Schorndorf

Warum Anwohnerparken in Schorndorf teurer werden könnte

Laternenparken
Drei Stunden freies Parken in der Werderstraße. Ansonsten sind die Parkplätze am Straßenrand für Anwohner reserviert. © Gaby Schneider

Mit dem zum 1. März 2019 eingeführten Parkraumkonzept hat sich die Zahl der freien Parkplätze in Schorndorf deutlich reduziert. Weggefallen sind damit allein in der Archivstraße auch 20 reine Bewohnerparkplätze. Und es droht neues Ungemach für Innenstadtbewohner mit eigenem Auto: Durfte die jährliche Parkgebühr für das sogenannte Laternenparken bisher laut bundesweit geltender „Gebührenverordnung für Maßnahmen im Straßenverkehr“ höchstens 30,70 Euro betragen, könnte sich dieser Betrag bald deutlich erhöhen.

Vor einem Jahr hat die Bundesregierung seine Vorgabe gelockert. Erlässt das Land eine entsprechende Verordnung, sind höhere Parkgebühren möglich: In Tübingen träumte Oberbürgermeister Boris Palmer laut Presseberichten zwischenzeitlich schon von einer Anwohner-Parkgebühr von 30 Euro im Monat und will dem Gemeinderat jetzt eine Monatsgebühr von zwölf Euro vorschlagen. Freiburg verlangt für einen Anwohnerparkplatz bereits 30 Euro im Monat, in Heidelberg könnten’s 300 Euro im Jahr werden.

Parkraumkonzept hat sich etabliert

Noch ist eine Erhöhung der Gebühren in Schorndorf nach Auskunft von Erstem Bürgermeister Edgar Hemmerich „kein Thema“. In der Daimlerstadt will man zunächst die neue Landesverordnung abwarten – und blickt auf das Erreichte: Immerhin hat sich das vor zwei Jahren eingeführte Parkraumkonzept, das nicht nur die Zahl der freien Parkplätze reduziert hat, sondern auch den Parksuchverkehr eindämmen sollte, aus Hemmerichs Sicht „zwischenzeitlich etabliert und wird von den meisten Verkehrsteilnehmern wie auch von der Bevölkerung akzeptiert und gut angenommen“. Einzig in den Randgebieten der Stadt werde derzeit geprüft, ob bei den Parkregelungen wegen des Verdrängungseffekts nachjustiert werden kann. Im Verkehrsbeirat hat die Stadt kürzlich drei mögliche Szenarien vorgestellt: Wegen des immensen Parkdrucks auf beiden Seiten der Friedrich- und der Langestraße gibt es die – allerdings bereits abgeschmetterte – Überlegung, im unteren Bereich der Friedrichstraße eine Einbahnstraße einzurichten. In der Werderstraße, wo wegen der Parkscheibenregelung tagsüber nur wenige Fahrzeuge parken, könnte die mögliche Parkzeit von bisher drei auf fünf Stunden erhöht werden. Auch um die Belastung der Seitenstraßen zu verringern, in denen keine Parkbeschränkung besteht. Und in der Schlossstraße, wo bisher frei geparkt werden kann, könnte eine Parkscheibenregelung eingeführt werden. Mit der Folge: Bewohner sollen dort auch weiterhin unbegrenzt parken dürfen, müssen dafür aber zukünftig einen Bewohnerparkausweis erwerben.

Weniger Parksuchverkehr

Grundsätzliches Ziel der Stadt war es, mit dem Parkraumkonzept die Parkplatzsituation zu verbessern und dabei wildes Parken und den Suchverkehr einzudämmen. Mit der Folge, dass damals eine ganze Reihe von freien Parkplätzen rund ums Berufschulzentrum sowie im Süden der Stadt an der Werder-, Künkelin-, Ulrich- und Langen Straße, der Schlichtener und Teilen der Burgstraße weggefallen sind. In diesen Mischzonen gibt es seither Parkscheinautomaten mit einer Parkhöchstdauer von zwei Stunden. In der Werder- und Schlichtener Straße ist Parken mit Parkscheibe drei Stunden lang erlaubt. Die Kurzzeitzone, in der ebenfalls ein Parkschein gelöst werden muss, erstreckt sich nördlich und südlich der Bahnlinie, in der Johann-Philipp-Palm- und Gottlieb-Daimler-Straße, hinter der Burg- sowie über den nördlichen Teil der Schlichtener Straße, über die Friedens-, Augusten-, Heinrich-Talmon-Groß-Straße und unter der Arnoldbrücke.

Bis zum Sommer will das Land so weit sein mit der neuen Verordnung fürs Anwohnerparken. Ob das in Schorndorf eine Erhöhung der Parkgebühren zur Folge hat, wird sich zeigen. Der ADAC hat sich jedenfalls vor einem Jahr schon für höhere Gebühren ausgesprochen – in Vierteln mit Parkplatzmangel: Verlange eine Kommune lediglich 30,70 Euro im Jahr – also 2,56 Euro im Monat – für einen Anwohnerparkplatz, dann spiegele das nicht die Knappheit der Ressource „Öffentlicher Raum“ wider, heißt es in einer Pressemitteilung. Doch die Kommunen sollen’s aus Sicht des Verkehrsclubs bloß nicht übertreiben: „Mobilität muss bezahlbar werden.“

Weniger Parkplätze in der "Klima Mobil"-Modellkommune

In Schorndorf wird es in Zukunft bestimmt weniger Parkplätze geben: Seitdem die Stadt als Modellkommune in das Förderprogramm „Klima Mobil“ aufgenommen ist, will die Stadtverwaltung mit dem Einsatz planerischer und verkehrsrechtlicher Instrumente zentrale Plätze und Straßen der Innenstadt umgestalten – und mit Parkraumbewirtschaftung, Ausbau multimodaler Verkehrslösungen, Umwidmung von Straßenraum sowie Verkehrsberuhigung und Straßenraumgestaltung zum Klimaziel kommen ().

Für den Archivplatz und die Johann-Philipp-Palm-Straße bedeutet das: Um die Aufenthalts- und Lebensqualität zu verbessern, soll es ein Viertel weniger Pkw-Parkplätze und mehr Fahrradabstellplätze im künftigen Büchereiumfeld geben und die Fußgängerzone über die Johann-Philipp-Palm-Straße in Richtung Marienstift zu verlängert werden.

Mit dem zum 1. März 2019 eingeführten Parkraumkonzept hat sich die Zahl der freien Parkplätze in Schorndorf deutlich reduziert. Weggefallen sind damit allein in der Archivstraße auch 20 reine Bewohnerparkplätze. Und es droht neues Ungemach für Innenstadtbewohner mit eigenem Auto: Durfte die jährliche Parkgebühr für das sogenannte Laternenparken bisher laut bundesweit geltender „Gebührenverordnung für Maßnahmen im Straßenverkehr“ höchstens 30,70 Euro betragen, könnte sich dieser Betrag bald

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