Schorndorf

Weniger Weihnachtsbäume, dafür mit neuen Lichtern

9462a839-3173-4cde-aa87-16fb4f8d851e.jpg_0
So ärmlich präsentierte sich der Weihnachtsbaum am Grunbacher Kirchplatz im vergangenen Jahr teilweise wegen ausgefallenen Lichterketten – hier soll auch im nächsten Jahr ein großer Baum stehen und durch neue LED-Lichter ein besseres Bild abgeben. © Palmizi/ZVW (Archiv)

Remshalden. Kein Baum mehr in Buoch, keiner mehr am Reinhold-Maier-Platz in Grunbach und keiner mehr am Marktplatz vor dem Rathaus in Geradstetten: Weil es immer schwerer wird, an Nadelbäume heranzukommen, die nicht mehrere Tausend Euro kosten, hat der Remshaldener Gemeinderat mehrheitlich beschlossen, auf einzelne Standorte zu verzichten. Die Diskussion geriet dabei teilweise sehr emotional.

Bürgermeister Reinhard Molt erklärte zunächst die sachlichen Gründe für den Plan, einige der Weihnachtsbaumstandorte zu streichen oder die Bäume dort zu verkleinern: „Wir haben massive Probleme, Bäume zu bekommen.“ Die Gemeinde setzt bisher auf Spenden: Wer einen großen Nadelbaum im Vorgarten oder auf dem Grundstück hat, den er entbehren kann oder loswerden will, der kann sich melden. Dann kommt der Bauhof, begutachtet den Baum, fällt ihn, sofern er geeignet ist, und nimmt ihn mit.

Doch die Spender werden offenbar immer weniger – eine Entwicklung, die sich nicht nur auf Remshalden beschränke, wie der Bürgermeister betont: „Andere Kommunen haben auch erhebliche Probleme.“ Er habe jetzt im Radio bei SWR4 sogar einen Aufruf der Stadt Göppingen gehört. Aus seiner vorigen Wirkungsstätte als Baubürgermeister in Filderstadt kenne er das Problem auch.

Der Bürgermeister erklärte zudem, warum es aus Sicht der Gemeinde nicht in Frage kommt, die Bäume einzukaufen. Ein Baum mit sechs Metern Höhe koste auf dem freien Markt samt Transport, Aufstellung und Abholung 2450 Euro.

„Deswegen haben wir uns eine gewisse Konsolidierung überlegt“, sagte Reinhard Molt, das heißt, die Zahl der aufgestellten Bäume etwas zu reduzieren, „damit wir die Chance haben, diese auch tatsächlich zu bekommen“. Die Haltung von Bürgermeister und Verwaltung: Lieber weniger Bäume, dafür aber ausschließlich schöne (Molt: keine „krummen Storren“, über die es dann auch noch Beschwerden gebe) und diese auch möglichst gut beleuchtet (siehe „Debakel 2018 und LED-Beleuchtung“).

Appell für den Erhalt der „Weihnachtskultur“

Im einzelnen lautete der Vorschlag der Verwaltung: kein Baum mehr am Reinhold-Maier-Platz in Grunbach, keiner mehr in Buoch an der Ortsdurchfahrt (nur noch der vorhandene Schwippbogen), keiner mehr auf dem Marktplatz vor dem Rathaus (nur noch der kleinere im Windfang des Eingangs) und in Rohrbronn wird am Gemeindehaus keiner mehr aufgestellt, sondern ein geeigneter Baum geschmückt, der geschickterweise auf einem angrenzenden Grundstück steht und den die Nachbarn dafür zur Verfügung stellen.

Der Gemeinderat stellte sich mit großer Mehrheit hinter den Vorschlag, allerdings gab es auch eine flammende Rede von Bernd-Günter Barwitzki, der sich für den Erhalt aller Standorte stark machte. Die Fraktion von Freien Wählern und FDP (FW/FDP) könne bei dem Sparvorschlag nicht mitgehen, so Barwitzki: „Wir sind der Meinung, auf die öffentlichen Plätze gehört ein Weihnachtsbaum.“ Besonders gelte das für den Marktplatz und den Reinhold-Maier-Platz. „Es ist eine jahrhundertealte Weihnachtskultur, dass Bäume in den Städten stehen“, sagte Barwitzki, der sehr emotional wurde und ganz weit ausholte: 1419 habe es den ersten geschmückten Christbaum gegeben, und von Deutschland aus habe sich der Brauch weltweit verbreitet. Die Weihnachtsbäume gäben „eine gewisse kulturelle Identität und ein Gefühl, zuhause zu sein“ und sie „sorgen für eine Atmosphäre, in der sich die Leute wohlfühlen.“ Diesen „Kulturauftrag“ gelte es zu pflegen. Gerade im Kulturbereich dürfe Geld nicht oberste Priorität haben. „Die Schwierigkeiten müssen gelöst werden“, so die Forderung des FW/FDP-Rates.

Für und Wider

Tobias Schädel (Bürgerliche Wählervereinigung BWV) stimmte einerseits zwar zu: „Die Weihnachtsillumination ist etwas, was heimelig macht.“ Aber: Man streiche ja nicht alle Bäume, und auf den einen oder anderen Standort könne man verzichten. Klar, sei es schwierig, etwas Liebgewonnenes wegzunehmen. „Ich glaube, das wir trotzdem diesen Schritt machen müssen.“

Schädels BWV-Kollege Jürgen Hagenlocher war anderer Meinung und schloss sich Bernd-Günter Barwitzki an. Die Bäume seien auch wichtig für die Einzelhändler, die auf eine gute Atmosphäre angewiesen seien. Die Reduzierung sie „keine Stärkung der Ortskerne“. Hagenlocher stellte einen Gegenantrag, alle Standorte zu erhalten. Dieser Antrag fand jedoch nur sechs Befürworter im Rat, es gab 13 Gegenstimmen und zwei Enthaltungen.

Die klare Meinung einer Buocherin, die als Zuhörerin die Sitzung im Buocher Gemeindehaus besuchte, gab es auch noch als Zwischenruf. „Wir in Buoch können verzichten“, mischte sie sich in die Diskussion ein. Vor der Gemeindereform, als Buoch noch eigenständig und kein Ortsteil Remshaldens gewesen sei, habe es auch keinen öffentlichen Christbaum im Dorf gegeben. „Wir haben unsere Bäume in der Familie und die reichen.“

Die Standorte

  • Kirchplatz Grunbach: Baum bleibt
  • Innenhof Bürgerhaus Grunbach: Baum bleibt, aber kleiner, „Wohnzimmergröße“
  • Lindenplatz Hebsack: Baum bleibt
  • Gemeindehaus Rohrbronn: Baum auf Nachbargrundstück wird geschmückt, keiner mehr extra aufgestellt.
  • Winnender Straße Buoch: kein Baum mehr, nur noch Schwibbogen
  • Reinhold-Maier-Platz Grunbach: kein Baum mehr
  • Marktplatz am Rathaus Geradstetten: kein Baum mehr, nur noch ein kleiner innen im Windfang.

Bürgermeister Reinhard Molt rief in der Gemeinderatssitzung mögliche Baumspender, dazu auf, ihre Bäume zu melden: „Wir freuen uns über jeden Baum, der einigermaßen gerade gewachsen ist und auf den man gut zugreifen kann.“ Für jemanden, der einen Baum ohnehin loswerden wolle, sei das eine gute Möglichkeit.


Debakel 2018 und LED-Beleuchtung

Im vergangenen Jahr boten die Remshaldener Weihnachtsbäume viel Anlass für Spott und Kritik. Der Baum am Grunbacher Kirchplatz zum Beispiel war lange Zeit so halblebig beleuchtet, dass viele meinten: Dann lieber gar kein Baum. Grund für den unschönen Anblick war unter anderem, so erklärte die Gemeinde das Debakel, dass die veralteten Lichterketten nacheinander ausgefallen waren. Das soll jetzt besser werden. Mit der Reduzierung der Zahl der Bäume hat der Gemeinderat auch die Anschaffung von neuen LED-Lichterketten für alle Standorte beschlossen.

Nichts wird sich daran ändern, dass grundsätzlich nur die obere Hälfte oder sogar nur das obere Drittel der Remshaldener Bäume mit Lichterketten behängt ist. „Weil es immer wieder Mitbürger gibt, die es lustig finden, eine Kette durchzuschneiden“, erklärt Bürgermeister Reinhard Molt.

In Rohrbronn haben im vergangenen Jahr zwei Mitglieder der Dorfgemeinschaft zur Selbsthilfe gegriffen: Den nur im oberen Drittel beleuchteten Baum verschönerten sie mit selbstgebastelten Papierssternen und Kugeln.