Schorndorf

Wenn nicht jetzt, wann dann? „Luna Viva“-Betreiberin aus Schorndorf plant großes Auto-Abenteuer

LunavivaReise
Sind für ihr großes Abenteuer bereit: Vivian Tuschl-Aguilar und Ehemann Roland. © Gaby Schneider

„Explorando el origen“ – den Ursprung erforschen, so lautet das Motto des Abenteuers, das Vivian Tuschl-Aguilar und ihr Mann Roland Anfang Januar starten. Die 49-Jährige, die ihren mexikanischen Laden „Luna Viva“ in der Gottlieb-Daimler-Straße betreibt, kann es kaum erwarten, bis es losgeht, und ist mächtig aufgeregt. „Wir werden den gesamten amerikanischen Kontinent von Argentinien bis Alaska auf dem Panamerican Highway durchqueren. Unser erster Halt wird in Argentinien sein. Dann folgen Uruguay und Chile.“

Januar, Februar, März – in dieser Zeit wird das Ehepaar, das 17 Jahre verheiratet ist, unterwegs sein. „Das Luna Viva mit Café wird zum Pop-up- Store und ist dann saisonal geöffnet“, erzählt Tuschl-Aguilar, die in Mexico-City aufgewachsen ist und der Liebe wegen in Schorndorf sesshaft wurde. In den vergangenen Jahren konnte sie gut beobachten, wann in ihrem Geschäft „etwas los ist“ und wann es eher „etwas ruhiger zugeht“.

So hat das Geschäft ab Januar 2023 vorerst geschlossen, über die Website sei aber alles weiterhin verfügbar und Vivian Tuschl-Aguilar wird für ihre Kundschaft erreichbar sein, wenn es notwendig ist. „Schwäbisch-mexikanisch hat sich Vivian an den Besenwirtschaften hierzulande orientiert“, erklärt ihr Mann Roland (60) und schmunzelt, „die haben auch nicht das ganze Jahr geöffnet.“

„Einfach den Mut haben, es zu machen“

Solch ein Reiseexperiment zu unternehmen, schwirrt dem Paar schon mehr als fünf Jahre im Kopf umher. Fremde Länder entdecken und erkunden – eine Leidenschaft, die verbindet. Roland Tuschl war rund 38 Jahre bei Daimler beschäftigt und deshalb berufsbedingt viel im Ausland unterwegs. Auch in Südamerika. „Ich liebe diese Länder. Die Freundlichkeit der Menschen, die Lebenslust.“ Der 60-Jährige hatte das Glück, durch die Altersteilzeit früher in Rente gehen zu können. „Vivian und ich haben gesagt, wenn nicht jetzt, wann dann?! Solch eine Reise kann man nur machen, solange man noch fit ist.“

Rechtzeitig habe man sich vorgenommen, „immer mal etwas auf die Seite zu legen“. Umso konkreter der Plan wurde, umso mehr sparte das Paar. „Wir haben allein fürs Tanken ein extra Konto angelegt, auf dem jetzt 8000 Euro angespart sind“, nennt Tuschl ein Beispiel. Er hat die Reise organisiert, den Fahrplan im Kopf und die Finanzen durchkalkuliert. Ein Tagesbudget von 80 Euro habe er angesetzt. „Für Essen und sonstiges, ohne Tanken. Das genügt.“

Seine Frau fügt an: „Wir sind nicht reich, aber haben uns bewusst für diese Reise entschieden und auch auf das eine oder andere in der Vergangenheit verzichtet. Wir sind nicht mehr die Jüngsten und unsere Botschaft soll sein: einfach den Mut haben, es zu machen.“ Denn – und das sagen beide im Einklang – „wenn irgendetwas schiefgeht, kommen wir wieder nach Hause“.

Langes Wohnmobil wäre der Horror

Wer nun denkt, das Ehepaar macht einen schönen Urlaub in einem Ressort des jeweiligen Landes, der täuscht sich. Eigens für ihren Trip haben sie sich einen Mercedes der G-Klasse zugelegt, Baujahr 2007, und umgebaut. „Im April 2021 sind wir da fündig geworden“, erzählt der 60-Jährige. „Uns ist es wichtig, unabhängig vorwärtszukommen. Es musste ein Wagen sein, mit dem ich auch durch unwegsames Gelände und enge Straßen komme. Ein neun Meter langes Wohnmobil wäre der Horror.“

Logistisch durchdacht haben Roland Tuschl und seine Frau den Wagen ausbauen lassen. Schubladen, kleine Regale und Stauraum sind nun dort eingebaut, wo sich die Rückbank befand. „So können wir alles minimalistisch einpacken.“ Wer als Frau verreist, weiß, was alles in den Koffer sollte. Die Mexikanerin lacht, weil sie weiß, dass sie ihre Stöckelschuhe zu Hause lassen darf: „Jeder von uns hat eine Reisetasche. Drei paar Schuhe, zwei T-Shirts, zwei Hosen, vielleicht zwei Pullover und zwei Jacken - und natürlich die Kosmetiktasche mit Hygieneartikeln.

Mehr wird da nicht drin sein.“ Hier und da werden Campingplätze angefahren, dort, wo es die Infrastruktur zulässt. Ansonsten - getreu dem Motto  "Zurück zur Natur": „Auch in einem See oder Fluss kann man sich waschen. Wir haben aber auch eine Solardusche dabei, die man hinten am Auto befestigen kann.“ Was das Auto nicht hat: Es gibt keine Satelliten, keine Dusche, keine Toilette an Bord und auch keine Elektrizität. Eine große Kühlbox mit Eiswürfel ist im Fahrzeug untergebracht, sowie Campinggeschirr. Ein 18-Liter-Kanister für Trinkwasser ist ebenfalls am Auto angebracht.

„Wir wollen uns so jeweils vorbereiten, dass wir immer drei bis vier Tage unabhängig reisen können“, so ist zumindest der Wunsch von Roland Tuschl. Das Einzige auf das seine Frau Wert gelegt hat: ein großes Dachzelt, in dem geschlafen wird. „Es ist das größte, das es gibt“, sagt der 60-Jährige und Vivian lacht: „Ich brauche Platz zum Schlafen.“

Sollte es ungemütlich werden, etwa durch Regen und Wind, sei man im Auto gut geschützt und könne es sich kuschelig machen. Apropos kuschelig: 17 Jahre verheiratet - aber gibt es nicht auch Zweifel, sich nicht aus dem Weg gehen zu können und nur aufeinanderzusitzen? „Das wird die eigentliche Herausforderung“, witzelt Roland Tuschl liebevoll. Und seine Frau meint: „Ich denke, ich werde meinen Mann jetzt erst richtig kennenlernen.“ Ein guter Mix von allem und Kommunikation, das seien die Stärken dieser Partnerschaft. „Und wenn es mal länger regnet und wir unser Auto nicht verlassen können, wird uns auch etwas einfallen.“

Beide könnten auch auf engem Raum für sich sein. „Jeder kann in seiner Welt sein und mal schweigen, aber dennoch sind wir zusammen“, sagt die Mexikanerin. Auf dieser Reise sei man nicht nur als Ehepaar unterwegs, sondern auch als Arbeitsteam. „Denn ich schaue zudem, was ich für mein Geschäft für neue Dinge entdecken kann.“ Roland Tuschl ergänzt: „Wir verbinden das Geschäftliche mit einem Erlebnisabenteuer. Wir wollen das Authentische erleben, die Einheimischen kennenlernen und so viel erleben, wie es nur geht.“

„Explorando el origen“ – den Ursprung erforschen, so lautet das Motto des Abenteuers, das Vivian Tuschl-Aguilar und ihr Mann Roland Anfang Januar starten. Die 49-Jährige, die ihren mexikanischen Laden „Luna Viva“ in der Gottlieb-Daimler-Straße betreibt, kann es kaum erwarten, bis es losgeht, und ist mächtig aufgeregt. „Wir werden den gesamten amerikanischen Kontinent von Argentinien bis Alaska auf dem Panamerican Highway durchqueren. Unser erster Halt wird in Argentinien sein. Dann folgen

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