Schorndorf

Vier Schorndorfer Klima- und Nachhaltigkeits-Pioniere zeigen, wie der Wandel gelingen kann

UnverpacktBerger
Larissa Berger hat 2020 den Unverpackt-Laden in Schorndorf gegründet. Das Repair-Café im Hammerschlag gibt’s seit 2015. © Gaby Schneider

Wie wollen wir in Zukunft leben? Antworten auf diese Frage gab es von gleich vier Nachhaltigkeits- und Klima-Pionieren in einer digitalen Podiumsdiskussion, zu der sich auf Einladung der Schorndorfer Klimaentscheid-Gruppe gut 40 Interessierte angemeldet hatten. Larissa Berger vom Unverpackt-Laden, Jochen Glamser vom Repair-Café, Theresa Fritz vom Weltladen „El Mundo“ und Madeleine Krenzlin, Tiny-House-Expertin aus Winterbach, haben als „Agenten des Wandels“ von ihren Projekten berichtet und Beispiele gegeben, wie sich auch in direkter Nachbarschaft nachhaltig leben lässt.

Viola Schulze Dieckhoff, die an der Technischen Universität Dortmund zu nachhaltiger Stadtentwicklung forscht, in Schorndorf aufgewachsen ist und die Diskussion moderiert hat, sieht die Zukunft in einer Post-Wachstums-Stadt, die ökonomisches Wachstum nicht mehr in den Mittelpunkt stellt, sondern Zufriedenheit und Solidarität – und in der Begrenzung auf ein notwendiges Maß (Suffizienz) und auf den eigentlichen Bedarf (Subsidenz) Schlüssel für den dringend notwendigen Wandel sieht. Schließlich sollen einer UN-Studie zufolge bis 2050 zwei Drittel der Menschen in Städten leben. Gleichzeitig werden jeden Tag in Deutschland durchschnittlich 52 Hektar Bodenflächen versiegelt – für den Bau von Wohnhäusern, Industriegebieten und öffentlichen Einrichtungen. Im Generationenwechsel sieht Viola Schulze Dieckhoff Chancen, „das Bestehende so zu transformieren, dass es zukunftsfähig wird".

Warum Larissa Berger vor einem Jahr den Unverpackt-Laden gegründet hat

Larissa Berger hat ihren Unverpackt-Laden gegründet, weil sie, als sie nach acht Jahren aus München zurückgekehrt war, in Schorndorf kaum Möglichkeiten gesehen hat, regional und verpackungsfrei einzukaufen. Plastikmüll, ist die 28-Jährige angesichts von der Lebenszeit einer Plastiktüte von 450 Jahren überzeugt, „stellt ein Riesenproblem dar“. Um auch weniger Lebensmittel zu verschwenden, hat sie an ihren Laden das Tagescafé „Bergerei“ angegliedert. Mit ihrem Unverpackt-Laden hat sie innerhalb eines Jahres bereits 12 000 Kilogramm Plastikmüll eingespart.

Im Repair-Café wird repariert, was sonst im Müll landen würde

Der Nachhaltigkeitsgedanke steht auch hinter dem im Jahr 2015 in Kooperation mit der Volkshochschule gegründeten Repair-Café, von dem Jochen Glamser in der digitalen Runde berichtet hat: „Wir versuchen, Dinge zu reparieren, damit sie länger genutzt werden können.“ Gleichzeitig fordert die Gruppe, in der 16 Ehrenamtliche aktiv sind, ein wie in Frankreich eingeführtes Label, das zeigt, wie gut sich ein elektrisches Gerät reparieren lässt. In Vor-Corona-Zeiten einmal im Monat samstags von 11 bis 14 Uhr geöffnet, haben in der Vergangenheit im Schnitt 15 Personen den Weg ins Repair-Café in der VHS-Werkstätte im Hammerschlag 8 bei der Manufaktur gefunden. Eine Wiedereröffnung des Repair-Cafés ist, weiterhin sinkende Inzidenzzahlen vorausgesetzt, für Samstag, 19. Juni, geplant. Repariert werden Elektrogeräte, die Ehrenamtlichen übernehmen aber auch Näharbeiten. Weitere Mitstreiter – und nicht nur technisch Versierte - sind willkommen. Vielleicht, so eine Idee aus der Podiumsrunde, könnte auch in Weiler ein Repair-Café gegründet werden. Und Marianne Seidel, Leiterin der Stadtbücherei, könnte sich eine Bibliothek der Dinge vorstellen.

Weltladen „El Mundo“: Aktiv für nachhaltige Entwicklung

Vor 41 Jahren von einer Schülerinitiative gegründet, setzt sich der Weltladen „El Mundo“ noch immer für einen gerechten Welthandel als Beitrag für eine nachhaltige Entwicklung ein. Theresa Fritz, Bildungsreferentin und für die Planung, Koordination und Durchführung der Bildungsangebote und Stadtführungen verantwortlich, bietet Workshops mit Schulklassen an, betreut das globale Klassenzimmer im Jugendcafé „Hotspot“ – und will mit ihrer Arbeit nicht nur zeigen, wie globale Lieferketten funktionieren, sondern auch dies vermitteln: „Unser Lebensstil ist nur einer unter vielen.“ Im Weltladen-Programm, das von einem großen ehrenamtlichen Team getragen wird, gibt es einen Nachhaltigkeits-Stadtrundgang und eine Kinderrechts-Rallye. Außerdem bietet der Weltladen Bildungsmaterialien zum Ausleihen an.

Tiny House: Ein Modell für nachhaltiges Wohnen?

Madeleine Krenzlin beschäftigt sich seit 2012 mit Tiny Houses. 2017 hat die studierte Kulturwirtin und Energiemanagerin ihren Job in einem Unternehmen aus dem Bereich erneuerbare Energien und Energieeffizienz gekündigt und berät seitdem an Tiny Houses Interessierte und Hersteller – und setzt sich mit ihrer Firma für einen Tiny-House-Markt ein, der „einen nachhaltigen Umgang mit natürlichen Ressourcen und ein respektvolles Miteinander in den Mittelpunkt stellt“.

Die Winterbacherin hat sich auch ihr eigenes Tiny House gebaut – und wohnt seither auf 17 Quadratmetern. Überhaupt, berichtete sie in der Runde, konsumiere sie wenig und habe den Warmwassertank in ihrem Miniaturhaus auf acht Liter begrenzt, um nicht in die Versuchung zu kommen, zu lange warm zu duschen.

Doch ein Tiny House an sich, ist Madeleine Krenzlin überzeugt, sei nicht unbedingt eine nachhaltige Wohnform: Vielmehr komme es drauf an, wer aus welcher Wohnung umzieht. Gibt eine alleinstehende Rentnerin ihr Einfamilienhaus für ein Leben im Tiny House auf, ist das nachhaltiger, als wenn sich ein Single eines für die Ferien leistet. Darum wünscht sich die 38-Jährige, dass Tiny Houses „nachhaltig geplant und gebaut werden“. Ideen gibt es: Die Minihäuser könnten, wenn die statischen Voraussetzungen geschaffen sind, auch auf Garagen gebaut oder zu Mini-Hochhäusern gestapelt werden.

Wofür die Gruppe Klimaentscheid-Schorndorf steht

Die Gruppe „Klimaentscheid-Schorndorf“, die zur Podiumsdiskussion eingeladen hatte, will mit ihren Aktionen ein besseres Bewusstsein für den Klimawandel schaffen, Handlungsmöglichkeiten aufzeigen und über die demokratischen Mittel Einwohnerantrag, Bürgerbegehren und Bürgerentscheid Einfluss auf das politische Geschehen nehmen. Erklärtes Ziel ist, gemeinsam mit Stadt und Bürgern ein Klimaschutzprogramm zu entwickeln und umzusetzen, das Schorndorf bis 2035 klimaneutral macht. In der Gruppe sind aktuell 17 Menschen aus Schorndorf und Umgebung aktiv. Im Januar 2021 hat die im Sommer 2020 gegründete Gruppe mit 800 Unterstützer-Unterschriften einen Einwohnerantrag gestellt.

Wie wollen wir in Zukunft leben? Antworten auf diese Frage gab es von gleich vier Nachhaltigkeits- und Klima-Pionieren in einer digitalen Podiumsdiskussion, zu der sich auf Einladung der Schorndorfer Klimaentscheid-Gruppe gut 40 Interessierte angemeldet hatten. Larissa Berger vom Unverpackt-Laden, Jochen Glamser vom Repair-Café, Theresa Fritz vom Weltladen „El Mundo“ und Madeleine Krenzlin, Tiny-House-Expertin aus Winterbach, haben als „Agenten des Wandels“ von ihren Projekten berichtet und

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