Schorndorf

Warum gebrauchte Autos auch in Schorndorf immer teurer werden

Öztürk von AKA
Sowohl der Verkauf, als auch die Werkstatt von Aka Automobile werden von Firat Öztürks Familie betrieben. © Gabriel Habermann

Der Markt für Gebrauchtwagen boomt. Egal, ob im Internet oder beim lokalen Händler, die Preise schießen in die Höhe. Grund dafür ist einmal mehr die Corona-Pandemie. Zum einen haben sich im vergangenen Jahr viele Leute, die zuvor ausschließlich Bus und Bahn genutzt haben, aus Angst vor dem Virus ein Auto zugelegt. Zum anderen gibt es immer noch Lieferschwierigkeiten für Neuwagen. Das bekommen auch lokale Gebrauchtwagenhändler zu spüren, wie Firat Öztürk von Aka Automobile berichtet.

Tausend Euro teurer als noch im Vorjahr

Zur Anfangszeit der Pandemie sind die Geschäfte des Familienbetriebs „gar nicht so schlecht gelaufen“, wie Verkäufer Firat Öztürk sagt. Lediglich das Kaufverhalten war anders. Normalerweise bezahlen seine Kunden ihre Fahrzeuge direkt bar, doch Anfang des vergangenen Jahres haben sie sich immer mehr für eine Finanzierung entschieden. Womöglich aus einer Unsicherheit heraus, vermutet er.

Seit November 2020 allerdings laufen die Geschäfte schlecht. Strengere Hygienevorschriften erlauben es nicht mehr, eine Probefahrt zu machen. „Wer kauft schon ein Auto, ohne vorher mal drin zu sitzen“, merkt Firat Öztürk an. Hinzu kommt, dass die Wintermonate im Gebrauchtwagenhandel traditionell nicht sonderlich gewinnbringend sind. Da er mindestens sechs Autos im Monat verkaufen muss, um die laufenden Kosten zu decken, musste der Betrieb bis März auf Kurzarbeit runterfahren. Mittlerweile laufen die Geschäfte allerdings besser, erzählt der gelernte Fliesenleger.

Dass die Gebrauchtwagenpreise aktuell auf einem Rekord-Hoch sind, kann Firat Öztürk nur bestätigen. Gerade im Internet seien gebrauchte Autos aktuell überteuert. Bei Versteigerungen auf Händlerplattformen wird sogar teilweise mehr geboten als die Fahrzeuge tatsächlich wert sind. Die Nachfrage sei, so der Autohändler, durch Corona durchaus gestiegen. Einige seiner Kunden, die normalerweise auf ein Auto verzichten, haben sich nun doch eines zugelegt, um das hohe Infektionsrisiko in den öffentlichen Verkehrsmitteln zu umgehen. Um den rasanten Preisanstieg zu veranschaulichen, zeigt Firat Öztürk auf einen weißen 1er BMW auf dem Hof. Im Jahr 2020 habe dieses Modell im Einkauf ungefähr 6000 Euro gekostet. Mittlerweile bekomme man den Kompaktwagen nicht für unter 7000 Euro.

Aka Automobile hat in dieser Situation aber einen entscheidenden Vorteil: die hauseigene Werkstatt mit Firat Öztürks Vater als Kfz-Meister. So können auch Autos mit kleineren Schäden billig zugekauft, repariert und weiterverkauft werden.

Noch ein weiterer Trend ist laut Firat Öztürk erkennbar: Viele Kunden tendieren mittlerweile zu Autos asiatischer Hersteller, wie Kia oder Suzuki. „Diese Autos laufen und laufen“, sagt er. Europäische Hersteller hingegen, machten öfter Probleme technischer Natur. Außerdem geben die fernöstlichen Hersteller grundsätzlich sieben Jahre Garantie auf ihre Fahrzeuge. Außerdem ermöglichten zahlreiche Online-Plattformen, wie Mobile.de, den Kunden einen genauen Preisvergleich. Viele Menschen kaufen Autos dadurch mittlerweile von Privatpersonen. Aka Automobile kann seine Preise also nicht einfach höher ansetzen. Deshalb fordert der Job des Gebrauchtwagenhändlers, immer auf dem neuesten Stand zu sein. „Ich kenne so gut wie alle Preise.“

Die Ehrlichkeit beim Verkauf steht bei ihm im Vordergrund

Der Gang zum Händler hat für Firat Öztürk trotzdem einen entscheidenden Vorteil: Beim Kauf von einer Privatperson hat man keinen Anspruch auf Garantie. Der Händler hingegen muss seinen Kunden gesetzlich ein Jahr Gewährleistung auf den Motor und das Getriebe geben. Das typische Klischee über Gebrauchtwagenhändler kennt er nur zu gut. „Viele denken dann an den bösen Händler, der Dinge vertuscht und dich abziehen will.“ Auch sein türkischer Name würde nach wie vor abschreckend auf einige Käufer wirken. Deshalb ist sein oberstes Credo die Ehrlichkeit beim Verkaufsgespräch. Außerdem erfüllt er seinen Kunden immer wieder Sonderwünsche, indem er beispielsweise eine Anhängerkupplung und Dachträger bestellt und montiert.

Dass ihm sein Beruf trotz der Corona-Pandemie Spaß macht, betont Firat Öztürk immer wieder. Seit seinem sechsten Lebensjahr ist er praktisch täglich auf dem Gelände des Familienbetriebs. „Mir macht das Verkaufen Spaß. Ich bin da einfach reingewachsen“, sagt er. Seinen Ausbildungsberuf als Fliesenleger hat er dafür jedenfalls schon früh aufgegeben.

Der Markt für Gebrauchtwagen boomt. Egal, ob im Internet oder beim lokalen Händler, die Preise schießen in die Höhe. Grund dafür ist einmal mehr die Corona-Pandemie. Zum einen haben sich im vergangenen Jahr viele Leute, die zuvor ausschließlich Bus und Bahn genutzt haben, aus Angst vor dem Virus ein Auto zugelegt. Zum anderen gibt es immer noch Lieferschwierigkeiten für Neuwagen. Das bekommen auch lokale Gebrauchtwagenhändler zu spüren, wie Firat Öztürk von Aka Automobile

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