Schorndorf

Wie der Ortsvorsteher aus Weiler Corona überstand und warum er sich jetzt trotzdem zurückzieht

Klaus Beck
Ortsvorsteher Klaus Beck aus Weiler zieht sich zurück. © Gabriel Habermann

Sechs Jahre lang war er Vorsitzender des Kirchengemeinderats, elf Jahre Mitglied im Ortschaftsrat und acht Jahre der Ortsvorsteher von Weiler. Doch jetzt ist Schluss. Ende des Jahres gibt Klaus Beck (66) seine Ämter als Ortsvorsteher und Mitglied im Ortschaftsrat ab. Grund für seinen Rückzug aus der Kommunalpolitik ist eine Corona-Erkrankung im März. Diese hat er zwar überstanden, Folgen für ihn hat die Virus-Infektion trotzdem: Seit seiner Corona-Erkrankung sei er weniger gelassen und weniger belastbar: „Ich merke, dass ich schneller an meine Belastungsgrenze stoße“, sagt er. Nie habe er in einer Sitzung emotional reagiert und das soll auch so bleiben. „Das lässt mein Selbstbild nicht zu“, sagt er mit einem leichten Lächeln. Auch wolle er sich keine stundenlangen Sitzungen mehr antun, sondern mehr Zeit für sich haben.

Nachdem Klaus Beck seinen Rückzug aus der Kommunalpolitik angekündigt hatte, mutmaßten manche, dass ihn die Proteste gegen den Verkehrsversuch in Weiler dazu gebracht hätten. Doch die, sagt der scheidende Ortsvorsteher, hätten bei seiner Entscheidung keine Rolle gespielt. „Wegen des Verkehrsversuchs bin ich auch persönlich attackiert worden“, räumt er ein. Aber damit habe er gerechnet. Das Projekt sei schwierig und er verstehe die Leute in der Stettiner Straße, die gegen die Mehrbelastung in ihrer Straße protestieren. „Man muss sich in die Lage der Anwohner versetzen“, sagt er. Auf der anderen Seite sehe er aber keine Alternative zu der geänderten Verkehrsführung. Für den scheidenden Ortsvorsteher ist klar: „Die Verkehrssicherheit ist wichtiger als Anliegerinteressen.“

Ein Ortsvorsteher kann es nicht allen recht machen

Dass er es als Ortsvorsteher nicht jedem recht machen kann, hatte Klaus Beck von Anfang an gewusst. „Es gibt Menschen, die das versuchen“, sagt er. „Aber das geht an die Substanz, weil man auf harte Weise erfährt, dass es nicht immer funktioniert.“ Als ehrenamtlichen Ortsvorsteher versteht er sich als Vertreter des Oberbürgermeisters, als Mittler zwischen Bürger und Stadtverwaltung und als derjenige, der die Beschlüsse des Ortschaftsrates vertritt. Dabei, ist er überzeugt, müsse man seinen eigenen Weg finden, um die Dinge voranzutreiben. Er selbst macht lieber „1000 kleine Schritte, als auf den einen großen Schritt zu warten, der vielleicht nie kommt“.

Auch in der Pfarrstraße regt sich Widerstand gegen den Verkehr

2009 wurde Klaus Beck für die Unabhängige Bürgerliste in den Ortschaftsrat gewählt. 2012 folgte er Ortsvorsteher Fritz Kühfuß, der sich zurückzog, weil seine Schwiegertochter in den Ortschaftsrat eingezogen war. Damals war Klaus Beck noch berufstätig und arbeitete als Geschäftsbereichsleiter bei der AOK Stuttgart / Sindelfingen. Die großen Aufgaben kamen schnell. „Es hat gleich mit einem großen Wasserschaden in der Halle angefangen“, erinnert er sich. Die Elektrik habe unter Wasser gestanden, die Halle war nicht mehr benutzbar, der Schaden lag bei einer halben Million Euro. Ein großes Projekt seiner Amtszeit war der Bau der betreuten Wohnungen in der Ortsmitte. Für den Platz bei der alten „Traube“ habe ein Makler Interessenten gesucht - „eine einmalige Chance“, sagte Klaus Beck heute. Im Dezember 2017 waren die Wohnungen fertig, noch unbebaut ist das alte Gebäude daneben, das unter Denkmalschutz steht. Das Landesdenkmalamt pocht auf Erhalt – manche in Weiler finden, man sollte es abreißen. Den Platz davor würde der scheidende Ortsvorsteher gern multifunktional nutzen – mit Parkplätzen am Vormittag, aber auch als Treffpunkt für die Bürger. Auch in Sachen Verkehr gibt’s noch einiges zu tun - nicht nur bei der großen Frage, ob sich der Verkehr weiterhin in beide Richtungen durch die Ortsdurchfahrt zwängt oder ob er in einer Richtung vorerst noch versuchsweise durch die Stettiner Straße geführt wird. Auch in der Pfarrstraße regt sich Widerstand, hier gegen den Verkehr in das Gewerbegebiet Carl-Zeiss-Straße. Rund 70 neue Wohneinheiten sollen im seitherigen Gewerbe- und Mischgebiet nach der Umwandlung in ein Wohngebiet entstehen. Der Verkehr wird zum Leidwesen der Anwohner über die Pfarrstraße abgewickelt. „Die Leute regen sich auf“, weiß Klaus Beck. Als Ausweichstrecke schlägt der Ortschaftsrat den Ausbau der Ringstraße vor. Womit aus Sicht von Beck nicht nur der Anschluss nach Winterbach, sondern auch die Anbindung der Halle verbessert werden würde. Auch der Geh- und Radweg an der Lortzingstraße ist in Planung.

Zu tun gibt es also noch genug. Und Klaus Beck hätte jetzt keineswegs seinen Rücktritt erklärt, wäre ihm nicht das tückische Virus dazwischengekommen. Als er im März mit seiner Frau, Sohn, Schwiegertochter und Enkelkind in Galtürn in Österreich Urlaub machte, schien die Welt noch in Ordnung. Am Abend des 14. März – die Familie war gerade nach Hause gekommen – wurde der Ort zum Corona-Risikogebiet erklärt und Klaus Beck ging in freiwillige Quarantäne. Drei Tage später habe er gemerkt, dass er schlapp wurde und immer schlechter Luft bekam. Er ließ sich testen und bekam den Bescheid: positiv. Eine Woche war er krank zu Hause, dann wurde er ins Krankenhaus eingeliefert. „Ich habe rund um die Uhr Sauerstoff bekommen“, erzählt er. Die Lungenmaschine blieb ihm glücklicherweise erspart. Acht Tage war er im Krankenhaus, danach, sagt er, hat’s noch lange gedauert, bis er wieder einigermaßen fit war. „In der ersten Woche konnte ich nur fünf oder zehn Minuten laufen, dann war’s vorbei.“ In der zweiten Woche versuchte er, im Garten zu arbeiten – und hatte dabei immer einen Stuhl für den Notfall in der Nähe. Bis Mitte Juni habe es gedauert, bis es „relativ gut“ war. Doch die alte Belastbarkeit kam nicht zurück.

Ohne Corona hätte er weitergemacht

Jetzt hat Klaus Beck seine Konsequenzen gezogen. „Ohne Corona hätte ich noch weitergemacht“, sagte er. „Aber man muss seine Grenze erkennen.“ Seine Nachfolgerin im Ortschaftsrat wird Jeanette Griese. Wer ihm als Ortsvorsteher folgen wird, soll in der Dezember-Sitzung entschieden werden. Was sollte der Mann oder die Frau mitbringen? „Zeit“, sagt Klaus Beck. „Und Verständnis für die Bürger und ihre Anliegen, Geduld, Durchsetzungsvermögen und Ideen.“ Er selbst will sich um seine Enkel und seine Streuobstwiesen kümmern, ein Ehrenamt aber nicht mehr annehmen. Höchstens projektbezogen könnte er sich noch was vorstellen.

Sechs Jahre lang war er Vorsitzender des Kirchengemeinderats, elf Jahre Mitglied im Ortschaftsrat und acht Jahre der Ortsvorsteher von Weiler. Doch jetzt ist Schluss. Ende des Jahres gibt Klaus Beck (66) seine Ämter als Ortsvorsteher und Mitglied im Ortschaftsrat ab. Grund für seinen Rückzug aus der Kommunalpolitik ist eine Corona-Erkrankung im März. Diese hat er zwar überstanden, Folgen für ihn hat die Virus-Infektion trotzdem: Seit seiner Corona-Erkrankung sei er weniger gelassen und

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