Schorndorf

Warum am Film-Projekt in der Forscherfabrik Schorndorf nur Mädchen teilnehmen

FilmeMaedchen01
Ganz schön viel Arbeit: Bis ein Stop-Motion-Film entsteht, müssen Hunderte Bilder gemacht werden. © Ralph Steinemann Pressefoto

Viele Wirtschaftsbranchen sind stark von Männern dominiert. Am extremsten ist die Situation wohl in technischen Berufen. Aber auch in der Filmwelt werden rund dreiviertel der Stellen von Männern besetzt. Nicht zuletzt deshalb findet in der Forscherfabrik aktuell das Ferienprojekt „Mädchen machen Filme“ statt. Dort lernen junge Schülerinnen zwischen acht und zehn Jahren, wie sie mit Hilfe von iPads einzelne Bilder zu Trickfilmen zusammensetzen.

„In den Köpfen, vor allem denen der Eltern, sind Technik und Filme ein von Jungs dominiertes Thema“, sagt Lisa-Marie Kenkel, Wissenschaftliche Mitarbeiterin der Forscherfabrik. Damit sich Mädchen für die Thematik begeistern und sich auch mehr trauen, wird das Projekt gar nicht erst für Jungs angeboten.

Drehbuch schreiben, Requisiten aussuchen und Kulissen bauen

Und was genau lernen die Mädchen beim Film-Ferienprogramm? „Sie machen Stop-Motion-Filme mit dem iPad“, erklärt Kursleiterin Birgit Ladwein. Bei der Stop-Motion-Technik werden viele einzelne Bilder aneinandergesetzt und erzeugen somit die Illusion von Bewegung. Eines der berühmtesten Beispiele sind die britischen „Wallace and Gromit“-Filme, in denen alle Figuren aus Knetmasse modelliert sind.

Doch bevor es an die Dreharbeiten gehen konnte, wartete ein Theorieblock auf die acht Teilnehmerinnen. Sie überlegten sich eine Geschichte und erstellten, wie echte Profis, ein Storyboard. Auf dieser Art Drehbuch ist die Handlung des Kurzfilms in Worten und wenigen Zeichnungen dargestellt. Außerdem ist darauf festgehalten, welche Materialien und welche Tonspuren für die geplanten Szenen benötigt werden.

Danach beschäftigten sich die Mädchen, die ihren Film immer zu zweit drehen, mit dem Kulissenbau und bastelten mit Papier und Spielzeugen eigene kleine Filmsets. Die Forscherfabrik hatte sie zuvor aufgerufen, dafür ihre eigenen Spielzeuge und Figuren mitzubringen. „Damit die eigene Playmobil-Figur der Protagonist sein kann“, erklärt Lisa-Marie Kenkel. Zwei Mädchen haben deshalb besonders viele Pferde-Spielfiguren mitgebracht, zwei weitere verkünsteln sich beinahe am Requisitenbau mit Knete, Wolken aus Watte und Playmobil-Elementen. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.

Und die Forscherfabrik wäre nicht die Forscherfabrik, wenn das Ganze nicht technikgestützt ablaufen würde. Genauer gesagt mit der App „Stop Motion Studio“ auf den iPads. Mit Hilfe der Kameras an den Tablets machen die Mädchen viele einzelne Bilder, die immer nur geringfügig verändert werden. Wenn beispielsweise eine Spielfigur von rechts nach links läuft, verrückt man sie pro Bild immer nur um ein kleines Stück. Die App setzt die einzelnen Bilder dann automatisch zusammen und lässt sie schnell hintereinander, genauer gesagt mit mindestens acht Bildern pro Sekunde, ablaufen. Nur dann erkennt das menschliche Auge flüssige Bewegungen. Im Endergebnis sieht es aus, als würden sich die Elemente tatsächlich bewegen.

Zu Beginn des Projekts gab es auch dafür eine Übung. Die Kursleiterin erklärte, dass der Film mit jedem zusätzlichen Bild flüssiger aussieht. Die Mädchen rechneten gemeinsam mit Birgit Ladwein aus, dass für nur eine Minuten Film ganze 480 Bilder nötig sind - ganz schön viel Arbeit.

In Zukunft dürfen auch Jungs am Projekt teilnehmen

Damit das alles noch flüssiger und professioneller aussieht, erhalten die Filmemacherinnen immer wieder nützliche Tipps von der Kursleiterin. Birgit Ladwein zeigt ihnen zum Beispiel, dass sie Figuren, Wolken und Bäume mit Hilfe von leicht klebriger Knetmasse besonders akkurat positionieren können.

Trotzdem benutzen die Teilnehmerinnen für ihre Filme nicht mehr als einen iPad und die Requisiten aus Pappe, Kunststoff, Knete und Watte. Birgit Ladwein erklärt: „Wir haben das ganz bewusst so gestaltet, damit allen bewusst wird: Ich brauche keine Profi-Ausrüstung, um einen Film zu machen.“ Und um die Kreativität der Mädchen besser anzuregen, hat die Leiterin ihnen auch nicht zu viele Beispiele im Vorfeld gezeigt. Die Mischung aus der Vermittlung von technischem Know-how und der Kreativität sei in diesem Projekt besonders gefördert.

Birgit Ladwein ist erstaunt darüber, wie schnell und sicher die Kinder mit den Tablets umgehen können und auf welche Ideen sie ganz alleine kommen: „Da frage ich mich manchmal: Wie sind sie da drauf gekommen?“

Filmbegeisterte Jungen müssen aber keineswegs enttäuscht sein, dass es für sie kein solches Projekt gibt. „Das wird es in Zukunft auch in gemischten Gruppen geben, das war nichts Einmaliges“, sagt Lisa-Marie Kenkel.

Die Ergebnisse des Projekts werden in den kommenden Tagen auf dem Blog der Forscherfabrik veröffentlicht.

Viele Wirtschaftsbranchen sind stark von Männern dominiert. Am extremsten ist die Situation wohl in technischen Berufen. Aber auch in der Filmwelt werden rund dreiviertel der Stellen von Männern besetzt. Nicht zuletzt deshalb findet in der Forscherfabrik aktuell das Ferienprojekt „Mädchen machen Filme“ statt. Dort lernen junge Schülerinnen zwischen acht und zehn Jahren, wie sie mit Hilfe von iPads einzelne Bilder zu Trickfilmen zusammensetzen.

„In den Köpfen, vor allem denen der

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 5,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 71,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper