Schorndorf

Was den 24-Stunden-Läufer François Koell bewegt, beim Spendenlauf fürs SOS-Kinderdorf mitzumachen

Francois Koell
Auf der Finnenbahn im Stadion ist François Koell gerne unterwegs, nicht nur beim Spendenlauf fürs SOS-Kinderdorf. © Gabriel Habermann

Drei Schachteln Zigaretten und literweise Kaffee – das hat François Koells Leben bestimmt, bevor er mit dem Laufen angefangen hat. Dass ein solcher Lebenswandel nicht lange gutgehen kann, das wurde dem heute 67-Jährigen schon vor 40 Jahren klar. Ende März 1981 hat er mit Rauchen und Kaffeetrinken aufgehört – und ist seither bestimmt 85 000 Kilometer gelaufen.

Anfangs ist er gejoggt, seit vier Jahren geht er mit zwei Stöcken – und am liebsten bei 24-Stunden-Märschen an den Start. Auch beim Spendenlauf, den Awo, ASV und SG Schorndorf nach dem verheerenden Kindergartenbrand fürs SOS-Kinderdorf organisiert haben, wollte er vergangene Woche von Donnerstag, 18 Uhr, bis Freitag, 18 Uhr, 100 Kilometer laufen. Dass er nach 80 Kilometern aufhören musste, schmerzt ihn sehr. Doch das Wetter war einfach zu schlecht.

Zehn Paar Strümpfe und drei Paar nasse Schuhe

Viermal, erzählt François Koell, musste er sich wegen der starken Regengüsse umziehen, zehn Paar Strümpfe hat er gebraucht und drei Paar Schuhe. Doch aufgegeben hat der Langstreckenläufer nicht: Er wird bis zum Ende des Spendenlaufs am Sonntag, 4. Juli, weiterlaufen, nicht mehr nonstop, aber jeden Tag bestimmt 20 Kilometer auf seiner Zwei-Kilometer-Strecke auf der Finnenbahn im Stadion und der Au. Bis Donnerstagmittag ist er schon auf 225 Kilometer gekommen.

Seine ersten 100 Kilometer ist François Koell 1986 beim 24-Stunden-Lauf in Mulhouse in Frankreich gelaufen, dreimal war er für 24-Stunden-Läufe in der Schweiz in Biel, zehnmal hat er den 100-Kilometer-Lauf im französischen Bitche gemacht. Viermal hat er auf dem Westweg von Pforzheim nach Basel 7000 Höhenmeter und 293 Kilometer überwunden. Er hat einmal beim 200-Kilometer-Marsch in Chardonnay teilgenommen, war mehrmals beim Zwei-Tage-Marsch in Fulda und beim Drei-Tage-Einhornmarsch in Seefeld/Tirol dabei. Je einmal hat er in Stuttgart den 50-Kilometer- und den 100-Kilometer-Megamarsch gemacht.

Solange sie noch konnte, hat seine Frau ihn begleitet. Jetzt läuft Koell alleine – und spürt noch immer eine große Zufriedenheit: Obwohl die 24-Stunden-Märsche anstrengend sind, für ihn haben sie auch etwas Erholsames. „Da kann ich komplett abschalten“, sagt der Rentner und genießt beim Laufen die Natur und die vielen Begegnungen auf der Strecke. Und obwohl er im Jahr 2000 eine Angina Pectoris und vier Jahre später schließlich einen Herzinfarkt hatte, ans Aufgeben denkt der Rentner mit französischen Wurzeln noch lange nicht. Ein halbes Jahr war er damals krank, dann hat er wieder angefangen mit dem Laufen. „Aufs Sofa“, sagt der 67-Jährige, „kann ich immer noch sitzen.“

Von der Erlensiedlung bis Winterbach und Plüderhausen

Mittlerweile läuft er nicht mehr jeden Tag. Bei vier Märschen pro Woche ist Schluss, aber zweimal ist er bestimmt unterwegs, um auf seine 60, 70 Kilometer zu kommen. Dann läuft er einfach von daheim aus los, von der Erlensiedlung nach Haubersbronn, über den Holz- und Grafenberg bis zum Winterbacher Stausee, hintenrum übers Spittlerstift, weiter nach Plüderhausen und wieder zurück.

Was er unbedingt noch schaffen will, ist der 170 Kilometer lange Rennsteig im Thüringer Wald. Anfang Mai 2020 war er dort schon unterwegs, musste aber nach einem Sturz nach 70 Kilometern aufgeben. Einen Monat später, erzählt Koell, ist er noch mal hin, um die 100 Kilometer vollzumachen. Jetzt im August will er noch mal einen Anlauf unternehmen und 14 Tage später beim Rhein-Ahr-Marsch noch mal 100 Kilometer in 24 Stunden machen.

Laufen, sagt François Koell, ist für ihn wie eine Sucht – aber besser als Nikotin und Alkohol. Selbst wenn er mal keine rechte Lust verspürt hat, danach fühlt er sich immer frisch – und kann das Laufen nur empfehlen: Doch wer damit anfangen will, dem rät der 67-Jährige, langsam und in Intervallen zu beginnen. Drei Minuten rennen, zwei Minuten gehen – und dann schrittweise steigern. Von null auf 42 Marathon-Kilometer „braucht’s mindestens ein Jahr“. Und er kann Lauf-Interessierten nur dringend raten, nicht an guten Schuhen zu sparen und Pflaster zu kleben, bevor es zu Blasen kommt.

Drei Schachteln Zigaretten und literweise Kaffee – das hat François Koells Leben bestimmt, bevor er mit dem Laufen angefangen hat. Dass ein solcher Lebenswandel nicht lange gutgehen kann, das wurde dem heute 67-Jährigen schon vor 40 Jahren klar. Ende März 1981 hat er mit Rauchen und Kaffeetrinken aufgehört – und ist seither bestimmt 85 000 Kilometer gelaufen.

Anfangs ist er gejoggt, seit vier Jahren geht er mit zwei Stöcken – und am liebsten bei 24-Stunden-Märschen an den Start. Auch

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