Bekleidungsgeschäfte verfahren unterschiedlich mit der Steuer

Carl Schill vom gleichnamigen Modegeschäft am Unteren Marktplatz bekommt von den Herstellern ebenfalls einen empfohlenen Verkaufspreis genannt, davon abzuweichen plane er nicht. Die Senkung der Mehrwertsteuer gibt er also nicht weiter. Ungerade Centbeträge auf die Schilder an den Kleidern zu schreiben, hält er nicht für sinnvoll. Er geht aber davon aus, dass die Kunden ab Juli versuchen werden, mit ihm zu verhandeln. Einen zusätzlichen Kaufanreiz sieht er durch die Senkung nicht gegeben. „Die Kaufentscheidung wird dadurch nicht beeinflusst, dass ein Produkt wenige Cent günstiger ist“, meint Schill. Für den Einzelhandel sei die Senkung nicht hilfreich.

Kemal Öztopal vom Bekleidungsgeschäft Skurril wirkt überrascht auf die Frage nach der Mehrwertsteuersenkung. Er habe sich noch nicht viele Gedanken darum gemacht und müsse erst noch eine Entscheidung treffen, gibt er offen zu. Nicht überall steht also fest, wie es mit den Preisen weitergeht.


Das Kaufhaus Bantel will trotz der empfohlenen Preisempfehlung der Hersteller die Steuererleichterung an die Kunden weitergeben, verspricht Geschäftsführerin Claudia Maurer-Bantel. Weil das Unternehmen über 350 000 Teile im Bestand hat, sieht es aber von einer neuen Auszeichnung ebenfalls ab. Der Abzug des kleinen Prozentsatzes soll an der Kasse erfolgen.

Politisch hätte auch sie sich eine andere Lösung gewünscht. Der Aufwand, um das System, die Buchhaltung oder sogar das Parkhaus auf den vergünstigten Mehrwertsteuersatz umzustellen, sei sehr hoch. Es hätte auch andere Möglichkeiten der Förderung gegeben, meint sie. „Ich wünsche mir, dass die Kunden das Angebot dann auch nutzen und in Schorndorf einkaufen gehen“, sagt die Geschäftsführerin. Außerdem sei die Unsicherheit unter den Händlern lange recht hoch gewesen, etwa ob alle Produkte von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern etikettiert werden müssen. „Das war zu kurzfristig“, sagt Maurer-Bantel. In den nächsten Tagen müsse ihr Kaufhaus noch zusätzliches Kleingeld für die Kassen besorgen, schließlich würden künftig sehr viel häufiger ungerade Beträge kassiert, auch wenn inzwischen viele mit der Karte bezahlten.

Ab Juli wird die Mehrwertsteuer von 19 auf 16 Prozent gesenkt. Ein halbes Jahr lang soll die Änderung wegen der Corona-Krise gelten. Auch der reduzierte Mehrwertsteuersatz, wie er etwa für Lebensmittel wie Brot, Milch und Kartoffeln gilt, wird in dieser Zeit nur fünf Prozent betragen, statt wie sonst sieben Prozent. Die Händler in der Schorndorfer Innenstadt bereiten sich derzeit auf die Änderung vor. Doch nicht überall wird gleich mit der Senkung umgegangen: Einzelne haben nicht vor, die

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 6,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 83,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper