Schorndorf

Warum die Schorndorfer Innenstadt testweise umgebaut wird

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Kompetenznetz KLIMA MOBIL, Vernetzungsgespräch der Modellkommunen am 04.09.2020, 14:00 - 16:00 Uhr im Hospitalhof Stuttgart mit Winfried Hermann, MdL, Minister für Verkehr Baden-Württemberg
Verkehrsminister Winfried Hermann (links) gratulierte OB Matthias Klopfer zur Ernennung zur Modellkommune. © Wolfram Scheible
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Fußgängerzone Schorndorf
Blick in die Innenstadt. © Stadt Schorndorf

Die Stadt Schorndorf hat sich zum Ziel gesetzt, die östliche Innenstadt attraktiver zu machen, und will gleichzeitig bis 2035 klimaneutral werden. Dafür soll im Rahmen des Projekts „Klima Mobil“ der Bereich um den Archivplatz, auf dem auch die neue Stadtbibliothek entstehen soll, neu gestaltet werden. Einerseits sollen sich die Leute dort wohler fühlen, andererseits soll der Fuß- und Radverkehr in den Fokus rücken. Dafür sollen die Straßen und Wege testweise umgebaut werden, bevor 2022 ein endgültiger Umbau folgt. Die betroffenen Bürgerinnen und Bürger bekommen derweil die Möglichkeit, sich maßgeblich an den Entscheidungen zu beteiligen.

Schorndorf ist eine von 15 Modellkommunen

Ein großer Teil der CO2-Emissionen in Baden-Württemberg wird durch den individuellen Verkehr ausgestoßen. Da immer mehr und immer größere Autos zugelassen werden, ist dieser Wert, trotz vieler Bemühungen, seit 1990 sogar angestiegen. Nicht nur der Bund, sondern auch die Länder und Städte setzen sich dafür ein, den Ausstoß der Treibhausgase zu reduzieren. Gleichzeitig sollen die Maßnahmen zur CO2-Reduzierung einen Mehrwert für alle Leute schaffen. Dazu gehören zum Beispiel ein besseres Parkplatzmanagement, Verkehrsberuhigung und der Vorzug umweltfreundlicher Verkehrsmittel. Dafür braucht es vor allem eine zügige Planung und Umsetzung von Verkehrsmaßnahmen sowie externe Unterstützung durch Experten.

Die Stadt Schorndorf hat sich bei einer Ausschreibung des Bundesumweltministeriums gegen 40 Mitbewerber durchgesetzt und ist eine von 15 baden-württembergischen Modellkommunen im Projekt „Kompetenznetz Klima Mobil“. Dieses wird unter anderem von der Berliner Verkehrsagentur Team Red und der Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg unterstützt. Zusätzlich gibt es Fördermittel in Höhe von 60 000 Euro.

„Das Thema Innenstadt ist bei uns Chefsache und wir hoffen natürlich auf turbulentere Zeiten in der Fußgängerzone“, sagt der Erste Bürgermeister Thorsten Englert. Die Stadt will dort deshalb die Aufenthaltsqualität steigern. Konkret sollen der Archivplatz, die Archivstraße und die Johann-Philipp-Palm Straße bis August 2022 schöner gestaltet werden. Dieser Bereich wird derzeit noch hauptsächlich von Autos befahren und ist nicht wirklich attraktiv für Radfahrer und Fußgänger gestaltet. Und das, obwohl gerade die Johann-Philipp-Palm Straße zum Teil schon als Fußgängerzone fungiert. Für eine umweltfreundlichere Umgestaltung beginnen noch diesen Monat die Gespräche mit den betroffenen Bürgerinnen und Bürgern mittels einer Online-Befragung. Denn sowohl Anwohnerinnen und Anwohner als auch Gewerbetreibende aus diesem Gebiet werden an der Planung beteiligt. Auch die ansässige Verwaltung und verschiedene Verbände werden befragt, wie der Bereich besser gestaltet werden soll. Im Sommer werden die Ergebnisse der Gespräche vorgestellt. In einem Workshop sollen dann sogenannte Pop-up-Maßnahmen beschlossen werden. Konkret bedeutet das, dass die Straßen ab dem Frühjahr 2022 testweise für circa sechs Monate lang neu gestaltet werden. So könnte beispielsweise ein Fahrradweg angelegt werden. In diesem Testzeitraum wird dann geprüft, ob die Veränderungen sinnvoll sind. Auf Grundlage dessen wird dann der tatsächliche Umbau 2022 vom Gemeinderat entschieden.

Ähnliche Projekte kennt man bislang fast nur aus Großstädten. Die Friedrichstraße in Berlin wurde vergangenes Jahr durch Pop-up-Maßnahmen kurzerhand zur autofreien Zone gemacht. Dr. Bodo Schwieger, Geschäftsführer von Team Red, sagt: „Die Testphase muss mindestens drei bis sechs Monate dauern, sonst hat es keine Zeit zu wirken.“ Außerdem soll sie der Stadt zeigen, wie viel Budget für den Umbau benötigt wird. Thorsten Englert sagt: „Wir wollen eine menschengerechte Innenstadt und alle Beteiligten aktiv in den Prozess einbinden.“

Funktionsfähigkeit der Innenstadt wird weiter gesichert

Dr. Bodo Schwieger ergänzt, dass beim Pilotprojekt nach modernsten Standards der Städteplanung gearbeitet wird. Denn nicht nur die Attraktivität des Aufenthalts, oder die Förderung für Fuß- und Radwege spielen dabei eine essenzielle Rolle. Die Erreichbarkeit und Funktionsfähigkeit der Innenstadt muss trotzdem weiter gesichert werden. Außerdem gilt es, die Parkplatzsituation für Fahrräder und Autos gleichermaßen zu verbessern. Wenn die Pop-up-Maßnahmen rund um den Archivplatz gut ankommen, können sie durchaus ohne großen Umbau bestehen bleiben.

Die Stadt Schorndorf hat sich zum Ziel gesetzt, die östliche Innenstadt attraktiver zu machen, und will gleichzeitig bis 2035 klimaneutral werden. Dafür soll im Rahmen des Projekts „Klima Mobil“ der Bereich um den Archivplatz, auf dem auch die neue Stadtbibliothek entstehen soll, neu gestaltet werden. Einerseits sollen sich die Leute dort wohler fühlen, andererseits soll der Fuß- und Radverkehr in den Fokus rücken. Dafür sollen die Straßen und Wege testweise umgebaut werden, bevor 2022 ein

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