Schorndorf

Wie das Schorndorfer Unternehmen Softwareinmotion Daten aus dem Rennsport nutzt

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Softwareinmotion
Die Technologie von Softwareinmotion kommt bereits in Testfahrzeugen zum Einsatz. © Gaby Schneider
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George Azar (links) und Stefan Brunnet haben Softwareinmotion 2010 gegründet und sind seit 2014 in Schorndorf ansässig. © Gaby Schneider

Autonomes Fahren ist das bestimmende Zukunftsthema in der Automobilindustrie. Dass Autos irgendwann ganz von alleine fahren werden, davon sind längst nicht mehr nur Branchenexperten überzeugt. Doch der Weg dahin ist trotz großer technischer Fortschritte noch weit.

Denn um die komplexe Technologie sicher zu machen, müssen unzählige Daten gesammelt und ausgewertet werden. Das Schorndorfer Unternehmen Softwareinmotion macht unter anderem genau das: Es setzt ein sogenanntes „Drive-by-Wire“-Lenksystem im Rennsport ein und sammelt dabei wichtige Daten und Erkenntnisse. Diese bilden dann die Basis für die elektronische Steuerung von autonom fahrenden Fahrzeugen im normalen Straßenverkehr.

„Drive-by-Wire“ ermöglicht bislang undenkbare Innenraumkonzepte

Unter „Drive-by-Wire“ versteht man ein Lenksystem ohne mechanische Kraftübertragung. Es besteht also keine physische Verbindung zwischen dem Lenkrad und der Lenkachse. Die Automobilindustrie setzt verstärkt auf diese Lösung.

Doch welche Vorteile hat das? Beispielsweise fällt mit der Lenkachse eine der häufigsten Verletzungsquellen bei Autounfällen weg. Gleichzeitig kann ein „Drive-by-Wire“-Lenkrad theoretisch beliebig im Armaturenbrett verschoben und sogar ganz eingeklappt werden, erklärt Stefan Brunnet, geschäftsführender Gesellschafter von Softwareinmotion. Das ermögliche bislang undenkbare Innenraumkonzepte.

Doch was genau entwickelt Softwareinmotion und was hat der Motorsport damit zu tun? George Azar, ebenfalls geschäftsführender Gesellschafter, erklärt: Gemeinsam mit der Firma Schaeffler Paravan entwickelt Softwareinmotion das Lenksystem weiter, indem es haufenweise Daten über das Fahrzeugverhalten sammelt. Hierfür hat das Unternehmen, das 2015 von Schwäbisch Gmünd nach Schorndorf umgezogen ist, eine eigene intelligente Anwendungssoftware zur Analyse und Auswertung dieser Daten entwickelt. Dafür statten die Unternehmen gleich mehrere Rennwagen der Serien DTM und DMV GTC mit Lenkungen ohne Lenksäule aus. Unter anderem sammelt der Mercedes-AMG-Team-Mücke-Pilot Maximilian Buhk Daten auf der Rennstrecke.

Die Rennstrecken als Testlabor für den Automobilmarkt

Denn im Rennsport werden Autos und die dort verbaute Technologie an ihre absoluten Grenzen gebracht. Der Erkenntnisgewinn ist enorm, erklären die beiden Geschäftsführer. Denn was auf der Rennstrecke funktioniert, funktioniert später auch in einem normalen Wagen. Außerdem werde die neue Technologie so schneller in der Gesellschaft als zuverlässig akzeptiert, erklärt George Azar.

Eine weitere sehr wichtige Rolle spielen die Rennfahrer selbst. „Das Steuern ohne Lenksäule muss dem Fahrer ja dennoch das Gefühl geben, dass er Kontakt mit der Straße hat“, sagt Stefan Brunnet. Klar: Wenn man mit dem Auto schnell durch eine Kurve oder in ein Schlagloch fährt, spürt man am Lenkrad den entsprechenden Widerstand. Die „Drive-by-Wire“-Lenkräder sollen das mit Hilfe von „Force Feedback“ möglichst genau simulieren.

Im Prinzip handelt es sich dabei um dieselbe Technologie, die in Fahrsimulatoren zum Einsatz kommt - nur eben auf der echten Rennstrecke. „Das ist ein sehr komplexer Prozess, der durch die nach und nach gewonnenen Daten stetig verbessert wird“, beschreibt Stefan Brunnet. Im Optimalfall solle der Fahrer dann gar nicht mehr merken, ob er ein Rennauto mit oder ohne Lenksäule steuert. Und auch wenn die Platzierungen der Rennfahrer dabei nur eine untergeordnete Rolle spielen, können die DTM-Fahrzeuge mit „Drive-by-Wire“-Lenkung mittlerweile gut mit der Konkurrenz mithalten. Immerhin fuhr beispielsweise Maximilian Buhk in der vergangenen DTM-Saison einmal auf das Podium.

Und welche Erkenntnisse gewinnt Softwareinmotion aus dem Motorsport für das autonome Fahren? „Auch der autonome Fahrer benötigt die entsprechenden Informationen über das Fahrzeug, die Straßenbeschaffenheit und den Verschleiß, um in jeder Fahrsituation entsprechend reagieren zu können“, sagt Stefan Brunnet. Mit Hilfe dieser Daten unterstützt Softwareinmotion einige große Kunden aus der Automotive-Branche. Zu den Kunden zählen unter anderem Porsche, Mercedes-Benz und Bosch.

Autonomes Fahren ist das bestimmende Zukunftsthema in der Automobilindustrie. Dass Autos irgendwann ganz von alleine fahren werden, davon sind längst nicht mehr nur Branchenexperten überzeugt. Doch der Weg dahin ist trotz großer technischer Fortschritte noch weit.

Denn um die komplexe Technologie sicher zu machen, müssen unzählige Daten gesammelt und ausgewertet werden. Das Schorndorfer Unternehmen Softwareinmotion macht unter anderem genau das: Es setzt ein sogenanntes

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