Schorndorf

Was unterscheidet die drei aussichtsreichsten Schorndorfer OB-Kandidaten?

Podiumsdiskussion
Markus Reiners, Bernd Hornikel und Andreas Schneider (von rechts): Die drei aussichtsreichsten Kandidaten der OB-Wahl im Gespräch mit Jutta Pöschko-Kopp, Leiterin der Lokalredaktion Schorndorf, in der Künkelinhalle. Auf den Livestream auf Youtube gab es bisher knapp 2000 Aufrufe. © Alexandra Palmizi

Die Erkenntnis nach eineinhalb Stunden Podiumsdiskussion, zu der die Schorndorfer Nachrichten die drei aussichtsreichsten OB-Kandidaten in die Barbara-Künkelin-Halle geladen haben: Das Rennen können bei der Wahl am Sonntag, 28. November, im Grunde alle drei machen. Große Streitpunkte gab es auch in der von Redaktionsleiterin Jutta Pöschko-Kopp moderierten Veranstaltung nicht. Es sind offenbar nur Nuancen, in denen sich Andreas Schneider, Bernd Hornikel und Markus Reiners unterscheiden – inhaltlich und im persönlichen Eindruck.

Was soll sich in Schorndorf ändern? Welche Führungsqualitäten haben die Kandidaten zu bieten? Was halten sie von flächendeckendem Tempo 30 im Stadtgebiet und wie lässt sich der öffentliche Raum besser verteilen? Welche Lösungen gibt es für den angespannten Wohnungsmarkt und wie kann die Nordstadt besser angebunden werden? Bevor es in die Sachdiskussion ging, gab es aber erst noch eine Aufwärmfrage – zu den positiven Eigenschaften der Gegenkandidaten und den eigenen Schwächen.

Stärken und Schwächen der drei Kandidaten

Andreas Schneider gefällt Bernd Hornikels Humor und an Markus Reiners die Hartnäckigkeit, dass er einstecken kann und nicht gleich beleidigt ist. Schneider sieht seine Schwäche darin, dass er in brenzligen Situationen bisweilen seinen Autoschlüssel verlegt. Hornikel schätzt Schneiders engagierte, leidenschaftliche Art und Reiners Nehmerqualitäten. An sich selbst stört ihn, dass er „manchmal ein Chaot“ ist, der ein Umfeld braucht, das ihn strukturiert. Reiners Antwort auf die – „nicht gerade einfache“ – Aufwärmfrage: An Schneider schätzt er die Authentizität und an Hornikel, dass er einen besonnenen Eindruck macht. An sich selbst stört ihn: „Ich bin manchmal ungeduldig.“

Was ändern, worauf aufbauen?

Bernd Hornikel würde zunächst in Sachen Mobilität und Innenstadtentwicklung ansetzen und sieht im Unteren Marktplatz und im Bereich des Bahnhofs „viel Potenzial“. Markus Reiners erster Ansatzpunkt wäre die angespannte Finanzlage und der weitere Ausbau der Digitalisierung. Zur Chefsache würde er den Bereich Soziales machen: Dabei hat er die ältere Generation im Blick, für die er auf dem frei gewordenen Bauhofgelände eine Möglichkeit für altersgerechtes Wohnen und ein weiteres Mehrgenerationenhaus schaffen würde (anstatt sich mit dem Gelände an der IBA 2027 zu beteiligen). Einen Fokus würde er aber auch auf die Jugend legen – und die JIS stärker einbinden. Auch Schneider würde sich als Erstes um die Finanzen der Stadt kümmern, Freiwilligkeitsleistungen unter die Lupe nehmen und „unnötige Projekte“ aufgeben. Was Schneider ebenfalls verspricht: einen offenen Umgang mit den Menschen. Gut aufbauen lässt sich aus Schneiders Sicht auf die fleißigen, kreativen Menschen und die gut funktionierende soziale Infrastruktur.

Sicherheit, Impfpflicht, Fridays for Future und Urlaubsziele

Sicherheit in der Stadt ist für Hornikel „superwichtig“, für Reiners ein „grundlegendes Politikfeld“, in dem Raum für präventives, aber auch repressives Handeln ist. Für Schneider muss die Sicherheit im öffentlichen Raum durch ein „Maßnahmenbündel verbessert werden“. Schwerer taten sich die drei Kandidaten bei der Frage nach der Impfpflicht – Andreas Schneider wunderte sich gar, warum er als OB-Kandidat eine solche Frage beantworten muss: Letztendlich würden sich alle drei für eine Impfpflicht nur als Ultima Ratio, also als letztes Mittel im Kampf gegen die Pandemie aussprechen. Das Fridays-for-Future-Engagement der Jugend heißen alle drei gut – wünschen sich bei der jungen Generation aber mehr Konsequenz im Handeln. Die drei Kandidaten selbst waren in diesem Jahr zumindest klimafreundlich im Urlaub: Reiners in Südtirol, Schneider und Hornikel in heimischen Wäldern unterwegs.

Welche Führungsqualitäten bringen die drei Kandidaten mit?

Auf die von Mechthild Dierlamm-Harth gestellte Publikumsfrage nach der Führungserfahrung konnte Bernd Hornikel nicht nur auf die gleich nach dem Jura-Studium gegründete Rechtsanwaltskanzlei verweisen, sondern auch auf die fünf Jahre, die er als stellvertretender Amtsleiter im Landesbetrieb Vermögen und Bau tätig ist – mit Personalverantwortung. Seinen Führungsstil bezeichnete er als situativ, sich selbst als „achtsamen Chef“, der bei Konflikten auf Diskussion und Kompromisse setzt. Schneider beweist aus seiner Sicht in seiner Arbeit mit Jugendlichen jeden Tag Führungsstärke „bei Menschen, die sich schwertun mit Autoritäten“. Auf der Haben-Seite steht für ihn auch die Arbeit mit seinem Wahlkampfteam, mit dem er im ersten Wahlgang auf fast 25 Prozent der Stimmen gekommen ist. In Auseinandersetzungen hält er sich an den Grundsatz: „Rumzuschreien oder sich aufzuregen kostet mehr Energie als ruhig zu bleiben und durchzuatmen.“ Kooperativ und kommunikativ, so sieht Reiners seinen Führungsstil, Mitarbeitern gesteht er zu, Fehler zu machen, als OB wäre er aber durchaus bereit, Entscheidungen zu treffen. Als stellvertretender CDU-Fraktionsvorsitzender im Stuttgarter Gemeinderat hat er auch auf politischer Ebene Erfahrung und würde im Gemeinderat auf Motivation, Moderation und Kooperation setzen: „Das ist eine andere Arena als die Verwaltung.“

Wie den öffentlichen Raum aufteilen?

Tempo 30 flächendeckend im Stadtgebiet – das wird es mit keinem der drei Kandidaten geben. Für Mobilitätsfrieden wollen sie sich aber einsetzen: Markus Reiners mit nachhaltiger Kommunikation und einer ganzheitlichen Verkehrsgestaltung. Er würde den ADAC als Vertreter der Autofahrerfraktion mit der Radfahrer-Organisation ADFC an einen Tisch bringen. Obwohl er für ein durchgängiges Radwegenetz ist, will er den Autoverkehr nicht aus der Stadt verbannen. Außerdem schwebt ihm ein Mobilitätsprojekt für autonomes Fahren vor – „das würde der Daimlerstadt gut anstehen“. Beim Unteren Marktplatz ist er selbst noch nicht festgelegt. Grundsätzlich spricht er sich für ein Gesamtkonzept aus, das auch die Stadtteile mit einschließt, die alle drei Kandidaten stärker wertschätzen und anbinden wollen. Zunächst würde Reiners aber mit dem Gemeinderat in Klausur gehen, um die dringlichsten Projekte festzulegen.

Andreas Schneider würde die Gottlieb-Daimler-Straße von der Rosen- bis zur Friedrich-Fischer-Straße zur verkehrsberuhigten Zone machen, die Buslinien in die Teilorte ausbauen („trotz der angespannten Finanzlage“), den Individualverkehr aber nicht aus der Stadt verbannen und auf private Fahrgemeinschaften setzen. Außerdem spricht er sich für einen Wiederaufbau des 1993 abgerissenen Stegs über der Bahnlinie auf Höhe des Güterbahnhofs aus – um mehr Menschen zu Fuß in die Stadt zu bringen. Und er will einen Baubürgermeister, der dann auch Varianten für die Umgestaltung des Unteren Marktplatzes vorlegen könnte.

Für einen Steg könnte sich auch Hornikel erwärmen. Und: Er verspricht eine bessere Anbindung der Teilorte. Die „Rathäusle“ in den Ortschaften hält er für identitätsstiftend. Für den Unteren Marktplatz wünscht er sich mehr Aufenthaltsqualität und kann sich eine variable Nutzung vorstellen – mit Zeiten für den Liefer- und den Parkverkehr. Auch er ist für ein städtebauliches Gesamtkonzept.

Was tun gegen die Wohnungsnot?

Obwohl Andreas Schneider einen Flächennutzungsplan mitgebracht hatte und zunächst auch noch den Eindruck vermittelte, als gäbe es noch reichlich Platz für den Wohnungsbau: Letztendlich hat auch er kein Allheilmittel für günstiges Wohnen, sieht allenfalls Spielraum für eine moderate Entwicklung und will weiter auf das Engagement der Stadtbau GmbH setzen. Bernd Hornikel sieht Bauleitplanung und aktive Grundstückspolitik als mögliche Werkzeuge und würde „verträglich nachverdichten“. Markus Reiners sieht nicht nur im ehemaligen Bauhofgelände Möglichkeiten. Auch er würde Baulücken schließen, aber nicht um jeden Preis Häuser hochziehen: Obwohl mit dem Breuninger- und dem Pfleiderer-Areal viel Wohnraum geschaffen wurde – „schönes Bauen sieht anders aus“.

Die Erkenntnis nach eineinhalb Stunden Podiumsdiskussion, zu der die Schorndorfer Nachrichten die drei aussichtsreichsten OB-Kandidaten in die Barbara-Künkelin-Halle geladen haben: Das Rennen können bei der Wahl am Sonntag, 28. November, im Grunde alle drei machen. Große Streitpunkte gab es auch in der von Redaktionsleiterin Jutta Pöschko-Kopp moderierten Veranstaltung nicht. Es sind offenbar nur Nuancen, in denen sich Andreas Schneider, Bernd Hornikel und Markus Reiners unterscheiden –

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