Schorndorf

Vier Jahre Forscherfabrik in Schorndorf: Zur Feier schwebende Pakete und ein Erdbebentisch

Forscherfabrik
Schon bei den Kleinsten wird der Entdeckergeist geweckt. © Alexandra Palmizi

„114, 115, 116 ...“ – Paula zählt die Holzklötze vor sich. Einen hohen Turm hat sie gebaut, der nur von einer dünnen Brücke aus Papier gehalten wird. „118, 119 ...“, stapelt die Neunjährige munter weiter. Warum hält er? „Die Festigkeit kommt durch die mehrfache Faltung“, erklärt das aufgeweckte Mädchen. Ihre Oma Annegret Scherz-Dollmann zeigt auf die Ziehharmonikaform des Papiers. „Bedingung war, dass wir nur drei Papierbögen verwenden durften“, sagt sie. An der Brückenlösung haben sie gemeinsam getüftelt. „Juhuu, es sind schon 121“, triumphiert Paula. „Jetzt wackelt er“, schaltet sich die Oma ein. Paula hat die Nummer 122 in der Hand. Einer geht noch, und noch einer. Sie sagt „124“, dann scheppert und kracht es und das über mehr als eine Viertelstunde lang in die Höhe gewachsene Klötzchen-Bauwerk stürzt in sich zusammen.

Hier erleben Kinder Technik

„An der Brücke lag’s nicht“, ruft Paula und macht sich ans Einsammeln. Sie hat aufgepasst: „Die Brücke ist stabil, aber es lag an der Höhe.“ Paula hat sich bei regelmäßigen Ausflügen mit der Oma in der Forscherfabrik schon einiges an Wissen angeeignet. „Alle sieben Enkel kommen gerne her, es ist total anregend, hier erfahren Kinder Technik“, sagt Annegret Scherz-Dollmann. „Toll ist, dass ich etwas ausprobieren kann und nicht nur durchlaufe und irgendwelche Texte lesen soll“, sagt Paula. „Vom Anschauen weiß man ja nicht, wie etwas funktioniert.“ Ein Thema, das sie beim Aktionstag auch beschäftigt: „Die Rakete, in die man Luft reinpumpt, dadurch steigt der Luftdruck“, erläutert sie die Funktionsweise der Druckluftrakete, die sie im Forscherparcours zum Fliegen gebracht hat.

Die Gäste verteilen sich an 70 Stationen

An diesem Aktionswochenende zum vierjährigen Bestehen verteilen sich viele neugierige Gäste an 70 Stationen und vertiefen sich in ihre Forschungen. Es gibt schwebende Pakete, eine Teststrecke mit Holzautos auf schiefen Ebenen und einen Erdbebentisch, der die Gewichtsverteilung anschaulich macht. Seit vier Jahren vermittelt die Science Erlebniswelt mit offenen Laboren und experimentellen Angeboten naturwissenschaftliche Zusammenhänge. Zu diesem „Geburtstag“ gab es nun wieder ein Aktionswochenende, nachdem es im Vorjahr abgesagt werden musste. Corona hat auch die Forscherfabrik getroffen, zehn Monate war geschlossen. Entsprechend groß ist die Freude über das komplett ausgebuchte Aktionswochenende, auch wenn das Programm reduziert werden musste und etwa die Experimentiershow wegfiel, wie Lisa-Marie Kenkel, Mitarbeiterin in der Forscherfabrik, schildert.

Drei Zeitfenster für die Besucher

Die Besucher mussten sich für drei Zeitfenster anmelden, pro Schicht durften sich maximal 50 Personen in der Forscherfabrik aufhalten. Es galt die 2G-Regel, die beim Einlass kontrolliert wurde. Die Regelungen inklusive Infektionsschutzkonzept seien dieselben wie im eingeschränkten Betrieb während der Woche. Der Aktionstag richtet sich an Erwachsene, Schulkinder und sensibilisiert auch schon ganz Kleine für technische und naturwissenschaftliche Phänomene. Passend zum Alter wird Wissen vermittelt, findet eine Familie aus Nürtingen. Schon beim eineinhalbjährigen Daniel regt sich der Forschergeist an der Kugelbahn. „Auch das Thema mit Farbenspielen oder das Wasserbassin, in dem Gegenstände schwimmen oder untergehen, kriegt er schon gut mit“, meint Mama Claudia. Ebenso gut lasse sich der vierjährige Bruder Stephan beschäftigen.

Wie entsteht Strom?

Der sechsjährige Julian übt sich im Windrad-Bau. Papa Felix Triebel hat als Informatiker ein großes Vergnügen dabei, seinem Sohn bei der Forscherarbeit zuzusehen. Die Begeisterung für die Mint-Fächer beginne bei ihnen quasi täglich mit dem Aufstehen. „Wir müssen viel erklären derzeit“, meint er grinsend. „Wenn er irgendwo ein Windrad sieht, will er gleich wissen, wie die Energie entsteht.“ Hier vermitteln ihm zwei Modelle die Illusion der großen Stromerzeugung. Im Laufrad nebenan lernen Julians Mama Iris Rautenberg und die vierjährigen Zwillinge Moritz und Johanna die Mechanik mit den eigenen Füßen kennen. Der Lauf durch den Parcours sei zügig, abwechslungsreich und biete mehr als ein Spaß-Trail, meint sie. „Es geht viel experimenteller zu als auf dem Spielplatz.“ Die Kinder seien in einem wissensdurstigen Alter, saugten hier alles rund um die Wunder der Technik auf. „Es ist wichtig für die Auffassungsgabe, die Erfahrung zu machen, mit den Händen sind sie viel unmittelbarer dabei“, sagt der Vater. Für Julian steht nach so viel Input fest: „Ich werde Forscher und erforsche Dinoknochen.“ Die Eltern aus Stuttgart haben auch bereits einen Entschluss gefasst. „Wir sind zum ersten, aber bestimmt nicht zum letzten Mal hier, man merkt, dass hier ein Konzept dahintersteckt“, so Felix Triebel.

Auch Julia Albrecht aus Esslingen pilgert mit ihren Söhnen Karl (5) und dem dreijährigen Romeo durch das Revier für Forschernaturen. „Sie bubeln herum und testen alles spielerisch und selbstständig, ich finde die kleinen Experimente sehr anschaulich“, meint sie. Erster Stopp: die Bewegungsarena. Hier dürfen die beiden auf Pedalos ihrem Gleichgewichtssinn nachspüren, auf einem Balken balancieren und in einem Rollstuhl fahren. „Es ist interessant, wie sie untereinander agieren.“

„114, 115, 116 ...“ – Paula zählt die Holzklötze vor sich. Einen hohen Turm hat sie gebaut, der nur von einer dünnen Brücke aus Papier gehalten wird. „118, 119 ...“, stapelt die Neunjährige munter weiter. Warum hält er? „Die Festigkeit kommt durch die mehrfache Faltung“, erklärt das aufgeweckte Mädchen. Ihre Oma Annegret Scherz-Dollmann zeigt auf die Ziehharmonikaform des Papiers. „Bedingung war, dass wir nur drei Papierbögen verwenden durften“, sagt sie. An der Brückenlösung haben sie

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