Schorndorf

Weniger Parkplätze für Pendler

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Im Anschluss (Bildhintergrund) sind auf der letzten freien Fläche Großgaragen entstanden, die auf große Nachfrage trafen, aber den Pendlern nichts bringen. © Habermann / ZVW

Remshalden. An der S-Bahn-Station im Remshaldener Ortsteil Grunbach gibt es zu wenig Parkplätze. Das sagen zumindest viele Pendler. Der Knackpunkt: Bis vor kurzem gab es eine freie Schotterfläche dort, auf der wild geparkt wurde. Doch die Bahn verkaufte das Grundstück und ein privater Anbieter baute dort große Mietgaragen. Die Gemeinde hätte die Fläche auch haben können, ließ die Gelegenheit jedoch verstreichen.

76 Park-and-Ride-Parkplätze extra für Bahnnutzer gibt es am Grunbacher Bahnhof, dazu etwa zehn weitere inoffizielle in einer Art Parkbucht. Zu wenig, sagen Pendler, die an der Station ihr Auto abstellen, um mit der Bahn weiterzufahren. „Wenn Sie morgens kommen, kriegen Sie da keinen Parkplatz mehr“, sagt eine Grunbacherin, die Kontakt mit unserer Zeitung aufgenommen hat. Auch Christa Bidier, Gemeinderätin der Faktion Alternative Liste (Ali), hat mit Betroffenen gesprochen und machte die Sache kürzlich in einer Gemeinderatssitzung zum Thema. Sie habe gesagt bekommen, „dass es sehr schwierig ist, nach 8 Uhr morgens einen Parkplatz zu bekommen“. Bidier hatte dazu außerdem gleich eine konkrete Frage an die Gemeindeverwaltung: „Gibt es eine Möglichkeit, mehr Park-and-Ride-Parkplätze zu schaffen?“

Die Antwort des Technischen Beigeordneten Dieter Schienmann lief auf ein Fazit hinaus: Das Problem sei bekannt. Aber: „Wir sehen keine Perspektive, wo wir Parkplätze herzaubern sollen.“

Das Grundstück ist 5000 Quadratmeter groß

Wer sich die Situation vor Ort anschaut, der sieht Dieter Schienmanns Einschätzung bestätigt. Alles um den Bahnhof herum ist zugebaut. Auf der Südseite ist Wohngebiet, auf der Nordseite liegen die bestehenden mit P+R-Schild ausgezeichneten Parkplätze. Drum herum stehen Gebäude von Gewerbebetriebe. Und direkt an den Gleisen im Anschluss an den Bahnhof ist in den vergangenen Monaten eine Reihe von großen, grauen Bauten entstanden: Mietgaragen, die von der Garagenpark Remshalden GmbH errichtet und vermarktet wurden. Das war nicht immer so: Davor gab es anstelle der Garagen eine Brachfläche, die als Parkplatz genutzt wurde, von Lkws, aber auch von Pendlern, die auf den offiziellen Stellflächen keinen Platz mehr fanden.

Dann bot die Bahn das langgestreckte Grundstück zwischen Gleisen und Alfred-Klingele-Straße zum Verkauf an und nachdem es einige Jahre auf dem Markt war, o die Info von Dieter Schienmann, schlug die Garagenpark Remshalden GmbH zu. Diese gibt auf ihrer Internetseite die Größe des Grundstücks mit 5000 Quadratmetern an. Dort ist außerdem zu lesen, Basis für das Angebot seien eigene Erfahrungen der Gesellschafter gewesen, „dass gut zugängliche und direkt anfahrbare Garagen in unterschiedlichen Größen und Höhen nahezu nicht existent in der Region waren“. Die Schnelligkeit, mit der alle 47 Großgaragen vermietet waren, spricht dafür, dass die Einschätzung des Bedarfs zutraf.

Gemeinde hätte das Grundstück kaufen können

Auf der anderen Seite fehlt die Fläche nun eben den Pendlern. Die eingangs zitierte Grunbacher Bahnnutzerin ärgert sich über den Vorgang: „Da verkauft die Bahn das Grundstück und vernichtet Parkplätze.“ Und das, obwohl alle ständig von der Förderung des öffentlichen Nahverkehrs reden würden, das passe nicht zusammen, sagt die Frau, die eine VVS-Jahreskarte hat.

Die Pressestelle der Deutschen Bahn beantwortet eine Anfrage unserer Zeitung dazu recht knapp. Sie verweist darauf, dass die Fläche an der Alfred-Klingele-Straße kein offizieller Parkplatz gewesen sei und nur wild beparkt wurde. Die Bahn habe die Fläche verkauft, weil sie nicht mehr benötigt werde. Was das Problem der Parkplatznot angeht, sieht die Bahn die Verantwortlichkeit woanders: „Für Parkflächen an Bahnhöfen ist die jeweilige Gemeinde/Kommune/Stadt zuständig.“

Tatsächlich hätte die Gemeinde Remshalden die Möglichkeit gehabt, das brachliegende Grundstück am Bahnhof zu kaufen. Das bestätigt der Technische Beigeordnete Dieter Schienmann auf Nachfrage. Aber: „Die Gemeinde hat es nicht erworben, da die Bahn das Grundstück zum einen nur am Stück veräußern wollte und zum anderen bei ehemaligen Gleisflächen regelmäßig mit Verunreinigungen zu rechnen ist, die für den Käufer ein Risiko darstellen.“

Bahn schiebt es auf Gemeinde, Gemeinde auf Regionalverband

Dieter Schienmann sieht aber seinerseits wiederum die Zuständigkeit an ganz anderer Stelle: „Der Verband Region Stuttgart betreibt die S-Bahn auf Gleisanlagen der Deutschen Bahn. Es müsste doch auch in deren Interesse liegen, dass deren Kunden ausreichend Parkmöglichkeiten an den Haltepunkten vorfinden.“

Die Bahn sieht also die Gemeinde in der Verantwortung, die Gemeinde wiederum den Verband Region Stuttgart (VRS). Und was meint der dazu? Ja stimmt, so schreibt die Pressestelle des VRS: „Als Aufgabenträger für die S-Bahn in der Region Stuttgart ist es ganz im Sinne des Verbands Region Stuttgart, dass die Pendler ein bedarfsgerechtes P+R-Angebot an den S-Bahnhöfen vorfinden. Ihnen soll so das Umsteigen auf den ÖPNV erleichtert werden.“ Daher habe der VRS auch ein Konzept entwickelt, wie die Parkplätze in der Region gefördert und ausgebaut werden können. Alle Kommunen entlang der S-Bahn-Linien hätten dazu ein konkretes Angebot bekommen.

„Wir haben keine zusätzliche Fläche mehr“

„Viele Kommunen haben dieses Angebot aufgegriffen“, so die Pressestelle des VRS, und konkret zu Remshalden: „Das regionale Angebot wäre für Grunbach geeignet gewesen, um die bestehenden P+R-Plätze zu sichern, bisher hat sich aber leider noch keine Zusammenarbeit angebahnt.“ Und: „Sollte seitens der Kommune Interesse bestehen, so ist der Verband Region Stuttgart bereit, die Möglichkeiten für weitere Förderrunden gemeinsam auszuloten.“

Dazu meint der Technische Beigeordnete Dieter Schienmann: Er gehe davon aus, dass das Angebot der Region zu einem Zeitpunkt gekommen sei, als schon keine Fläche mehr zur Verfügung gestanden wäre. Und er wiederholt seine nüchterne Lagebeschreibung aus dem Gemeinderat: „Wir haben keine zusätzliche Fläche mehr, die wir zur Verfügung stellen können.“