Schorndorf

Weißrussische Oppositionsaktivistin und Musikerin Maria Kolesnikowa gab vergangenen November ein Konzert in der Schorndorfer Q-Galerie  - jetzt ist sie entführt und inhaftiert worden

belarus
Maria Kolesnikowa mit ihrem Trio „vis-a-vis“ im Foyer der Schorndorfer Q-Galerie. © privat

Unser Foto entstand am 9. November vergangenen Jahres anlässlich eines Auftritts des „Trio vis-a-vis“ im Foyer der Schorndorfer Q-Galerie für Kunst. Links zu sehen ist die Flötistin des Ensembles, Maria Kolesnikowa. Ja, genau die! Die zusammen mit Swetlana Tichanowskaja und Veronika Zepkalo, als mitreißendes politisches Trio bei der Präsidentschaftswahl in Belarus Alexander Lukaschenko herausforderte.

Ikonisch geworden sind die um die Welt gegangenen Fotos dieser drei Frauen, auf denen sie voller Power und Zuversicht für das (weibliche) Gesicht eines demokratischen Weißrussland standen. Die große Kraft und charismatische Ausstrahlung von Maria Kolesnikowa ist auch auf dem Schorndorfer Foto nicht zu verkennen. Jetzt sitzt diese Frau, wie unzählige weitere Oppositionelle in Belarus, in einem Gefängnis in Minsk.

Im Gefängnis, hat aber „gute Laune“

In Minsk ist die 38-Jährige auch geboren. Dort wurde sie zur Solo-Flötistin ausgebildet. Danach kam sie vor zwölf Jahren nach Stuttgart, wo sie bis zu ihrem Abschluss 2012 an der Musikhochschule Alte und Neue Musik studierte. In den vergangenen beiden Jahren war „Masha“ Kolesnikowa als Social Media Managerin für das Musikfestival Eclat in Stuttgart tätig.

Wir sprachen mit dessen Leiterin Christine Fischer, um zu erfahren, wie es der Oppositionellen aktuell gehe. „Sie ist im Gefängnis in einer Zelle zusammen mit fünf anderen Frauen“, hat Fischer über ihre Kontakte erfahren. Und, lässt die Frau, deren Lachen so ansteckend war, ausrichten: „Sie hat gute Laune.“ Sie mache Sport im Hof, aber sie könne nicht kommunizieren. „Sie darf nicht e-mailen. Man kann zwar Briefe schreiben, aber die gehen durch die Zensur.“ Ihre Anwältin, die vergangene Woche selbst festgenommen wurde, aber inzwischen wieder frei sei, könne sie zweimal die Woche sehen. Kolesnikowa habe inzwischen Klage gegen den Staat wegen Gewaltanwendung eingereicht.

Am 7. September wurde die Oppositionsführerin von maskierten Männern gewaltsam entführt und an die ukrainische Grenze gebracht, um abgeschoben zu werden. Sie wehrte sich und zerriss ihren Pass. Für kurze Zeit galt sie als „verschwunden“. Seit einem Monat befindet sie sich in U-Haft.

Wer ist diese Musikerin, die sich auf die politische Bühne wagte? „Es ging ihr immer darum, gesellschaftlich etwas zu bewegen mit ihrer Kunst“, erklärt Christine Fischer. „Da gibt es eine Grundmotivation bei ihr.“ Und woher aber kommt bei ihr diese sprühende Kraft und Wucht? Das habe zunächst mit der Parallelwelt zu tun, in der das Lukaschenko-Regime in Belarus lebe. „Das hatte mit der Realität nichts mehr zu tun.“

Dazu gebe es dort eine Parallelbewegung junger Menschen, die in Europa studiert haben, eine „richtig starke IT-Welt“. Zurückgekehrt fragten sich die jungen Leute, „wie kann ich in Freiheit arbeiten?“ Dazu kam „das super traditionelle Frauenbild“ im Belarus des Lukaschenko. „Das war eine starke Motivation für Maria!“

Sie sei, wie viele andere ihrer Generation, „eine intelligente, starke Frau, die permanent angehalten worden ist. Dann geht das irgendwann wie eine Rakete los! So müssen Sie sich Maria vorstellen. Man fühlt seine Kraft, Möglichkeiten im eigenen Land. Und das ist Belarus heute. Sie hat den Menschen Mut gemacht, ihre Sache zu verteidigen.“

Nun, da alle „Führungsfiguren festgesetzt sind“, sei das schwerer geworden. „Damit die Leute trotzdem durchhalten, brauchen sie uns,“ fordert Christine Fischer und ruft unter dem Link #FreeMaria zur Unterzeichnung einer Petition auf, der inzwischen mehr als 40 000 Menschen nachgekommen sind. Als Solidaritätszeichen mit Maria Kolesnikowa und allen anderen politischen Gefangenen in Belarus.

Unser Foto entstand am 9. November vergangenen Jahres anlässlich eines Auftritts des „Trio vis-a-vis“ im Foyer der Schorndorfer Q-Galerie für Kunst. Links zu sehen ist die Flötistin des Ensembles, Maria Kolesnikowa. Ja, genau die! Die zusammen mit Swetlana Tichanowskaja und Veronika Zepkalo, als mitreißendes politisches Trio bei der Präsidentschaftswahl in Belarus Alexander Lukaschenko herausforderte.

Ikonisch geworden sind die um die Welt gegangenen Fotos dieser drei Frauen, auf

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