Schorndorf

Warum der Weingärtnerverein Schorndorf sein traditionelles Weinfest absagt

Wein
Symbolfoto. © ZVW/Gabriel Habermann

Bis vor zwei Jahren hat der Weingärtnerverein Schorndorf immer am letzten Septemberwochenende sein schon traditionelles Weinfest an der Schorndorfer Kelter am Fuß des Grafenbergs ausgerichtet. Coronabedingt musste wie bei so vielen Veranstaltungen eine Pause eingelegt werden. Jetzt stand die Freude auf das vierzigste Weinfest im Raum – aber auch diese ist getrübt.

„Zwei Jahre lang hat die Corona-Situation es nicht zugelassen, die Weinfeste wie gewohnt zu feiern. Unser 40. Weinfest wollten wir in diesem Jahr nachholen. Aber wir haben uns dafür entschieden, es nun auch wieder abzusagen“, erläutert Weingärtnerverein-Vorsitzender Hans Arnold Kistner.

Der Kreis der Aktiven ist im Alter von 70 plus, eher 80 plus

Nachdem die Situation derzeit noch relativ entspannt ist, habe man sich jüngst beim Weingärtnerverein (derzeit 54 Mitglieder) mit seinen treuen Weinfest-Helfern darüber ausgetauscht, ob das 40. Weinfest in diesem Jahr begangen werden könnte. Kistner: „Erfreulicherweise sind aktuell fast alle Helfer gesund und munter und können sich vorstellen, wieder mitzumachen. Ob das bis zum letzten Septemberwochenende, dem traditionellen Termin des Weinfests, so bleibt, weiß jedoch niemand.“

Der Vereinsvorsitzende blickt nachdenklich zu Boden: „Möglicherweise stehen bis dahin auch neue Corona-Restriktionen mit zusätzlichen Vorsichtsmaßnahmen an, die unter Umständen personellen Mehraufwand bedeuten. Auch ist zu bedenken, dass beim Verein alle seit dem letzten Weinfest drei Jahre älter geworden sind und nicht mehr wie früher ohne Pausen ranklotzen können. Schließlich geht es um einen Aktivenkreis fast ausschließlich der Altersgruppe 70 plus, eher 80 plus.“ All diese Gedanken haben dazu geführt, die Entscheidung jetzt zu fällen. Kistner fügt einen weiteren Grund an: Trotz vielfältiger Bemühungen konnten in der zurückliegenden Zeit keine zusätzlichen Helfer gewonnen werden. Aktuell kann derzeit zwar das gewohnte Angebot der Kelterfeste gerade noch personell gestemmt werden, aber Reserven für Pausen oder Ausfälle gibt es keine.

„Schorndorf und das ganze Remstal haben gute Tröpfle zu bieten“

„Wir haben auch unseren Gästen gegenüber eine Verantwortung“, führt Hans Arnold Kistner aus. „Die Vorbereitungen hätten ja schon Anfang August getroffen werden müssen. Bestellungen bei unserem Metzger hätten aufgegeben werden müssen und auch die Einteilung für unser ‘Backteam’ für den Salz- und Zwiebelkuchen hätte anlaufen müssen. All das auf die Beine zu stellen – und dann womöglich kurzfristig absagen zu müssen, aus welchen Gründen auch immer – nein, das möchten wir nicht.“

Deshalb musste sich der Weingärtnerverein Schorndorf schweren Herzens entschließen, auch dieses Jahr kein Weinfest durchzuführen. Dass das Weinfest auch für Kistner eine Herzensangelegenheit ist, merkt man in jedem Wort. Zwar verbunden mit dem Weingärtnerverein Grunbach und der Remstalkellerei, unter deren Dach man auch bei den Schorndorfer Weintagen mitgewirkt hat, möchte man doch auch in Schorndorf die (Wein-) Fahne hochhalten, um für diese regionalen Weine, deren Trauben hauptsächlich am Hang des Grafenbergs reifen, zu werben. „Das Interesse am Wein und die Offenheit dafür ist hoch. Allerdings fällt auf, dass Weine mehr international wahrgenommen werden, beispielsweise aus Südafrika, Australien oder den USA“, so Kistner und fügt lächelnd an: „Geschmäcker sind halt verschieden. Aber Schorndorf und überhaupt das ganze Remstal haben sehr gute Tröpfle zu bieten.“

Den Weinberg bearbeiten, pflegen, die Trauben lesen – erfahrene Wengerter wissen: Damit sind Zeit und Arbeit verbunden. „So gerne die erwachsenen Töchter oder Söhne dem Vater im Weinberg helfen oder diesen gar übernehmen wollen – oft lässt es das Berufsleben heutzutage gar nicht zu“, nennt Kistner ein Beispiel dafür, warum es am Nachwuchs fehlt. Manche Wengerter vermieten ihre Weinberge gar.

Im Weingärtnerverein wolle man auf jeden Fall mit dem Vereinsleben weitermachen, verspricht der Vorsitzende. Nein, auflösen werde sich der Verein aus freien Stücken sicher nicht, beruhigt und bekräftigt Kistner und fügt süffisant hinzu: „Wir sterben höchstens aus.“ Der Blick richtet sich auf 2023. Kistner: „Es bleibt nur die Hoffnung, dass es bis zu einem kommenden Jahr Bewegung in der Angelegenheit gibt, so dass das 40. Weinfest doch irgendwann nachgeholt werden kann.“

Bis vor zwei Jahren hat der Weingärtnerverein Schorndorf immer am letzten Septemberwochenende sein schon traditionelles Weinfest an der Schorndorfer Kelter am Fuß des Grafenbergs ausgerichtet. Coronabedingt musste wie bei so vielen Veranstaltungen eine Pause eingelegt werden. Jetzt stand die Freude auf das vierzigste Weinfest im Raum – aber auch diese ist getrübt.

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„Zwei Jahre lang hat die Corona-Situation es nicht zugelassen, die Weinfeste wie gewohnt zu feiern. Unser 40.

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