Schorndorf

Warum das Manu-Kino "Kleine Fluchten" in Schorndorf noch immer geschlossen hat

Manukino
Jürgen Frank freut sich schon aufs frisch gerichtete Kino. Noch ist es aber fest in der Hand der Handwerker. © Kölbl

Eigentlich hätte Jürgen Frank sein Kino „Kleine Fluchten“ längst wieder öffnen wollen. Im September nämlich. Statt im Sommer das kleine Programmkino im Kulturzentrum Manufaktur unter Corona-Bedingungen wiederzueröffnen, hatte er sich dafür entschieden, sein Kino zu renovieren. Schnell waren alle 99 Kinosessel ausgebaut, der Saal gänzlich geleert.

Seither arbeiten sich die Handwerker durch den Kinosaal. Die Wände sind gestrichen, anschließend kommt der Raumausstatter mit dem Teppich, der Schlosser baut Geländer ein. Dann fehlen nur noch die Sessel.

Mehr Beinfreiheit und größere Abstände im renovierten Kino

65 von ihnen mit weinroten, samtigen Bezügen hat der Chef bestellt. Dazu kommen zwei für Menschen mit Behinderung. 30 weniger als bisher sind’s, dafür hat jeder Sitzplatz sowohl links als auch rechts eine eigene Armlehne.

Bei der alten Bestuhlung gab’s zwischen den Sitzen jeweils nur eine Lehne. Zudem sind im neuen Kino größere Abstände zwischen den Reihen eingeplant und auch die Entfernung der ersten Reihe zur Leinwand wird größer sein.

Lieferengpässe bei den samtigen Kinostoffen

Allerdings, noch ist nicht einer der Sessel geliefert worden. Erst Mitte Oktober statt schon im August sollen sie in Schorndorf ankommen. „Die Stoffe waren ausgegangen“, erklärt Jürgen Frank den Verzug der Firma. „Weil die Kinos in der Corona-Zeit ohnehin geschlossen hatten, haben viele Kinobetreiber Renovierungen angepackt“, weiß er.

Keine seltene Erfahrung in dieser Pandemie. Plötzlich entstehen Lieferengpässe in Nischen der Wirtschaft, wo sie früher keiner je vermutet hätte: in diesem Fall also Kinosessel.

Kinoprogrammpreis kam zur rechten Zeit

Grundsätzlich sei sein Kino aber gut über die Pandemie gekommen. Die Corona-Beihilfen glichen die Fixkosten aus, die auch im Falle eines geschlossenen Kinos anfallen. Außerdem geholfen hat Jürgen Frank der Kinoprogrammpreis der MFG Filmförderung Baden-Württemberg. Mit diesem Preis wird besonders wertvolle Kinoprogrammarbeit von mittelständischen gewerblichen Kinobetreiberinnen und Kinobetreibern ausgezeichnet. 14 500 Euro erhielt er damals.

Im Sommer 2020, in der kurzen Pandemiepause, hatte Jürgen Frank das Kino geöffnet, große Publikumsmassen hatten sich da aber nicht durchs Kino gewälzt. Drum hat er sich in diesem Sommer nicht für die Wiedereröffnung unter Pandemiebedingungen, sondern für die Renovierung entschieden.

Einige besondere Filme müssen nachgeholt werden

Seit dem Lockdown im November 2020 hat Frank also nicht einen Film mehr vorgeführt. So langsam juckt’s ihn aber wieder in den Fingern. Mit welchem Film er starten will, wenn es im November hoffentlich wieder losgeht, weiß Frank noch nicht. Sicher sei aber, dass ein paar Filme unbedingt nachgeholt werden müssten.

Er kennt sein treues Publikum. Das mag gerne französische Filme, Komödien mit Anspruch und Geschichten, bei denen die Handlung nicht allzu banal daherkommt.

Und noch etwas ist sicher: Jürgen Frank will das Kino nicht einfach klammheimlich wieder öffnen. Wenn es - voraussichtlich im November so weit ist – lädt er besonders zu einem Wiedereröffnungsprogramm ein.

Schon seit den Manu-Anfängen fürs Kinoprogramm zuständig

Schon seit den Anfängen der Manufaktur ist Jürgen Frank in dem Kulturzentrum für die Filme zuständig. Schon zu Zeiten der alten Manufaktur an der Gmünder Straße engagierte er sich in der Kino-Gruppe, sorgte ehrenamtlich dafür, dass in der Manu guter filmischer Input geliefert wurde.

Als dann die Manu 1993 in ihre heutigen Räume umzog, war erstens klar, dass es genug Platz für ein richtiges Kino geben wird, und zweitens, dass das dann nicht mehr im Ehrenamt zu führen wäre. Frank schloss sich mit einem Kompagnon zur Frank & Früh GbR zusammen und bespielt seither die neun mal drei Meter breite Leinwand, inzwischen allerdings als Einzelkämpfer.

Noch immer gibt's alte Kinosessel zu kaufen

Übrigens: Von den alten Manu-Kinosesseln sind noch 20 übrig. Wer einen gegen eine Spende haben möchte, findet weitere Informationen im Internet. Wer zwei Stühle bestellt, kann optional einen dritten Stuhl (gratis) in der Mitte einbauen. Die Stühle sind dann aber zusammenhängend und können nicht mehr einzeln gestellt werden.

Die Stühle können entweder direkt in den Boden verschraubt werden oder auf kleine Holzplatten (etwa 40 auf 40 Zentimeter) pro Fuß. Ein Versand ist nicht möglich. Mehr Infos dazu gibt’s im Manu-Büro.

Eigentlich hätte Jürgen Frank sein Kino „Kleine Fluchten“ längst wieder öffnen wollen. Im September nämlich. Statt im Sommer das kleine Programmkino im Kulturzentrum Manufaktur unter Corona-Bedingungen wiederzueröffnen, hatte er sich dafür entschieden, sein Kino zu renovieren. Schnell waren alle 99 Kinosessel ausgebaut, der Saal gänzlich geleert.

Seither arbeiten sich die Handwerker durch den Kinosaal. Die Wände sind gestrichen, anschließend kommt der Raumausstatter mit dem Teppich,

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