Schorndorf

Wie der Lockdown die Taxibranche ausbremst

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Domenico Bastone freut sich über seinen neuesten Wagen: Ein E-Taxi aus Großbritannien mit eingebauter Trennwand. © Gaby Schneider

Wer vom Home-Office aus arbeitet, braucht kein Taxi. Sind Hotels geschlossen, nutzt auch keiner einen Shuttleservice zwischen Bahnhof und gemietetem Zimmer. Wo abends die Restaurants geschlossen sind, finden keine weinseligen Abende statt, will keiner nach Hause kutschiert werden. Discobesuche, Kinoabende, Geburtstagspartys, Ausflüge, alles abgesagt. Und die Telefone der Taxiunternehmer – sie klingeln nur zögerlich. Vor allen Dingen nachts ist tote Hose.

Rund 30 bis 40 Prozent des Umsatzes fehlten noch immer, schätzt Domenico Bastone, Taxiunternehmer in Schorndorf. Das passt zu den Befürchtungen des Taxiverbandes. Demnach könnte etwa jeder dritte Fahrer seinen Job verlieren. Die derzeitigen Hilfen kämen bei den Unternehmen nicht an. Zum einen kommen die Novemberhilfen nur bei den Betrieben an, die wegen behördlicher Anordnung dichtmachen mussten – also vor allen Dingen bei der Gastronomie.

Große Frage: Wie geht's im Frühjahr weiter

Zum anderen berücksichtigt die Überbrückungshilfe nicht den Unternehmerlohn – allerdings fahren die allermeisten Taxiunternehmer selbst in ihren Wagen, sind also gleichzeitig Unternehmer und Angestellte. „Wenn der Teil-Lockdown noch über den März/April weitergeht, müssen wir sehen, wie wir über die Runden kommen“, erklärt Bastone. Mit neun Wagen und 21 Mitarbeitern hat er viel Verantwortung zu tragen.

Flaute in der Nacht

Viel los ist nicht, trotzdem muss er bereitstehen, falls doch mal ein Kunde kommt. „Unsere Fahrer stehen im Grund von 1.30 bis 6 Uhr früh am Stand, berichtete Bastone. Freitag- und Samstagnacht hält er am Bahnhof noch immer Wagen vor. Unter der Woche nur bis 1.30 Uhr. Dann verkrümeln sich auch seine Mitarbeiter ins Nest. „Nachts läuft einfach nichts“, weiß er. Ab 22 Uhr sei niemand mehr auf der Straße. Selten einmal finden noch Geburtstagsfeiern statt. Immerhin bis gestern durften sich ja noch bis zu zehn Menschen treffen. „Da haben sich aber höchstens mal Familien zu einer Feier getroffen“, weiß er. Aber kurz nach 24 Uhr sei da auch nichts mehr zu holen gewesen. Mit den neuen, strengeren Regeln wird sich die Flaute in seiner Branche nur verfestigen, so schätzt er.

Im Gegensatz zu manch anderem Kollegen in der Branche hat Bastone aber noch Glück. Schließlich kutschiert er nicht nur Privatkunden, sondern hat auch viele Festverträge mit Firmen geschlossen. Da werden zwar üblicherweise auch viele Geschäftskunden hin- und hergefahren – die aktuell natürlich im Home-Office festsitzen – aber in diesem Zusammenhang gibt’s auch reichlich Material und Waren zu transportieren. Im Rahmen dieses Kurierdienstes gibt’s regelmäßige Touren, die gut kalkulierbar sind. Dazu kommen ab und an Transporte, die richtig profitabel sind. Erst vergangene Woche hatte Bastone eine Fahrt nach Italien. Wenn etwas schnell und verlässlich von A nach B muss, werde er als Taxiunternehmer häufig gebucht.

Mit dem Taxi in den Weihnachtsurlaub

Übrigens, lange Strecken legen Bastone und seine Kollegen auch im Personentransport zurück. Normalerweise. Ohne Corona. Da sind Weihnachten und Ostern wichtige Punkte im Jahreskalender. Gerade ältere Herrschaften, die zu den Festtagen ihre Familie besuchen möchten, würden häufig auf Taxen zurückgreifen. Da gibt’s durchaus auch Fahrten in die Schweiz, in den hohen Norden oder Ähnliches. Schließlich hielten die öffentlichen Verkehrsmittel für betagte Menschen zahlreiche Schwierigkeiten bereit: Häufig sind sie unpünktlich, oft muss umgestiegen werden, Koffer müssen selbst getragen werden. Da ist’s mit dem Taxi schon erheblich bequemer, wenn auch kostspieliger. Nun aber, da Corona das Zepter übernommen hat, werden viele solche Reisen ausfallen lassen.

Bleiben noch die Krankenfahrten. Immerhin – krank sind die Menschen zu allen Zeiten. Regelmäßig fahren Bastone und seine Kollegen Menschen zur Dialyse oder Chemotherapie. Hier werde der Bedarf unter Pandemiebedingungen sogar eher größer. Wer derartig krank ist, meide aktuell noch mehr als sonst öffentliche Verkehrsmittel, eine zusätzliche Ansteckung mit Corona wäre für die meisten zu viel.

Wichtig in der Krise: Mehr als ein Standbein

Wie gut, dass der Taxiunternehmer seine Wagen längst coronakonform ausgestattet hat: Professionelles Flächendesinfektionsmittel ist am Start, Plexiglasscheiben trennen den Fahrerraum vom Fahrgastbereich ab, und auch die Lüftungsanlage wird regelmäßig desinfiziert. Reichlich investiert hat er dafür.

Zudem hat sich Bastone im Frühjahr noch einen weiteren Geschäftszweig geschaffen: Er bereitet Fahrzeuge auf, wechselt Reifen, macht sie fit für die neue Jahreszeit. Denn zurzeit gilt vor allen Dingen eines: durchhalten, bis Corona Geschichte ist.

Wer vom Home-Office aus arbeitet, braucht kein Taxi. Sind Hotels geschlossen, nutzt auch keiner einen Shuttleservice zwischen Bahnhof und gemietetem Zimmer. Wo abends die Restaurants geschlossen sind, finden keine weinseligen Abende statt, will keiner nach Hause kutschiert werden. Discobesuche, Kinoabende, Geburtstagspartys, Ausflüge, alles abgesagt. Und die Telefone der Taxiunternehmer – sie klingeln nur zögerlich. Vor allen Dingen nachts ist tote Hose.

Rund 30 bis 40 Prozent des

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