Schorndorf

Weihnachtswelt im Lockdown: Womit die Würstlesgriller und die Betreiber anderer Verpflegungsstände jetzt ihr Geld verdienen

Metzgerei Wolz
Christian Wolz freut sich, dass die Kunden in der Pandemie das Braten und Kochen neu für sich entdeckt haben. © Gabriel Habermann

Schon der Sommer fiel als Rote-Wurst-Absatz-Garant aus. Keine Hocketse, keine SchoWo, kein Betrieb im VfB-Stadion. Dabei macht Metzgermeister Christian Wolz sonst alle zwei Wochen einen ordentlichen Umsatz mit einem Wurstgrill des Polizeisportvereins direkt vor dem Station. Und jetzt fällt auch noch der Weihnachtsmarkt aus. „Das war schon immer ein Stand, mit dem man gut Geld verdient hat“, erklärt er. Und: Es sei immer eine super Möglichkeit für alle Schorndorfer Metzger gewesen, um sich zu präsentieren. Immerhin waren die Kollegen Kurz, Winter und Fritz stets mit von der Partie – und lieferten im tagesweisen Wechsel die angebotenen Speisen.

Eine Mittagspause macht man auch im Home-Office

Aber auch sonst hinterlässt Corona seine Spuren. Das Tagesessen in der Innenstadt-Filiale wird erheblich weniger nachgefragt als früher – schließlich fallen viele Kunden weg, die in ihrer Mittagspause schnell aus dem Büro flitzen, um sich etwas zu essen beim Metzger zu holen. Die gute Nachricht: Die Kunden sind nicht wirklich weg. Stattdessen stillen sie ihren Mittagshunger mit den Angeboten aus den Filialen in den Wohngebieten – im Schorndorfer Aichenbach-Viertel oder in Plüderhausen – eben dort, wo sich das jeweilige Home-Office befindet.

Völlig brach aber liegt der Partyservice. Keiner braucht Häppchen für Ständerlinge, keiner gelieferte Menüs für Geburtstagsfeste. Man bleibt zu Hause und isst zu Hause. Die neue Häuslichkeit hilft Wolz und seinen Mitbewerbern aber an anderer Stelle weiter. Schließlich haben viele Menschen ihre eigene Küche neu entdeckt, seit Corona den Ton angibt.

Neue Häuslichkeit lockt neue Kunden

Etliche Kunden erforschen nun - wo Urlaub und andere Zerstreuungen wegfallen – die Welt des Schmorens und Brutzelns. Rouladen, Rinderbraten, Gänsekeule – sie sind neuerdings der Renner an der Fleischtheke. Gratis mit dazu gibt’s auf Wunsch auch eine Zubereitungsempfehlung. „Wir helfen gerne weiter, wir freuen uns, wenn wir den Kunden Wissen vermitteln können“, berichtet Christian Wolz aus seinem Ladengeschäft. Sein Tipp für einen leichten Einstieg ins Kochen: einfache Braten oder Geschnetzeltes. Da kämen auch Anfänger mit der richtigen Anleitung zu einem überzeugenden Ergebnis.

Menü zum selbst erwärmen

Neu seien in diesem Jahr Anfragen von Privatpersonen, die gerne ihre Festtagsessen geliefert bekommen möchten. Schließlich ist die Sache mit Essengehen aktuell eine eher unsichere Geschichte. Und nicht jeder mag sich dem Nahkampf mit der Gans stellen. Womöglich wird’s tatsächlich eine Art Menü geben, das in der heimischen Küche schließlich nur noch erhitzt werden muss.

Aber noch ein besonderer Lieferservice ist aktuell sehr gefragt: Doreen Lippmann-Grund aus der Schorndorfer Partnerstadt Kahla hat in den vergangenen 28 Jahren auf der Weihnachtswelt zusammen mit ihrem Team Thüringer Rostbratwürste verkauft. Auch ohne Corona wäre sie selbst nicht mit dabei. Aus gesundheitlichen Gründen schaffe sie es aktuell nicht, vier Wochen am Stück auf dem Markt zu stehen. Allerdings – Würste hätten sie schon geliefert und ein gebuchtes Grill-Team hätte im gewohnten Rahmen die beliebten Würste brutzeln und verkaufen sollen. Nun aber, da die Weihnachtswelt geschlossen bleibt, bestellen etliche Schorndorfer die Schmankerl und bekommen die Würste und andere Spezialitäten per Post zugeschickt.

Doreen Lippmann-Grund: Schöne Erinnerungen an den Markt

„Da freu’ ich mich richtig drüber“, erzählt sie am Telefon. Schließlich seien ihr die Schorndorfer Kunden in den vergangenen Jahrzehnten regelrecht ans Herz gewachsenen. Dieses Jahr verbringt sie die erste Adventszeit seit langem zu Hause. Jeden Tag guckt sie auf die Uhr und erinnert sich daran, was sie üblicherweise um die entsprechende Zeit tun würde. 9 Uhr: Die Lieferung kommt, 10.30 Uhr: Den Grill anwerfen, dann rödeln, grillen, rödeln. 18.30 Uhr: Die Kundenschlange erreicht den Tageshöchststand. Für die inzwischen längst erwachsenen Kinder ist’s eine neue Erfahrung, die Mutter im Advent zu erleben – und sie selbst sagt im Spaß: „Ich hab‘ ja gar keine Deko, weil ich zu dieser Zeit nie zu Hause war.“

Ein echter Garant für eine leckere Mittagspause in der Vorweihnachtszeit war sonst immer der Stand von Sissi Wudtke und Claus Weiser. Sie haben vor Jahren das Lokal „Becka Kurze“ aufgegeben und sich mit ihrer Firma „Maultäsch“ selbstständig gemacht. Seither produzieren sie in ihrer Manufaktur in der Vorstadt Maultaschen, Kutteln, Wurstknöpfle und Knödel in Serie. Leicht ist’s auch für sie nicht. Viele Feste, die für Weisers eine sichere Bank sind, sind in diesem Jahr ausgefallen, dazu gab’s auch kaum Catering-Aufträge.

Und auch die Gastronomen, die die beiden regelmäßig beliefern, haben erheblich weniger Waren abgenommen. Sommerfeste, SchoWo, Weihnachtsfeiern – all das fehlt. Und selbst wenn Sissi Weiser am Ende jeder Weihnachtswelt ganz ehrlich von ihrer Erschöpfung berichtet hatte – 23 Tage stehen und täglich neuen Kartoffelsalat herzustellen hinterlässt seine Spuren – hatten sie dort immer eine Menge Spaß und auch Umsatz. Beides fehlt. Zudem seien solche Events eine gute Gelegenheit gewesen, um sich als Firma zu präsentieren.

Immerhin: Weisers haben mit verschiedenen inhabergeführten Supermärkten der Region Verträge geschlossen und können so ihre Maultaschen an die Kunden bringen. Zudem kommen viele Freunde ihrer Produkte auch mit ihren heimischen Schüsseln und Töpfen zur Produktionsstätte in der Vorstadtstraße 61-67.

Schon der Sommer fiel als Rote-Wurst-Absatz-Garant aus. Keine Hocketse, keine SchoWo, kein Betrieb im VfB-Stadion. Dabei macht Metzgermeister Christian Wolz sonst alle zwei Wochen einen ordentlichen Umsatz mit einem Wurstgrill des Polizeisportvereins direkt vor dem Station. Und jetzt fällt auch noch der Weihnachtsmarkt aus. „Das war schon immer ein Stand, mit dem man gut Geld verdient hat“, erklärt er. Und: Es sei immer eine super Möglichkeit für alle Schorndorfer Metzger gewesen, um sich zu

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