Schorndorf

Wie der Handel in Schorndorf das Einkaufen mit Anmeldung umsetzt und warum Oberbürgermeister Klopfer eine Test-Pflicht fordert

Einkaufen Schorndorf
Passanten in der Fußgängerzone © Benjamin Büttner

Eigentlich hatte sich Oberbürgermeister Matthias Klopfer den kommenden Montag ganz anders vorgestellt. Ein Cappuccino auf einer Café-Terrasse, ein Weizenbier in einem Biergarten: Mit dokumentierten Schnelltests aus dem kommunalen Testzentrum im Rathaus in der Johann-Philipp-Palm-Straße hätte es möglich sein sollen, von 22. März an endlich wieder die Außengastronomie zu öffnen. Doch nach den gestiegenen Infektionszahlen in den letzten Tagen hat das Land entgegen dem eigenen Stufenplan die in Aussicht gestellten Lockerung zurückgezogen. „Der geplante Öffnungsschritt wird zunächst ausgesetzt“, heißt es seitens der Presseabteilung des Wirtschaftsministeriums zu Klopfers großer Enttäuschung.

„Wir haben die Öffnung der Außengastronomie gut vorbereitet“, sagte der Oberbürgermeister bei einem Pressegespräch an diesem Freitag. „Jetzt geht es nicht mehr. Es ist frustrierend.“ Da die Außen-Gastronomie kein besonderes Corona-Risiko darstellt, kann er die Politik des Landes absolut nicht verstehen. Die Menschen seien enttäuscht von der Politik, „die Unzufriedenheit steigt“, glaubt Klopfer. Dabei sei die Grundidee der Ministerpräsidentenkonferenz, die Außengastronomie mit Schnelltests wieder zu eröffnen, richtig gewesen: „Das hätte die Leute dazu motiviert, sich testen zu lassen.“

Während im Erdgeschoss des technischen Rathauses das zweite kommunale Testzentrum demnächst hätte in Betrieb gehen sollen, wird im kommunalen Testzentrum in der Albert-Schweizer-Turnhalle bereits gearbeitet. 140 Personen sind nach Angaben der Stadtverwaltung dort von Dienstag bis Donnerstag getestet worden – „glücklicherweise alle negativ“, so die Projektverantwortliche Tina Werner. Noch gibt es für die kostenlosen Tests in der Turnhalle freie Kapazitäten. „Auch kurzfristig kann man noch Termine bekommen“, sagt Tina Werner. Tests gibt es dort auch für medizinisches Personal. Lehrer und Schüler werden seit kurzem auch in den Schulen getestet. Ärzte und Apotheker sind vorort, damit sich das Virus in den Klassenzimmern gar nicht erst ausbreiten kann. Allerdings: Die Bereitschaft zu den freiwilligen Tests ist geringer als erhofft.

Ein Unding aus Sicht des Oberbürgermeisters, der sich klar für eine Pflicht für Tests und Impfung ausspricht. Dass das Land die Testpflicht nicht anweist, bedauert er sehr. Schließlich sitzen in rund 60 Quadratmeter großen Klassenzimmern bis zu 30 Kinder – während im Einzelhandel von diesem Montag an auf einer Verkaufsfläche von 40 Quadratmetern gerade noch ein Kunde erlaubt ist. Zwischen Hoffnung und Hoffnungslosigkeit schwankt der Einzelhandel nach Aussagen von Lars Scheel, Leiter des Eigenbetriebs Tourismus und Citymanagement in Schorndorf. Seine Beobachtung: „Der Einzelhandel und die Gastronomie wollen loslegen. Der Unternehmergeist ist ungebrochen.“

Im Kaufhaus Bantel und bei vielen anderen gibt es Termine spontan

Auf das Einkaufen mit Termin und Angaben der Kundendaten, das ab Montag gilt, haben sich viele Händler bereits eingestellt.

Termine können telefonisch und online vereinbart werden – zwingend ist das nicht. Im Kaufhaus Bantel zum Beispiel werden die Termine spontan vergeben, die Kunden müssen sich nicht im Voraus anmelden. Geöffnet wird nur noch der Eingang bei der Schmuckabteilung. Dort werden die Daten der Kunden aufgenommen und so viele Kunden eingelassen, bis die maximale Personenzahl von 132 erreicht ist. Um sich einen Überblick zu verschaffen, hat Bantel die Zahlen bereits laufend erhoben. Mit Wartezeiten rechnet Bantel-Chefin Christina Bantel-Wild angesichts dieser Zahlen nicht. Mehr als 300 Kunden seien momentan maximal erlaubt, außer Samstag seien immer nur 60 bis 80 Kunden gleichzeitig im Kaufhaus gewesen.

„Das Schöne ist“, sagt Christina Bantel-Wild, „die Leute können sich inspirieren lassen, und das wird auch weiter so sein.“ Auf eine bestimmte Uhrzeit sollten sich die Kunden nicht festlegen müssen, und schon gar nicht das Gefühl haben müssen, zu einem Einkauf verpflichtet zu sein. Die Kunden sollten wissen: Auch bei einer Inzidenz über 50, können die Menschen immer noch spontan kommen. Am Eingang werden ihre Daten erfasst. Entscheidend sei die reduzierte Anzahl der Personen im Laden.

„Ganz unkompliziert“ soll das Einkaufen von Montag an auch bei Moden Raithle in Winterbach ablaufen. „Die Kunden können vorher anrufen, einen Termin ausmachen, aber auch so vorbei kommen“, sagt Inhaber Hans-Jürgen Raithle. Erlaubt seien mehr als 20 Kunden gleichzeitig im Laden. „Diese Zahl schaffen wir aber nicht mal samstags“, sagt Raithle. Wer zum shoppen kommt, hinterlässt am Eingang seine Daten und bekommt ein Band, das er beim Verlassen des Ladens wieder abgibt. Dass die Corona-Zahlen steigen und die Einschränkungen kommen werden, damit hatte der Winterbacher Unternehmer gerechnet und sich darauf vorbereitet. „Die Kunden“, sagt er, „kommen gerne und sie sind vorsichtig und rücksichtsvoll.“

In seinem Modegeschäft geht es nach seiner Beobachtung deutlich entspannter als in vielen Lebensmittelmärkten. „Wir haben offen und denken, dass sich viele damit arrangieren und gerne kommen.“ Von der Politik wünscht sich der Unternehmer deutlich mehr Klarheit. Die geringen Ansteckungszahlen im Einzelhandel werden aus seiner Sicht nicht berücksichtigt, die Impfstrategie wird nicht konsequent umgesetzt. Auch bei Sport Schwab in Winterbach setzt Inhaberin Melanie Schwab auf spontane Anmeldungen. Am Eingang werden die Kunden gezählt, dort hinterlassen sie ihre Kundendaten. Das Motto: „Vorbei kommen, anmelden, einkaufen.“ Groß genug ist die Fläche für 70 Kunden, gerade mal 60 Kunden lässt Melanie Schwab zu, aber auch diese Zahl werde im Frühjahr nicht erreicht. Die Skisaison sei ausgefallen, Hallensport finde derzeit nicht statt. „Die meisten interessieren sich für Wandern und Laufsport.“

Eigentlich hatte sich Oberbürgermeister Matthias Klopfer den kommenden Montag ganz anders vorgestellt. Ein Cappuccino auf einer Café-Terrasse, ein Weizenbier in einem Biergarten: Mit dokumentierten Schnelltests aus dem kommunalen Testzentrum im Rathaus in der Johann-Philipp-Palm-Straße hätte es möglich sein sollen, von 22. März an endlich wieder die Außengastronomie zu öffnen. Doch nach den gestiegenen Infektionszahlen in den letzten Tagen hat das Land entgegen dem eigenen Stufenplan die in

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