Schorndorf

Weihnachtsbaumverkauf: Kunden geben gerne mehr Geld aus und legen in diesem Jahr besonders Wert auf „quietschbunten Schmuck“

Weihnachtsbaumverkauf
Bei der Gärtnerei Hauber läuft das „Baumgeschäft“. Kunden suchen sich einen Baum aus, der dann gut verpackt wird. © ALEXANDRA PALMIZI

Helfen pinkfarbene Glitzervögel am Weihnachtsbaum dabei, die Corona-Zeit gut zu überstehen? Und was hat eine Gurke an den Zweigen zu suchen? Warum sind alle so tiefenentspannt beim Baumkauf?

Familie Dätsch aus Schorndorf will beim Schmücken ihres Weihnachtsbaums gnadenlos in die Kitschkiste greifen. „Pinkfarbene Glitzervögel müssen sein, die tun gut dieses Jahr“, sagt Petra Dätsch. „Wir entscheiden immer nach Stimmung, wie wir ihn schmücken“, äußern sich die 20-jährigen Zwillingstöchter Lea und Nina Lemke über die alljährliche Stilfrage an den Tannenzweigen. „Weihnachtsbaum und Familie Dätsch“ - ein Thema mit Variationen.

Bei ihnen wandert der Baum jedes Jahr, steht selten zweimal hintereinander an einem Platz. Zumal auch die Frage, ob er überhaupt zum Stehen kommt oder nicht vielmehr „raketenstartmäßig“ an der Decke hängt, von Jahr zu Jahr im „Familienrat“ zu lebhaften, spaßhaften Diskussionen führe. Das mit dem hängenden Baum sei eine Reaktion auf die stürmischen Temperamente der Kinder gewesen: „Als sie noch klein waren, haben sie den Baum ab und zu umgeworfen, irgendwann landete er an der Decke“, erklärt Petra Dätsch.

„Ein Baum muss immer sein“

Gut gelaunt und immer am Lachen gehen die drei die Baumreihen ab, betreut von Christoph Hauber und seinem Verkäuferteam. „Baum? Immer, keine Frage, der muss sein“, sagt Tochter Nina. Schwester Lea mag das Schmücken: „Dass man es zusammen macht, das ist schön.“ Womit und wie viel geschmückt wird – auch hier ist Bewegung drin. „Kugeln immer, manchmal alles einfarbig, aber dieses Jahr spricht viel für quietschbunt.“

Ein paar Tage Zeit haben sie ja noch mit ihrer Entscheidung. Stress hätten sie überhaupt keinen deshalb - und auch sonst wegen nichts. „Durch die Shopping-Entschleunigung ist alles viel weniger hektisch.“ Die Entschleunigung scheint auch bei anderen Weihnachtsbaumkäufern früher einzusetzen dieses Jahr. Alles wirkt recht tiefenentspannt rund um das Christbaum-Meer.

Zwei Meter zwanzig ist die Schmerzgrenze

„Perfekt, sollen wir den gleich nehmen?“ Der diesjährige Baumkauf: ein Volltreffer für Familie Meier aus Hößlinswart. „An genau den Baum drangedappt und beschlossen, der ist’s“, sagt Tatjana Meier.

Keine fünf Minuten dauert die Suche, dabei haben sie noch die Qual der kompletten Auswahl kurz nach Verkaufsstart. Was macht sie so sicher, den Traumbaum frisch vom Fleck weg einzuladen? „Zwei Meter zwanzig ist unsere Schmerzgrenze, das haut hin mit dem“, sagt sie. „Er muss von allen Seiten schön buschig sein, damit wir schön viel Schmuck dranhängen können.“

Jetzt kann Weihnachten kommen. Behangen, beleuchtet und bekugelt werde er dieses Mal früher - gleich am Nachmittag wollen sie mit der Schmückung beginnen, ein alljährliches Ritual, das „klar geregelt“ sei. „Der Papa hängt die Lichterkette dran, da will er auch nicht gestört werden, unsere drei Mädels und ich machen die Kugeln“, stellt sie die Rollenverteilung augenzwinkernd vor. Unumstößlich auch das rötliche Farbklima der Kugeln und karierte, gestreifte und gepunktete Filzschmuckanhänger.

In rötlich-orangefarbenes Morgenlicht getaucht, strahlen ihre Augen, die ganz klar sagen: „Die ganze Familie freut sich sehr auf die besinnliche Zeit und die Ruhe.“ Weihnachten sei „so schön geruhsam, sowieso dieses Jahr“. Ohne „Materialschlacht“ und „Koch-Marathons“ besinne man sich aufs Wesentliche, singe ein paar Lieder. Das Hin und Her zu Geschwistern und weiteren Verwandten falle weg, ihren Baum werden sie überwiegend alleine genießen.

Vermisst hätten sie heuer nur ihr eigenes Adventskranzbinden, das die Familie seit einigen Jahren immer vor dem ersten Advent anbietet: „Das klingelt normalerweise bei uns die Adventszeit schön ein“, sagen sie.

In kleiner Runde finden sich Nachbarn bei Gutsle und Glühwein in der Garage ein, und hinterher geht jeder mit einem selbst gebundenen Kranz nach Hause. „So ist es eben im Moment, wir können’s ja nicht ändern, also hoffen wir mal auf nächstes Jahr“, halten sie’s gelassen und geduldig wie Kinder mit dem Warten aufs Christkind. Weihnachten falle ja nicht aus. „Es ist ein Fest der Freude und zum Ganz-Runterfahren“, sagt Martin Meier. „Und Corona beraubt uns nicht der Freude.“

Genießen, was möglich ist

Positiv auf das schauen und genießen, was möglich ist - in der vorweihnachtlichen Stimmung angelangt, tragen auch Beate und Matthias Härer ihren eingenetzten Wunschbaum über den Parkplatz zum Kofferraum. „Er sollte nicht stupfeln“, das ist ihr wichtig. „Und nicht höher sein als sie und nicht breiter als wir zusammen“, spaßt er mit dem Verkäufer herum.

Der zieht ein paar kleinere Exemplare hervor und dreht sie auf dem Stamm wie einen Kreisel herum. Härers begutachten ihn von allen Seiten ganz genau. „An der Seite muss er etwas dünner sein, um ihn an die Wand zu stellen“, teilen sie dem Mitarbeiter die Idealmaße mit. Kugeln und Lichterkette stünden daheim schon parat. Niemals fehlen darf ihre „Weihnachts-Gurke“, ein Glasschmuck in Gurkenform: „Ich verstecke sie irgendwo am Baum, und wer sie als Erstes entdeckt, bekommt ein kleines Geschenk“, erklärt Beate Härer den Brauch.

Dieses Jahr sei freilich auch bei ihnen die Zahl der Gurken-Sucher auf die Kernfamilie begrenzt. Ihren Baum haben sie jetzt. „Der passt in den Kofferraum, dann ist er richtig“, sagt er. In früheren Jahren wären sie nun noch mal vom Auto zurückgelaufen und hätten sich bei Haubers noch einen Punsch oder Glühwein genehmigt. „Normal ist hier der Hammer los“, denkt Matthias Härer an den Markt, der mit dem Weihnachtsbaumverkauf verknüpft war.

„Dieses Jahr ist halt alles anders, ohne Stimmung und Nähe.“ Weihnachten wird trotzdem. Auf das Kunsthandwerkermärktle, die heiße Wurst und das Indianeressen - eine adventliche Spezialität bei Haubers - müsse man eben warten. „Wir haben bis jetzt alles ertragen, dann geht auch das.“

Helfen pinkfarbene Glitzervögel am Weihnachtsbaum dabei, die Corona-Zeit gut zu überstehen? Und was hat eine Gurke an den Zweigen zu suchen? Warum sind alle so tiefenentspannt beim Baumkauf?

Familie Dätsch aus Schorndorf will beim Schmücken ihres Weihnachtsbaums gnadenlos in die Kitschkiste greifen. „Pinkfarbene Glitzervögel müssen sein, die tun gut dieses Jahr“, sagt Petra Dätsch. „Wir entscheiden immer nach Stimmung, wie wir ihn schmücken“, äußern sich die 20-jährigen

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