Schorndorf

Warum das Rückenwind-Förderprogramm an Schorndorfer Schulen nur langsam in Schwung kommt

Betreuung
Mit dem Förderprojekt „Rückenwind“ will das Land Baden-Württemberg helfen, Defizite aus den Lockdowns auszugleichen. © ALEXANDRA PALMIZI

Auch wenn die Landesregierung beteuert, die Schulen in der vierten Corona-Welle so lange wie möglich offen halten zu wollen, Schulschließungen stehen angesichts rasant steigender Infektionszahlen natürlich längst wieder im Raum. Und dabei sind die Defizite und Lernrückstände, die in den beiden Lockdowns entstanden sind, noch längst nicht aufgeholt. Nach den Herbstferien sollte das Förderprogramm „Lernen mit Rückenwind“ starten, tatsächlich konnten Schulen in Schorndorf erst in dieser Woche loslegen – und manche warten sogar noch immer auf die Freigabe durch das Kultusministerium.

In Wartestellung befindet sich auch noch die Otfried-Preußler-Grundschule in Miedelsbach. Rektorin Dr. Karin Fehrenbach, die auch geschäftsführende Schulleiterin der Schorndorfer Schulen ist, hat fünf Kurse und drei Unterstützungskräfte gebucht. Eine Lehramtsstudentin soll zwei Drittklässler in drei Unterrichtsstunden pro Woche in Mathematik unterstützen, eine zweite ist sechs Zeitstunden pro Woche im Fach Deutsch an der Schule. Eine Sozialpädagogin mit therapeutischer Ausbildung, die helfen soll, sozial-emotionale Defizite auszugleichen und in Klasse 4 in Deutsch und Mathe aktiv ist, hat ihren Vertrag bereits unterschrieben. Außerdem werden drei Kinder der vierten Klasse in Mathe und Deutsch unterstützt, die beiden Förderkräfte warten aber noch auf ihren Vertrag.

An der Reinhold-Maier-Schule: Erste Verträge geschlossen

Für die Reinhold-Maier-Schule hat Rektorin Petra Schiek 13 Förderstunden beantragt – und drei Lehrkräfte. Obwohl die Kurse bereits freigegeben sind, ist es auch an ihrer Schule zu einer Verzögerung gekommen, bis Ende der Woche sollen die Verträge aber geschlossen sein. In Summe sollen an der Weilermer Grundschule etwa 30 Schülerinnen und Schüler in den Genuss des Förderprogramms kommen.

Die Rainbrunnenschule hat für sechs bis acht Viertklässler einen Mathe-Kurs beantragt und eine Studentin als Kursleiterin gewinnen können. „Ich habe aber noch keine Information, wann wir starten können“, sagt Rektorin Karola Gross, die auch ein Kursangebot für die Klassen 8 und 9 organisieren möchte, aber an der Ganztagesschule noch organisatorische Probleme sieht, mögliche Zeitfenster der Schule und der Bewerber unter einen Hut zu bekommen. Zusätzlich würde sie gerne Förderkurse oder Veranstaltungen für das sozial-emotionale Lernen in einzelnen Klassenstufen anbieten. „Hier haben sich noch nicht so viele mögliche Anbieter registriert“, berichtet Karola Gross und hofft, ein solches Angebot in der zweiten Schuljahreshälfte machen zu können. Die Künkelinschule indes hat sich entschlossen, mit dem Nachhilfeinstitut „Schoolcoaching“ mit Sitz in Welzheim und Schorndorf zusammenzuarbeiten. „Zusätzlich möchten wir die Klassen im sozial-emotionalen Bereich unterstützen“, kündigt Konrektorin Maren Thomä an.

Großeinsatz für das Nachhilfeinstitut „Schoolcoaching“

In diesem Bereich ist Alexander Schailes Nachhilfeinstitut nicht aktiv, ansonsten aber in Sachen Rückenwind schwer beschäftigt: „Schoolcoaching“ übernimmt nicht nur an allen Welzheimer Schulen die Förderprogramme, sondern ist seit dieser Woche auch an der Gottlieb-Daimler-Realschule, am Max-Planck-Gymnasium, gemeinsam mit der Volkshochschule auch am Burg-Gymnasium und demnächst vermutlich auch an der Johann-Philipp-Palm-Schule vertreten.

Am MPG sind von 770 Schülerinnen und Schülern 90 für das Programm angemeldet. Am BG sind es 110 von insgesamt 850. An der Gottlieb-Daimler-Realschule werden 110 Acht-, Neunt- und Zehntklässler in Deutsch, Mathe und Englisch gefördert. Außerdem soll es speziell für die Prüfungsvorbereitung und für alle, die auf ein berufliches Gymnasium wechseln wollen, einen „Brückenkurs Mathematik“ geben. Die Nachhilfe in den Klassen fünf bis sieben läuft über das schuleigene Programm „Schüler helfen Schülern“, das über das Schülermentorenprogramm und den Freundeskreis der GDRS finanziert wird.

Als einer der ersten Kooperationspartner

Alexander Schaile, der 2006 sein Nachhilfeinstitut in Welzheim gegründet hat und mittlerweile auch eine Filiale in Schorndorf betreibt, hat sich in Sachen Rückenwind offenbar rechtzeitig ins Spiel gebracht: Im vergangenen Schuljahr, erzählt er, habe er sich bereits gekümmert und in den Sommerferien Kontakt zu den Schulleitungen aufgenommen. Dazu kommt: Als Kooperationspartner war er vom Kultusministerium als einer der ersten Kooperationspartner anerkannt. Hatte er wegen der Corona-Pandemie deutliche Umsatzeinbußen zu beklagen, verspürt der studierte Wirtschaftsingenieur jetzt „enormen Rückenwind“. Das Land, sagt er, bezahle gut. Außerdem kann er „das erste Mal mit öffentlichen Schulen kooperieren“. 15 bis 25 freie Mitarbeiter hatte er bisher unter Vertrag, jetzt arbeiten für ihn 50 Studierende und ehemalige Lehrkräfte, die er flexibel selbst in den Nachmittags- und Abendstunden einteilen kann. Für Schaile läuft’s also gut – vielleicht auch, weil das Förderprojekt aus seiner Sicht ein bürokratisches Monster ist, das manche Schulleitung angesichts des zusätzlichen Aufwandes schon hat verzweifeln lassen.

Auch wenn die Landesregierung beteuert, die Schulen in der vierten Corona-Welle so lange wie möglich offen halten zu wollen, Schulschließungen stehen angesichts rasant steigender Infektionszahlen natürlich längst wieder im Raum. Und dabei sind die Defizite und Lernrückstände, die in den beiden Lockdowns entstanden sind, noch längst nicht aufgeholt. Nach den Herbstferien sollte das Förderprogramm „Lernen mit Rückenwind“ starten, tatsächlich konnten Schulen in Schorndorf erst in dieser Woche

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