Schorndorf

Vor der Wiedereröffnung: Gastronomen in Schorndorf und Remshalden zwischen Freude und Sorgen

Geli vom Coco
Wirtin Geli Sandbiller-Bauer im „Coco“. © Benjamin Büttner

Seit November sind Restaurants, Cafés und Kneipen in der Corona-Zwangspause – jetzt endlich ist die Wiedereröffnung in Sicht. An fünf Werktagen muss die Inzidenz im Kreis unter dem Schwellenwert von 100 liegen: Das wird voraussichtlich schon bald der Fall sein. Die Wirte stehen in den Startlöchern. „Bald geht’s wieder los“, freut sich Geli Sandbiller-Bauer, Wirtin im Coco. Bewirten dürfen die Gastronomen allerdings nur Gäste mit einem negativen Corona-Test, vollständig Geimpfte und Menschen, die eine Corona-Infektion bereits überstanden haben. Jeder Gast muss kontrolliert werden.

Auf die Gastronomen kommt in Sachen Kontrolle also einiges zu, doch vor allem freut sich Geli Sandbiller-Bauer jetzt erst mal über das nahe Ende der langen Zwangspause. Kissen und Tischdecken für den überdachten Außenbereich liegen schon bereit. Sobald der ersehnte Eröffnungstag feststeht, will sie mit dem Großputz, Abstauben und Wiedereinrichten loslegen. Auch der Keller ist leer, die Getränkevorräte müssen aufgefüllt, Salate und andere Lebensmittel bestellt werden. Doch das geht schnell, sagt die Wirtin, und das habe auch noch Zeit. Wie ist die Stimmung nach der langen Pause? „Ich bin immer optimistisch“, sagt sie lachend. „Sobald die Inzidenz an die 100 geht, rufe ich meine Mitarbeiter an, dass die zum Putzen und Einräumen kommen. Das wird noch heiter!“ Immerhin: Ihre vier langjährigen Mitarbeiter kommen zurück, das ist nicht selbstverständlich. Denn auch das ist eine Folge der Corona-Pandemie: Viele Servicekräfte haben sich in den vergangenen Monaten aus der Gastronomie für immer verabschiedet und einen anderen Job gesucht – manche Wirte haben den Neustart deshalb jetzt ohne Kellner oder Küchenkräfte vor sich.

Testpflicht: Welche Gäste kommen noch spontan?

Nicht weit vom „Coco“ steht Engel-Wirtin Astrid Auwärter vor ihrer Musikkneipe. Die Türe ist geöffnet. Großputz ist angesagt. „Wie es aussieht, können wir bald aufmachen“, sagt die Wirtin. Besonders gut ist ihre Stimmung trotzdem nicht: Drei Mitarbeiter haben sich in der Zwangspause anderweitig orientiert, die müssen ersetzt werden. Und drängende Fragen bleiben auch angesichts der Kontrollpflicht offen: „Welche Gäste kommen da noch spontan? Bleiben die Leute daheim?“, fragt Astrid Auwärter. „Ich kann mir nicht vorstellen, wie es läuft.“

Auch Samuel Sucher, Küchenchef und Mitglied der Geschäftsleitung im Gasthaus Hirsch in Oberberken, liegt der Personalmangel schwer im Magen. Der Fachkräftemangel sei schon vor der Corona-Krise ein enormes Problem gewesen und werde sich jetzt noch verschlimmern, glaubt er. Im September 2020 hatte Sucher noch zwei Azubis eingestellt, dieses Jahr habe er aber noch keine einzige Bewerbung erhalten. Wie viele andere Gastronomen geht er davon aus, dass durch die lange Schließung der Personalmangel wächst. „Dies bereitet mir sehr große Sorgen – schließlich können wir keine super attraktiven Gehälter schaffen.“ Wenn es wieder losgeht, werden im „Hirsch“ zwar die Festangestellten wieder an Bord sein, doch viele Aushilfen hätten sie im vergangenen Jahr verloren. „Die müssen wir erst wieder ersetzen, was nicht einfach sein dürfte. Es wird ein sehr spannendes Unterfangen sein, wieder aufzumachen.“ Auch die Kontrolle der Impfungen, der Schnelltest sowie der Umgang mit der Luca-App seien eine Herausforderung. „Ich freue mich zwar, den Betrieb wieder hochzufahren“, erklärt Samuel Sucher. Allerdings sei die Wiedereröffnung angesichts der Vorgaben nicht ganz einfach: Niemand wisse, wie viele Menschen bereit sein werden, einen Schnelltest zu machen, um Essen zu gehen. Testmöglichkeiten werden voraussichtlich im „Hirsch“ auch vor Ort angeboten. Doch Fragen bleiben auch ihm: „Schaffen wir es, Mitarbeiter zu gewinnen? Und kommen die Gäste auch wieder?“ Klar ist für Samuel Sucher allerdings: „Wir werden auf jeden Fall wieder öffnen und einen Weg finden.“

Sylvia Polinski: Gefühlt wie ein Neubeginn

Auch im „Lamm“ in Hebsack bereitet man sich auf die Wiedereröffnung vor. „Mein Mann und ich und unsere Kollegen freuen sich natürlich, wenn sich die Tore öffnen“, sagt Wirtin Sylvia Polinski. „Andererseits haben wir auch alle ein klein bisschen Angst, ob wir dann dem Arbeitspensum und dem Ansturm gewachsen sind.“ Wieder Teildienst arbeiten, als Unternehmer wieder zehn bis zwölf Stunden im Betrieb sein, das werde sicher eine Herausforderung für sie und ihre Mitarbeiter. Unsicherheit nach der langen Pause und über die Folgen der neuen Corona-Vorgaben herrscht auch im „Lamm“: „Es ist gefühlt wie ein Neubeginn“, erklärt die Wirtin. „Man weiß nicht, was auf einen zukommt. Kommen viele Gäste oder nicht? Auf alle Fälle eine sehr spannende Zeit!“

Immerhin konnten auch im „Lamm“ die langjährigen Fachkräfte gehalten werden. Natürlich seien in manchen Betrieben die Sommeliers oder Restaurantleiter lieber in die Schweiz ausgewandert, da sie dort wieder arbeiten durften, weiß Sylvia Polinski. Manche Betriebe hätten ihre Mitarbeiter auch entlassen, da sie nicht wussten, ob sie überhaupt wieder öffnen werden. „Wir konnten unsere zum Teil sehr langjährigen Fachkräfte halten“, sagt sie. Die Köche hätten halbtagesweise gearbeitet, zum Servicepersonal habe man ständig Kontakt und Austausch gehabt. „Die Azubis haben wir mit Unterweisungen bei Laune gehalten und Berufsschulunterricht war ja trotzdem, wenn auch zum Teil nur Home-Schooling.“ Vor der Wiedereröffnung stehen nun sogar die Aushilfen bereit: „Sie freuen sich, wenn es wieder losgeht.“

Seit November sind Restaurants, Cafés und Kneipen in der Corona-Zwangspause – jetzt endlich ist die Wiedereröffnung in Sicht. An fünf Werktagen muss die Inzidenz im Kreis unter dem Schwellenwert von 100 liegen: Das wird voraussichtlich schon bald der Fall sein. Die Wirte stehen in den Startlöchern. „Bald geht’s wieder los“, freut sich Geli Sandbiller-Bauer, Wirtin im Coco. Bewirten dürfen die Gastronomen allerdings nur Gäste mit einem negativen Corona-Test, vollständig Geimpfte und Menschen,

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