Schorndorf

Warum Netflix keine Bedrohung für Kinos ist: Das sagt Traumpalast-Chef Lochmann

Lochmann
Heinz Lochmann sieht durch Streaming-Anbieter wie Netflix eher das Fernsehen bedroht als die Kinos. © Benjamin Büttner

Filme und Serien völlig unabhängig vom TV-Programm auf Abruf zu streamen, ist seit einigen Jahren nicht mehr wegzudenken. Die wohl bekannteste Online-Plattform für Serien und Filme ist Netflix. Das kalifornische Unternehmen wird in dieser Woche 25 Jahre alt und hat seit seiner Gründung Filmproduktionen maßgeblich beeinflusst. So mancher Branchen-Insider sieht durch den Streaming-Hype, verstärkt durch Corona, das Ende der klassischen Kinos kommen. Der Geschäftsführer des Schorndorfer Traumpalast-Kinos, Heinz Lochmann, blickt gelassener auf diese Entwicklung. Das Kino, so sagt er, hat sich schon gegen viel Konkurrenz durchgesetzt.

Netflix verliert Abonnenten und hat so viel Konkurrenz wie noch nie

Netflix ist weltweit zum Synonym für das Streamen von Serien und Filmen geworden. Mittlerweile steckt der Konzern jährlich Milliarden in Eigenproduktionen und hat damit sogar schon bei den Oscars abgeräumt: „The Power of the Dog“ beispielsweise gewann bei der Verleihung in diesem Jahr in der Kategorie beste Regie.

Während der Pandemie verzeichneten Netflix und andere Anbieter Rekordumsätze. Denn während der Lockdowns blieb vielen Haushalten nichts anderes übrig, als sich mit Filmen die Zeit zu vertreiben.

Doch jetzt, gut acht Jahre nach dem Start in Deutschland, steckt Netflix in einer Krise. Der Streaming-Service verliert zum ersten Mal in seiner Geschichte Abonnenten und hat gleichzeitig so viel Konkurrenz wie noch nie. Die großen Hollywood-Studios und Tech-Konzerne haben längst das enorme Marktpotenzial erkannt und mischen mit hauseigenen Diensten wie Disney+ und Apple-TV+ mit. In den USA gibt es mit Hulu und HBO-Max sogar noch mehr Anbieter.

Kritik von Nutzern: Content wird immer schlechter

Außerdem hagelt es in der Vergangenheit immer wieder Kritik bezüglich der Inhalte. Denn um mit der Konkurrenz mithalten zu können, muss Netflix regelmäßig neue Serien und Filme veröffentlichen. Deshalb kauft der Konzern wild Inhalte aus der ganzen Welt ein. Allein zwischen dem 29. August und dem 4. September werden laut Netflix 39 neue Filme und Serien auf die Plattform gestellt. Unter der bloßen Content-Masse leidet in den Augen vieler Kunden vor allem eines: die Qualität. Gleichzeitig ziehen viele Hollywood-Studios ihre Filme von Netflix ab, um sie auf der eigenen Streaming-Plattform zu veröffentlichen.

Trotzdem bleibt es dabei: Ein Netflix Basis-Abo kostet im Monat 7,99 Euro, die Premiumversion 17,99 Euro. Ein Kinoticket für nur einen einzigen Film kostet grob zwischen sechs und zehn Euro. Stehen Kinos, für deren große Leinwände Filme eigentlich gedreht werden, durch Netflix mittelfristig vor dem Aus?

Netflix-Abenden fehlt das Erlebnis und die soziale Komponente

Überzeugt, dass dem nicht so ist, ist Heinz Lochmann. Der Geschäftsführer mehrerer Traumpalast-Kinos im Kreis erzählt, dass den Lichtspielhäusern schon oft das Ende vorhergesagt wurde. „Am Anfang kam das Fernsehen, dann das Privatfernsehen, dann die DVD und Blu-Rays. Und immer hat man sich die Frage gestellt: Wie wirkt sich das wohl auf Kinos aus?“ Diese haben aber all diese angeblichen Gefahren überstanden, sagt Heinz Lochmann.

In den 25 Jahren seiner Existenz habe Netflix die Kinobetreiber „relativ wenig gejuckt“. Erst seit einigen Jahren (Netflix startete 2014 seinen Service in Deutschland) sei es in der breiten Masse bekanntgeworden. Auch dass der Konzern mittlerweile mit seinen eigenen Filmproduktionen Preise abräumt, sieht Lochmann entspannt: „Gehen Sie mal raus und fragen die Leute, wie sehr der Oscar-Gewinner von Netflix nachwirkt. Die kennen den Film nicht einmal.“ Filmpremieren, auch viele von Netflix, würden außerdem in Kinosälen stattfinden. „Wo soll man das denn sonst machen?“

Auch das Nutzerverhalten der Netflix-Kunden sei alles andere als eine Bedrohung für Kinos. Denn mittlerweile durchforsten viele Leute ihren Streaming-Service, bis es dort nichts mehr für sie zu sehen gibt, und kündigen dann oder wechseln zur Konkurrenz. „Theoretisch reicht Netflix für zwei bis drei Monate im Jahr. Teilweise warten Leute auch, bis alle Folgen einer Serie durch sind, und schauen dann alles am Stück“, erklärt Heinz Lochmann.

Außerdem sei der Netflix-Abend auf dem Sofa nicht mit einem Kinobesuch vergleichbar. „Wenn die Leute zu Hause einen Film schauen, fehlt die soziale Komponente, das gemeinsame Lachen und Weinen“, sagt Heinz Lochmann. Der Kino-Betreiber sieht in den Streaming-Plattformen deshalb eher eine Konkurrenz für das Fernsehen. Denn das Programm jederzeit anfangen und anhalten zu können, sei ein großer Vorteil gegenüber dem linearen TV. „Aber Hollywood ist Kino“, betont Heinz Lochmann.

Filme und Serien völlig unabhängig vom TV-Programm auf Abruf zu streamen, ist seit einigen Jahren nicht mehr wegzudenken. Die wohl bekannteste Online-Plattform für Serien und Filme ist Netflix. Das kalifornische Unternehmen wird in dieser Woche 25 Jahre alt und hat seit seiner Gründung Filmproduktionen maßgeblich beeinflusst. So mancher Branchen-Insider sieht durch den Streaming-Hype, verstärkt durch Corona, das Ende der klassischen Kinos kommen. Der Geschäftsführer des Schorndorfer

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