Schorndorf

Was die Großbuchstaben an der Schorndorfer Stadtkirche zu bedeuten haben

Kunstprojekt
Oliver Braigs Großbuchstaben, die seit Donnerstagvormittag an der Stadtkirchenfassade aufgehängt werden, ergeben zusammengesetzt den Titel des Kunstprojekts: „Gemeinschaft. Jetzt!“ © Gabriel Habermann

Zum Reformationsjahr 2017 haben 14 Künstlerinnen und Künstler die leeren Nischen an der Stadtkirche bespielt. Im Corona-Jahr 2021, in dem das Gemeinschaftsgefühl besonders schmerzlich vermisst wird, gehen fünf Kunstschaffende aus ganz Baden-Württemberg ein gemeinsames Projekt an. Der Stuttgarter Oliver Braig hat am Donnerstag den Anfang gemacht und begonnen, blaue, aus Hartschaumplatten gesägte Großbuchstaben, die zusammengesetzt den Projekttitel „Gemeinschaft. Jetzt!“ ergeben, an die Außenfassade der Stadtkirche anzubringen. Die verschieden großen Buchstaben, die in unterschiedlicher Höhe in den Fugen zwischen den Sandsteinquadern befestigt sind, sollen einstimmen auf das Kunstprojekt, das sich ab Mitte Juni von den leeren Nischen über das Kirchenumfeld bis in die Stadt hinein erstrecken soll. Dass an der Kirche (wieder) Kunst entsteht – darin sieht Künstler Oliver Braig ein Zeichen, „dass sie offen ist“.

Die aufeinander bezogenen Arbeiten der fünf Künstlerinnen und Künstler sind dann von 13. Juni bis 31. Oktober rund um die Stadtkirche zu sehen: Nina Joanna Bergold, Helga Kellerer, Francisco Klinger Carvalho mit Wurzeln im brasilianischen Amazonas, Lambert Mousseka aus dem Kongo und Oliver Braig „gehen mit ganz verschiedenen Materialien und unterschiedlichen Ansätzen auf aktuelle Themen und die ungewöhnliche räumliche Situation ein“, erklärt eine Pressemitteilung der Stadt.

Kunst soll auch Mut machen

Für Eberhard Abele vom Kulturforum, der die Künstlerinnen und Künstler gemeinsam mit Ebba Kaynak ausgewählt hat und am Donnerstagvormittag die Installation der ersten Buchstaben verfolgt hat, bietet das Projekt eine Kunst, „die aus sich heraus die Menschen anspricht, sie inspiriert, nachdenklich stimmt, aber auch Mut macht“. Dass die Idee des gemeinsamen Dialogs bereits im Entstehungsprozess der einzelnen Kunstwerke realisiert wird und so ein Gesamtkunstwerk rund um die Stadtkirche entsteht, findet er bemerkenswert.

Verantwortlich für das Projekt sind Dorothee Eisrich, Pfarrerin der Stadtkirche, Dieter Feser als ehemaliger Vorsitzender des Kirchengemeinderates, Eberhard Abele und Ebba Kaynak vom Kulturforum Schorndorf, die Schorndorfer Unternehmer Doris Schäfer und Frank Krämer sowie Christian Bergmann und Nicole Amolsch von der Stadt Schorndorf.

Die Eröffnung ist am Sonntag, 13. Juni, im Rahmen der „Stadtkirche am Abend“. Alle fünf Künstlerinnen und Künstler werden anwesend sein. Die musikalische Gestaltung übernehmen Frank Kroll (Saxofon) und Patrick Bebelaar (Piano). Pfarrerin Dorothee Eisrich und Eberhard Abele stellen den Grundgedanken der Ausstellung vor und geben Impulse dazu. Zur Finissage am Abend des Reformationstags hat Professor Hans-Ulrich Gehring sein Kommen zugesagt. Er wird das Geschehene auswerten und weiterführen. „Wir freuen uns nicht nur auf die anregenden, nachdenkenswerten und zum Teil auch witzigen künstlerischen Impulse, die beim Vorbeigehen zum Innehalten und Staunen einladen. Mit ,Gemeinschaft. Jetzt!’ ist auch ein ausführliches Begleitprogramm verbunden“, kündigt Pfarrerin Eisrich an.

Beteiligungsaktion: „Raum für alle“

So wird es eine coronakonforme Beteiligungsaktion unter dem Titel „OMG – Oh my God“ geben, bei der Bürgerinnen und Bürger, Schulklassen, Altenheime, Kindergärten und Jugendhäuser eingebunden werden. Da es bei „Gemeinschaft“ nie nur um lokale, sondern immer auch um weltweite Dimensionen geht, greift der Weltladen „El Mundo“ mit eigenen Vorträgen und Mitmachmöglichkeiten das Anliegen der Ausstellung auf.

Geplant ist auch Infomaterial, gedruckt und in digitaler Form, in dem das Projekt und die Kunstwerke entlang der Stadtkirche erläutert und erlebbar werden. Künstlergespräche und Workshops sind ab Sommer geplant – alle Formate, Angebote und Mitmachmöglichkeiten sind auf der Homepage www.stadtkirche-schorndorf.de zu finden. Am 25. September bei der „Nacht der offenen Kirchen“ wird es in der Stadtkirche mit dem Motto „Raum für alle“ ein abwechslungsreiches Programm geben. Ab 26. September zeigen Menschen mit Behinderungen aus der Kreativwerkstatt Stetten in ihren Bildern, was für sie „Gemeinschaft.Jetzt!“ bedeutet.

„Gerade in diesen Zeiten, in denen persönliche Begegnungen so eingeschränkt, sind und in denen so vieles auseinanderbricht, wollen wir ein Zeichen für Gemeinschaft, Solidarität und Zusammenhalt setzen“, sagt Pfarrerin Eisrich. „Unser Ziel ist es, die Menschen in unserer Stadt tatsächlich in einen Dialog darüber zu bringen, wie wir in diesen Zeiten als Stadtgesellschaft zusammenleben möchten, wie wir auf der Wegstrecke niemanden verlieren und was wir voneinander für das friedliche und respektvolle Miteinander brauchen. Und wir wollen darüber reden, wo die Schwierigkeiten, Defizite und Herausforderungen liegen.“

Spendenaufruf

Dass die Idee funktioniert und das Interesse groß ist, zeigt sich für die Macher auch daran, dass inzwischen rund 20.000 Euro zur Finanzierung des Projekts zusammengekommen sind. Wer sich mit einer Spende beteiligen möchte, kann dies tun auf dem Konto der Evangelischen Kirchenpflege: IBAN: DE36 6025 0010 0005 1753 32, Stichwort: Skulpturen 2021.

Zum Reformationsjahr 2017 haben 14 Künstlerinnen und Künstler die leeren Nischen an der Stadtkirche bespielt. Im Corona-Jahr 2021, in dem das Gemeinschaftsgefühl besonders schmerzlich vermisst wird, gehen fünf Kunstschaffende aus ganz Baden-Württemberg ein gemeinsames Projekt an. Der Stuttgarter Oliver Braig hat am Donnerstag den Anfang gemacht und begonnen, blaue, aus Hartschaumplatten gesägte Großbuchstaben, die zusammengesetzt den Projekttitel „Gemeinschaft. Jetzt!“ ergeben, an die

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