Schorndorf

Was die drohende verschärfte 3G-Regel fürs Sterne-Lokal „Pfauen“ und andere Gastronomen in Schorndorf bedeutet

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Der Pfauen vor (noch) wolkenlosem Himmel. © Benny Büttner

So langsam scheint es wieder ernst zu werden auf dem Corona-Radar. Die Infektionszahlen steigen und mit ihnen die Anzahl der belegten Intensivbetten in den Krankenhäusern. Und die neue Verordnung, die seit Donnerstag gilt, lässt auch die Schorndorfer Gastronomen neu bangen, was nun wieder auf sie zukommt.

Werden täglich mindestens acht Menschen pro 100 000 Einwohner wegen ihrer Corona-Infektion auf die Intensivstation verlegt oder steigt die Zahl der belegten Intensivbetten auf mindestens 250 landesweit, greift die erste Verschärfung.

"Dann ist alles wieder leer"

Was die Wirte und Gastgeber dann trifft? Hotel-Übernachtungen sind dann nur noch unter Einhaltung der einfachen 3G-Regel möglich, die Teilnahme an Konzerten und Vorträgen sowie der Besuch von Gaststätten sind dann nur noch entsprechend der verschärften 3G-Regel erlaubt. Dann gilt nur noch ein PCR-Test, die einfachen Schnelltests genügen dann nicht mehr. Bianca Burkardt vom Schorndorfer Sterne-Restaurant „Pfauen“ sorgt sich deshalb sehr:

„Dann ist alles wieder leer“, glaubt sie. Zwar kann sie sich vorstellen, dass die wenigen ungeimpften Gäste im Gourmet-Restaurant im ersten Stock für das besondere Erlebnis auch einen teuren PCR-Test in Kauf nehmen würden. Immerhin rund 90 Euro kostet derzeit ein PCR-Selbstzahler-Test im Klinikum Winnenden.

Kein Mittagstischgast zahlt 90 Euro für einen PCR-Test

Allerdings seien die Gourmet-Gäste nicht die große Masse an Kunden. Die A-la-carte-Besucher nähmen einen größeren Teil der Kunden ein. Dass diese sich durch den PCR-Test vom Besuch des Pfauen leichter abhalten lassen, da ist sich Bianca Burkardt recht sicher. Das gelte sicher auch für die anderen Restaurants. Wer nur eine Pizza für 14 Euro bestelle, wollte doch sicher nicht noch zusätzlich das Geld für einen teuren Corona-Test ausgeben.

Sie kann sich kaum vorstellen, dass Gastronomen auf die Idee kommen könnten, von sich aus die 2G-Regelung einzuführen. „Wir möchten so viele Gäste wie möglich willkommen heißen“, erklärt sie.

Kein Essen neben Heizpilzen beim Pfauen

Aus den vergangenen Monaten weiß sie außerdem, dass die Gäste grundsätzlich lieber draußen sitzen würden, und dies noch umso mehr, wenn drinnen strengere Regeln gelten. Mit den erwarteten steigenden Corona-Zahlen käme aber auch der Herbst und damit Temperaturen, bei denen eine Bewirtung auf der Terrasse für das Team des Pfauen ausgeschlossen sei.

Schließlich gibt’s keine feste Überdachung, eine Zeltlösung genüge den eigenen Ansprüchen nicht, und auch dem Personal wolle man ein ständiges Pendel zwischen warmem Innenraum und kalter Terrasse nicht zumuten. Bleibt vermutlich also nur die Bewirtung unter verschärfter 3G-Regel.

Und im Hotel? Ja, da laufe es inzwischen besser, aber kein Vergleich sei’s zu den Buchungen vor zwei Jahren.

Café „Steve’s rechnet damit, Gäste zu verlieren

Bianca Burkardts Sorgen teilt auch Stefan Finster vom Café „Steve’s“. „Wir haben die Warnstufe ja noch nicht erreicht, das ist schon einmal gut“, sagt Stefan Finster. Es sei aber abzusehen gewesen, was kommt. Finster vermutet, dass er Gäste verlieren wird, wenn die Warnstufe eintrifft und damit die strengeren Regeln greifen. Als Café-Besitzer habe er es etwas schwerer, denn wer würde schon für einen Kaffee einen PCR-Test machen. Umso mehr hofft er auf gutes Wetter, damit seine Gäste auch weiterhin draußen sitzen können.

In der kalten Jahreszeit könnte das allerdings ein Problem werden. „Ich bin gerade dabei, mit der Stadt was zu planen“, erklärt Stefan Finster. Er möchte vor seinem Café größere Schirme aufstellen. Dazu will er Fundamente für die Bodenhülsen einbauen lassen. Damit wäre die komplette Terrasse quasi überdacht, damit seine Gäste bei schlechtem Wetter nicht nass werden. Zudem überlege er sich, Heizstrahler zu kaufen, damit die Café-Besucher trotz kühleren Wetters draußen sitzen können.

Das „Ama Deli“ sieht den neuen Einschränkungen entspannter entgegen

Cem Tosun vom „Ama Deli“ sieht den neuen Einschränkungen entspannter entgegen: „Sicherlich werden Gäste wegbleiben, die bislang kostenlose Tests zur Verfügung gestellt bekommen haben.“ Noch wisse man aber nicht, in welche Richtung sich das Ganze entwickeln werde. Cem Tosun glaubt auch nicht, dass es aufgrund der strengeren Verordnung einen großen Andrang auf die Corona-Impfungen geben wird. Das „Ama Deli“ sei aber auch bei schlechtem Wetter gut besucht. Die Gäste würden derzeit noch draußen sitzen. Sollte es draußen zu kalt werden, gebe es im Innenbereich genügend Kapazitäten. „Wir werden natürlich je nach Stufe die 3Gs beziehungsweise 2Gs abfragen“, so Tosun. Größere Ausfälle befürchtet er dennoch nicht: „Ich würde sagen, dass 90 Prozent unserer Gäste bereits geimpft sind“, sagt Tosun. Folglich werden die strengeren Regeln keine gravierenden Auswirkungen auf das Ama Deli haben.

So langsam scheint es wieder ernst zu werden auf dem Corona-Radar. Die Infektionszahlen steigen und mit ihnen die Anzahl der belegten Intensivbetten in den Krankenhäusern. Und die neue Verordnung, die seit Donnerstag gilt, lässt auch die Schorndorfer Gastronomen neu bangen, was nun wieder auf sie zukommt.

Werden täglich mindestens acht Menschen pro 100 000 Einwohner wegen ihrer Corona-Infektion auf die Intensivstation verlegt oder steigt die Zahl der belegten Intensivbetten auf

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