Schorndorf

Warum der Schorndorfer Künstler Hardy Langer 75 Kissen zu verkaufen hat

KissenHardyLanger
In einer Garage im Hammerschlag lagern – zwischen vielen anderen Werken – die Sofakissen, die Hardy Langer beim Unterjesinger Kunstdorf von einer Scheuerndecke schweben ließ. © Gaby Schneider

Mit 77 weißen Kopfkissen, die beim Unterjesinger Kunstdorf in einer Scheuer an dünnen Rouladenschnüren über verrosteten Bettgestellen schwebten, hat Hardy Langer seine Installation „The Lost Boys“ Ende Juni erstmals auch in Deutschland gezeigt. Entwickelt hat er sie ursprünglich für Letterfrack. In dieses kleine Dorf an der Westküste Irlands ist der Schorndorfer Künstler vor einem Vierteljahrhundert erstmals gereist, um dort vier Monate Landschaft zu malen.

Damals wusste er noch nichts von den Jungen, die zwischen 1891 und 1956 in der von den „Christlichen Brüdern“ geleiteten „Letterfrack Industrial School“ unter vielen Entbehrungen zu Tode gekommen und dann namenlos ohne Grabstein auf dem Schulfriedhof beerdigt sind.

Ein Werk ohne Anklage, aber für Menschenrechte

Immer wieder ist Langer seither nach Letterfrack gereist. Um den sechs- bis 16-jährigen Jungen, die wegen kleinerer Diebstähle oder Lernschwierigkeiten in das katholische Internat kamen und dort nur lernten, harte Arbeit zu verrichten, für einen Moment in diese Welt zurückzuholen, hat er die Kopfkissen-Installation vor zwölf Jahren ersonnen und in Letterfrack ausgestellt. Mit seiner Arbeit wollte er aber nicht anklagen, sondern den 77 Opfern, von denen er damals wusste, „in einem Werk von Hoffnung und Frieden ihre Persönlichkeit, Menschenwürde und ihre Träume“ zurückgeben.

Als Hardy Langer von den Unterjesinger Kunstdorf-Machern gebeten wurde, sich an der „Menschenbilder“-Ausstellung mit einer Installation zu beteiligen, kam ihm seine „Lost Boys“-Arbeit in den Sinn. Allerdings hatte er die großen, quadratischen Kopfkissen, die er damals in Letterfrack in einer Maschinenhalle von der Decke schweben ließ, längst an einen Freund in Irland verkauft, der sie für sein Hostel gebrauchen konnte. Sie wären für die Unterjesinger Scheuer aber auch zu groß gewesen.

Darum hat Langer bei Ebay 77 neue gekauft, diesmal im Sofakissenformat. Zwei konnte er nach einem Aufruf im Unterjesinger Amtsblatt verkaufen. Bleiben noch 75 Kissen, für die er noch Abnehmer sucht: Die 50 auf 60 Zentimeter großen Kissen sind mit Polyester gefüllt, für Allergiker geeignet und zum Preis von 3,50 Euro haben. „Bei großen Mengen gibt’s Mengenrabatt“, verspricht Langer, der dankbar ist, dass ihm Kunstvereinskollege Wlodek Szwed beim Aufhängen in der Scheuer geholfen hat. Mit einem vollgestopften Auto ist Langer zurück nach Schorndorf gefahren. Die Kissen lagern in seiner Atelier-Garage im Hammerschlag, wo mögliche Käufer sie abholen können.

Info

Wer Interesse an den Sofakissen hat, kann sich mit Hardy Langer in Verbindung setzen: Mobil 0176/38115905 oder mail@hardylanger.de

Mit 77 weißen Kopfkissen, die beim Unterjesinger Kunstdorf in einer Scheuer an dünnen Rouladenschnüren über verrosteten Bettgestellen schwebten, hat Hardy Langer seine Installation „The Lost Boys“ Ende Juni erstmals auch in Deutschland gezeigt. Entwickelt hat er sie ursprünglich für Letterfrack. In dieses kleine Dorf an der Westküste Irlands ist der Schorndorfer Künstler vor einem Vierteljahrhundert erstmals gereist, um dort vier Monate Landschaft zu malen.

Damals wusste er noch

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