Schorndorf

Weg frei für Stadtbücherei und Markthalle

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Mit einigen Abstrichen soll der Wettbewerbsentwurf des Stuttgarter Architekturbüros Ippolito Fleitz Group für die Stadtbücherei realisiert werden. Abstriche gemacht werden beim Bücherturmanbau und beim ursprünglich geplanten Ausbau des Dachgeschosses. © Ippolito Fleitz Group
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Schorndorf Güterbahnhof
Jetzt steht fest: Der ehemalige Güterbahnhof kann in eine Markthalle umgewandelt werden. Investor Heinz Lochmann wartet nur noch, bis der Kaufvertrag unterschrieben ist. © Schneider

Schorndorf. „Büchereien rechnen sich nicht, aber sie zahlen sich aus“, hat die Leiterin des Fachbereichs Kommunales, Sonja Schnaberich-Lang im Gemeinderat festgestellt, und die große Ratsmehrheit sieht’s offensichtlich genauso: Sie hat den Baubeschluss für den Neubau einer Stadtbücherei am Standort Archivplatz mit einem Kostenrahmen von 6,7 Millionen Euro gefasst und damit den Weg frei gemacht für den Verkauf des Güterbahnhofs an Kinobetreiber Heinz Lochmann, der Gewehr bei Fuß steht, um endlich die Planungen für den Bau einer Markthalle auf diesem Areal vorantreiben zu können.

Die ungeachtet des deckungsgleichen Verwaltungsantrags von der CDU-Fraktion in einem eigenen Antrag noch einmal bekräftigte Festlegung, dass der Verkauf des Güterbahnhofs unter der Maßgabe erfolgt, dass der Güterbahnhof in eine Markthalle umgewandelt wird, reichte Grünen-Stadtrat Andreas Schneider nicht. Ganz davon abgesehen, dass er sich, wie auch einige seiner Fraktionskollegen nach wie vor mit der Standortentscheidung für die Stadtbücherei schwertut und er sie auf dem Areal Güterbahnhof weiterhin besser aufgehoben sähe, und dass er bezweifelt, ob mit der Stadtbücherei am Archivplatz das Ziel erreicht wird, die Innenstadt zu beleben, wollte er wissen: „Wie können wir steuern, dass dort eine Markthalle kommt?“

Keine zusätzlichen Bedingungen für den Verkauf

Schneider hätte es am liebsten gesehen, wenn der Verkauf des Güterbahnhofs zusätzlich an die Bedingung geknüpft worden wäre, dass das Gebäude in seiner Grundkonstruktion erhalten bleibt. Ein Ansinnen, das nicht berücksichtigt wurde, weshalb der Grünen-Stadtrat als einziger gegen den Baubeschluss für die Stadtbücherei und den Verkauf des Güterbahnhofs stimmte. Außerdem gab’s fünf Enthaltungen.

Wie viel vom alten Gebäude erhalten bleibt ist unklar

Was und wie viel von der alten Gebäudehülle des ehemaligen Güterbahnhofs an einer neuen Markthalle noch ablesbar sein wird, darauf will sich Heinz Lochmann, der die Zeit bis zum Baubeschluss geduldig ausgeharrt, gleichzeitig aber in dieser Zeit, was konkrete Planungen angeht, auch noch nicht ins finanzielle Risiko gegangen ist, noch nicht festlegen lassen. „Bevor der Bär nicht geschossen ist, verteilen wir auch das Fell nicht“, sagt Lochmann mit Blick auf den Kaufvertrag, der aus seiner Sicht hoffentlich noch im Dezember, spätestens aber im Januar unterschrieben werden soll.

Markthalle soll „ansprechend, aber nicht überkandidelt“ werden

Ganz untätig freilich sind er und vor allem seine noch nicht einmal 20-jährige Tochter Lara, die beruflich irgendetwas in Richtung Wirtschaft und Management machen will und die von ihrem Vater mit der Konzeption für die Markthalle betraut worden ist, in den letzten Monaten nicht gewesen. Die 19-Jährige, die im Sommer Abitur gemacht hat, hat sich konzeptionell und visuell schon sehr intensiv damit beschäftigt, wie eine solche Markthalle aussehen könnte. Und auch der Anspruch ist schon klar formuliert: „Ansprechend, aber nicht überkandidelt“ soll die Markthalle werden. Oder, wie es Heinz Lochmann sagt: „Wir werden sicher nichts von der Stange zusammenschustern, aber die Leute sollen sich drin wohlfühlen.“

Lochmann: Eröffnung der Markthalle spätestens 2020

Derjenige, der die Stuttgarter Markthalle konzipiert habe, sei auch noch keine 27 Jahre alt gewesen, sagt Lara Lochmann, die ihr Meisterstück deutlich früher machen könnte, wenn das mit der Zeitschiene so hinhauen würde, wie sich Vater und Tochter das vorstellen. Wenn’s ganz gut laufe, noch 2019, spätestens aber 2020 müsste die Markthalle auf dem Areal Güterbahnhof eröffnet werden können, meint Heinz Lochmann, der keinen Hehl daraus macht, dass für ihn als Betreiber des schräg gegenüber liegenden Traumpalasts natürlich auch der Synergieeffekt mit den Parkplätzen vorerst noch beim Güterbahnhof und später dann bei der Markthalle wichtig ist – zumal dann, wenn die Freifläche gegenüber, auf der von einem Chairholder-Projekt schon lange keine Rede mehr ist, weil der viel gerühmte potenzielle Investor längst ausgestiegen ist, bebaut wird.

Architektur: Das Innere muss zum Äußeren passen

Aber nicht nur Heinz Lochmann und seine Tochter stehen in den Startlöchern, sondern auch einige Architekten, die vorab schon mal ihr Interesse bekundet haben, so eine Markthalle zu gestalten. Aber auch ein ansprechendes Angebotssortiment ließe sich mit dem, was den Lochmanns an Interessensbekundungen von möglichen Markthallenbeschickern vorliegt, schon heute zusammenstellen. Da seien „einige Hochkaräter“ dabei, und zwar sowohl aus Schorndorf als auch von außerhalb, verrät Heinz Lochmann, der genauso wie seine Tochter der Meinung ist, dass das Innere zum Äußeren passen muss und umgekehrt und dass eine Markthalle so ausgestaltet sein sollte, dass sie nicht nur zum schnellen Einkaufen, sondern auch zum Verweilen und zum Genießen einlädt.

Heinz Lochmann lässt keine Zweifel aufkommen: „Mir machad des“

Dazu gehöre aber auch, dass die einzelnen Anbieter untereinander harmonierten. „Mir machad des“, sagt Heinz Lochmann im Brustton der Überzeugung und bekundet gleichzeitig, dass er seiner Tochter, was das Konzeptionelle angeht, weitgehend freie Hand lässt. Die nimmt, zwar noch etwas schüchtern, die Herausforderung gerne an, um sich, wie sie sagt, von Anfang an und erst recht nach Fertigstellung mit der Markthalle auch voll und ganz identifizieren zu können.


Des Wohlwollens des Gemeinderats dürfen sich Heinz und Lara Lochmann weitgehend sicher sein, nachdem auch die SPD-Fraktion, die sich seinerseits ebenfalls für den Güterbahnhof als Bücherei-Standort starkgemacht hat, jetzt den Baubeschluss für eine Stadtbücherei am Archivplatz mitgetragen hat. Wenn auch nicht unbedingt leichten Herzens, wie Fraktionschef Thomas Berger deutlich machte. „Die SPD ist eine verlässliche Kraft in dieser Stadt“, betonte Berger, der auch akzeptiert, dass trotz einiger Sparmaßnahmen, wie einem nicht zu 100 Prozent dem Wettbewerbsentwurf entsprechenden Bücherturm und einem teilweisen Verzicht auf den Ausbau des Dachgeschosses, die ursprüngliche Sechs-Millionen-Kostengrenze nicht eingehalten werden kann.

Drei Millionen Euro Zuschuss erwartet

Den Hinweis auf den zu erwartenden Zuschuss in Höhe von mehr als drei Millionen Euro aus dem auf die Innenstadt ausgeweiteten Sanierungstopf „Weststadt II“ relativierte Berger durch den Hinweis, dass diese Zuschüsse auch geflossen wären, wenn das Technische Rathaus am Archivplatz als solches saniert worden wäre. Den sofortigen Verkauf des Güterbahnhofs befürwortete Berger: „Es würde keinen Sinn machen, die Markthalle zu blockieren, bis die Bücherei fertig ist.“

"Hut ab vor der Verwaltung"

Es sei gut, dass die SPD-Fraktion diesen Weg mitgehe, lobte FDP/FW-Fraktionschef Peter Erdmann die Genossen. Dass die sechs Millionen nicht ganz reichen würden, sei von Anfang klar gewesen, meinte Erdmann, der mit knapp sieben Millionen Euro gut leben kann, wenn eine gute Lösung herauskommt – wovon er überzeugt ist. „Hut ab vor der Verwaltung, dass sie eine Finanzierung auf die Beine gestellt hat, die in unseren Rahmen passt“, hatte der FDP/FW-Fraktionschef ein weiteres Lob parat. Ähnlich positiv äußerte sich CDU-Fraktionschef Hermann Beutel. Auch er sprach von einer gelungenen Finanzierung, was umso mehr gelte, wenn auch noch der aus dem Verkauf des Güterbahnhofs erzielte Erlös mit eingerechnet werde.

Baubeginn doch erst 2021?

Der einzige Wermutstropfen, auch darin waren sich Hermann Beutel, Peter Erdmann und Thomas Berger einig, ist die Zeitachse, die bislang so aussieht, dass mit dem Bau der neuen Stadtbücherei erst 2021 begonnen werden kann, weil zuvor noch das Gebäude Philipp-Palm-Straße 10 saniert werden muss, in das aus heutiger Sicht die Technische Verwaltung umziehen soll. Wenigstens um ein Jahr sollte der Baubeginn vorgezogen werden, forderte SPD-Fraktionschef Thomas Berger auch mit Blick darauf, dass die Baukosten erfahrungsgemäß jedes Jahr stiegen. Auch wenn es schwierig wäre, die Technischen Ämter früher irgendwo anders unterzubringen, wäre es wünschenswert, mit dem Bau der Stadtbücherei ein Jahr früher zu beginnen, meinte Peter Erdmann. Einzige Möglichkeit, deutete Bürgermeister Englert einen Kompromiss an, wäre eine zwischenzeitliche „Anmietlösung“ für die technischen Ämter an anderer Stelle.