Schorndorf

Vor Gericht: Vollzugsbeamten nach Räumung in Rudersberg mit Fäusten attackiert

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Der Vollzugsbedienstete wurde mit Faustschlägen attackiert. Symbolbild. © Pavlovic

Es muss alles sehr schnell gegangen sein. Auf einmal hatte der Ordnungsbeamte ein paar Faustschläge von einer völlig außer sich geratenen Frau im Gesicht. Was war geschehen?

Eine Wohnung in Rudersberg wurde im Sommer dieses Jahres zwangsgeräumt. Die Mieter waren zu lange mit dem Nutzungsentgelt in Verzug geraten. Ausgeräumt aber war fast gar nichts von den gekündigten Bewohnern, einer vor vielen Jahren durch den Kosovo-Krieg vertriebenen (das wurde vor Gericht nicht nachgefragt) oder geflohenen Familie.

Man muss das sicher auch so sehen: Die traumatischen Folgen von Krieg und Zerstörung an der Peripherie Europas schlagen nun, wie könnte das anders sein, auch in unseren Gerichtssälen auf. Und wer davon spricht, dass es seit 75 Jahren keinen Krieg in Europa gegeben hat, der will, mit großer Verdrängungsleistung, den Balkan, das zerfallene Jugoslawien, nicht wirklich zu Europa zählen.

Großer Krieg und kleiner Alltag. Die Gewaltspur zieht sich durch.

Da nun aber auch verderbliche Lebensmittel in der Wohnung zurückgelassen wurden, hatte der Gemeindevollzugsbedienstete beim Ordnungsamt Rudersberg, Lothar F. (), den Auftrag, zusammen mit zwei Kollegen vom Bauhof am nächsten Tag die Sachen zu entsorgen.

Nachdem er Fotos von dem Quartier gemacht hatte, fingen die beiden Arbeiter vom Bauhof an, in der Küche aufzuräumen. Schon kurz später hörten sie aber einen Hilferuf von Lothar F., der an der Wohnungstür von der plötzlich auftauchenden, ehemaligen Mieterin attackiert wurde.

Widerstand gegen einen Vollstreckungsbeamten in Tateinheit mit Körperverletzung und Sachbeschädigung lautete denn auch die Anklage gegen Zarima S., die nun unter der Leitung von der Direktorin am Amtsgericht Schorndorf, Doris Greiner, verhandelt wurde.

Psychischer Ausnahmezustand

„Plötzlich stand die Frau da und hat mir, ohne was zu sagen, mit beiden Fäusten ins Gesicht geschlagen.“ So schildert es Lothar F., der bei der Attacke ein Hämatom und Läsionen erlitt und dessen Brille beschädigt wurde. Er habe sie gezogen, erklärte dagegen die ohne Anwalt und nur mit einem Übersetzer erschienene Angeklagte. „Sie haben gar nichts gemacht?“, fragte die Richterin. „Nein.“

Im Sitzungssaal war ein Sohn von Zarima S. anwesend, der für seine Mutter intervenieren wollte, - „sie kann sich nicht verteidigen!“ - und von Richterin Greiner dann kurzerhand, und man möchte sagen großzügig, als Zeuge zugelassen wurde.

Der Sohn hatte ein Attest des Klinikums Winnenden dabei, das bescheinigte, dass seine Mutter dort in Behandlung war und unter schizophrenen Schüben leide. Das nun war dem Gericht neu und veränderte die Sachlage.

Die Staatsanwältin hielt der Angeklagten zugute, dass es keine Voreintragungen gebe und bei der Tat ein „psychischer Ausnahmezustand“ geherrscht habe. Sie plädierte für eine Freiheitsstrafe von vier Monaten, ausgesetzt auf eine Bewährung von drei Jahren.

„Eine Verletzung von Vollzugsbeamten kann man nicht hinnehmen“, erklärte die Richterin. „Vollzugsbeamte müssen geschützt werden!“ Für schuldig, aber vermindert schuldfähig, hielt sie die Angeklagte und verhängte eine Strafe von 95 Tagessätzen zu zehn Euro.

Es muss alles sehr schnell gegangen sein. Auf einmal hatte der Ordnungsbeamte ein paar Faustschläge von einer völlig außer sich geratenen Frau im Gesicht. Was war geschehen?

Eine Wohnung in Rudersberg wurde im Sommer dieses Jahres zwangsgeräumt. Die Mieter waren zu lange mit dem Nutzungsentgelt in Verzug geraten. Ausgeräumt aber war fast gar nichts von den gekündigten Bewohnern, einer vor vielen Jahren durch den Kosovo-Krieg vertriebenen (das wurde vor Gericht nicht nachgefragt) oder

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