Schorndorf

Warum Klaus Reuster mit einem Essensgutschein im Gepäck 1000 Kilometer durch Apulien geradelt ist

Palermo Bologna
Bernd Szillat-Schneeweiss und Klaus Reuster auf Zwischenstation in Matera. Eigentlich wollten sie von Palermo bis nach Bologna radeln.  Fotos: Privat © privat

In Apulien, ganz unten am Stiefelabsatz von Italien, hat Klaus Reuster eine so überraschende Begegnung gemacht, dass er nach seiner 1000-Kilometer-Radtour von Palermo in Richtung Bologna, die ihn auch zu einem alten Schorndorfer geführt hat, einfach zur Zeitung gehen musste. Und der 64-Jährige, der nicht nur Vorsitzender der Schorndorfer Naturfreunde ist und ein paar Jahre für die SPD im Gemeinderat saß, sondern auch bis zu seiner Pensionierung Berufsberater im Arbeitsamt war, strahlt noch immer, wenn er davon erzählt.

Doch der Reihe nach: 35 Jahre lang hat Reuster als Berufsberater auch die Schülerinnen und Schüler im Schulzentrum Rudersberg betreut. Als er im Dezember 2019 in den Ruhestand ging, bekam er zum Abschied im Lehrerzimmer einen kleinen, laminierten Essensgutschein von einem Restaurant in Tricase Porto im fernen Apulien geschenkt. „Es hatte sich herumgesprochen, dass ich eine Radreise von Palermo nach Schorndorf plane“, erzählt Reuster, dessen große Leidenschaft das Radfahren ist.

Nächstes Ziel auf der Agenda: Von Lausanne an den Bodensee

Von Lissabon nach Schorndorf ist er schon geradelt, 2022 will er durchs Berner Oberland von Lausanne an den Bodensee. Auf seiner Radler-Agenda steht außerdem noch die Oberbayerische Seenplatte. Doch zunächst sollte es für den Jungrentner von Palermo nach Bologna gehen. Wegen Corona hatte sich die Fahrt, die er zusammen mit seinem Freund Bernd Szillat-Schneeweiss unternehmen wollte, verzögert. Doch als sich beide Rennradler mit der zweiten Corona-Impfung geschützt fühlten, ging’s Ende August los. Die ersten drei Tage hat’s in diesem verregneten Sommer selbst in Kalabrien nur geschüttet. Immer wieder wurden sie von Gewittern überrascht. Und bis Bologna sind die beiden auch nicht gekommen. Nach drei Wochen und 1000 Kilometern mussten sie die Tour wegen eines Todesfalls in der Familie abbrechen. Doch ihre Zwischenetappe haben die beiden erreicht.

Von Palermo ging’s also über Messina durch Kalabrien, durch Basilica nach Lecce und schließlich in das Ristorante „A Casa Mia“ in Tricase Porto. Noch in grünem Rad-Trikot betrat Klaus Reuster das Restaurant, stellte sich vor und kündigte an, am Abend den Essensgutschein im Restaurant einlösen zu wollen. Halb auf Italienisch, halb auf Englisch radebrechte er, erwähnte Rudersberg und das Schulzentrum. Doch weder bei der Mitarbeiterin, mit der Reuster zuerst sprach, klingelte es, noch beim Chef, der schließlich auch noch dazukam. Erst als Reuster und Szillat-Schneeweiss am Abend noch mal ins Ristorante kamen und Schorndorf erwähnten, löste sich alles in Freude auf: „Ich schwätze auch Schwäbisch“, tat der Inhaber plötzlich kund – und erklärte: „Ich bin auch Schorndorfer.“ Nur, dass er den Essensgutschein ausgegeben hatte, daran konnte sich der Restaurantbesitzer beim besten Willen nicht mehr erinnern.

Das Taekwondo-Studio in der Vorstadtstraße gegründet

Andrea D’Amico hat einige Jahre in Schorndorf gelebt, gearbeitet und in der Vorstadtstraße ein Taekwondo-Studio aufgebaut: Mit 13 Jahren kam der heute 72-Jährige Anfang der 1960er Jahre in die Daimlerstadt, war 15 Jahre lang als Schlosser bei der Firma D. Bader in Geradstetten angestellt. Das Taekwondo-Studio betreibt D’Amicos Bruder noch immer, ein zweiter Bruder lebt in Waiblingen. Andrea D’Amico selbst ist schon vor 44 Jahren nach Tricase Porto zurückgekehrt, um dort Ende der 1970er Jahre ein großes Restaurant zu eröffnen, über das Klaus Reuster in einem Reiseführer gelesen hat: „Exzellent, der Chef Andrea D‘Amico hat sich der gesunden Küche verschrieben. In seinem Restaurant kommt vor allem frischer Fisch auf den Tisch. Hervorragend ist der Pesce Azzuro, gegrillt oder gekocht, mit wildem Meerfenchel, aber auch das Carpaccio. Die Küche ist verglast, so kann man D‘Amico beim Zaubern zuschauen.“ Und nach den Essen kann auch Reuster in die Lobeshymne einstimmen: „Uns wurde das beste Menü aufgetischt.“

Mit dabei im Restaurant ist seit 20 Jahren auch D’Amicos Schwester Annarita, die einst beim Arbeitskleidungshersteller PH. Kübler in der Olgastraße gearbeitet hat. Seine Kinder sind Physiotherapeuten und betreiben in der Nähe von Tricase – ja, was wohl – ein Taekwondo Studio.

Erlebnisreich waren auch die Etappen, für die die Rennradler aus Witterungsgründen oder, weil sie nicht kilometerweit an Auberginenfeldern vorbeiradeln wollten, in die Bahn umgestiegen sind: Einmal wollte ein Schaffner die beiden durch ganz Italien schicken, um mit einem Zug, in dem sie die Räder mitnehmen konnten, ein Stück die Fußsohle hoch nach Lecce zu kommen. Auch am sogenannten Teutonenstrand, an der Ostküste Richtung Arcona, sind die beiden lieber umgestiegen: „Da will man nicht fahren“, sagt Reuster, der die Radtour durch den Süden Italiens in bester Erinnerung hat.

In Apulien, ganz unten am Stiefelabsatz von Italien, hat Klaus Reuster eine so überraschende Begegnung gemacht, dass er nach seiner 1000-Kilometer-Radtour von Palermo in Richtung Bologna, die ihn auch zu einem alten Schorndorfer geführt hat, einfach zur Zeitung gehen musste. Und der 64-Jährige, der nicht nur Vorsitzender der Schorndorfer Naturfreunde ist und ein paar Jahre für die SPD im Gemeinderat saß, sondern auch bis zu seiner Pensionierung Berufsberater im Arbeitsamt war, strahlt noch

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