Schorndorf

Wie die Trauerbegleitung in Schorndorf arbeitet

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Volkstrauertag
Von rechts: Bettina Bergen und Micaela Neumann zusammen mit ihrer Fachbereichsleiterin Barbara Monauni. © Alexandra Palmizi
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Volkstrauertag
Mehr Frauen als Männer suchen Hilfe bei der Trauerbegleitung. © Alexandra Palmizi

Wenn Menschen einen Angehörigen verlieren, beginnt in ihnen ein negatives Gefühlschaos, das wir Trauer nennen. Egal ob jung oder alt, ob man den Tod kommen sieht oder nicht: Die Trauer trifft jeden Menschen völlig unvorbereitet und reißt eine Wunde auf, deren Narbe nie ganz verschwinden wird. Manche Menschen zerbrechen daran. Um Trauernde bei ihrem Prozess der emotionalen Verarbeitung zu unterstützen, bietet der Kreisdiakonieverband verschiedene Formen der Trauerbegleitung an. Doch wie genau gehen die Sozialpädagoginnen mit Menschen um, die einen schweren Verlust verarbeiten müssen?

Trauer ist ein langer, nicht festgeschriebener Prozess

Zum einen bietet der Kreisdiakonieverband einmal im Jahr eine Trauergruppe für mehrere Personen an, erklärt Bettina Bergen aus der Paar-, Familien-, Lebens- und Sozialberatung. Siebenmal treffen sich dort Trauernde in einer festen Gruppe. Dabei ist es egal, ob die Menschen den Verlust des Partners, von Freunden, Eltern oder Kindern betrauern. „Es geht um viel Austausch, aber begleitet und mit Input von außen“, sagt ihre Kollegin Micaela Neumann aus der Kur- und Sozialberatung. Wichtig sei es, den trauernden Personen Halt zu geben und sie aus der Isolation zu holen.

Das funktioniere für viele am besten, wenn die beiden Sozialpädagoginnen Anregungen für Gespräche geben. Die Teilnehmer profitieren in der Gruppe außerdem davon, dass sie alle ein ähnliches Schicksal ereilt hat. Auch wenn die Sozialpädagoginnen keine Sterbefälle vergleichen wollen. „Trauer ist individuell und trotzdem verbindend“, merkt Bettina Bergen an. Trotzdem muss zuvor immer ein Einzelgespräch mit der trauernden Person geführt werden. Denn nicht für jeden ist die Gruppentherapie etwas. Seit Beginn der Pandemie bevorzugen das aber die allermeisten Menschen. Micaela Neumann erklärt: „Trauer hat viel mit Einsamkeit zu tun, das hat sich durch Corona verstärkt.“

Was der Kreisdiakonieverband ebenfalls anbietet, ist ein sogenanntes Trauercafé. Das ist eine offene Gesprächsrunde an festen Terminen. Es kann also jeder, ohne vorherige Anmeldung, teilnehmen. Außerdem gibt es „klassische“ Einzelgespräche.

In Gesprächen mit Menschen in Trauer braucht man vor allem Empathie. Es geht darum zu würdigen, warum und wie die Menschen trauern“, sagt Bettina Bergen. Ziel der Gespräche ist zu lernen, wie Leute mit ihrem Verlust umgehen. „Deshalb auch der Begriff Trauerbegleitung“, sagt Micaela Neumann. Sie beschreibt den Prozess als ein emotionales Auf und Ab in Wellen. Nicht als Kurve, die nach oben zeigt.

Weil Trauer ein langer, nicht festgeschriebener Prozess ist, kann dieser Jahre dauern. Der Verlust bleibt ein Leben lang. Deshalb nehmen nicht nur Menschen im „schweren ersten Trauerjahr“ an der Begleitung teil. Manche besuchen die Gesprächsrunden nur wenige Monate, andere über Jahre. Die meisten Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind über 60 Jahre alt, der Großteil davon Frauen. Das liegt laut Micaela Neumann zum einen daran, dass Männer statistisch eher vor ihren Frauen sterben. „Frauen suchen aber auch eher Hilfe, als Männer.“ Die Trauerbegleiterinnen helfen den Menschen auch bei der „Sterbebürokratie“, von der viele erst einmal überfordert sind. Sie helfe aber auch teilweise, weil sie Struktur in den Alltag bringt und ablenkt.

Und noch etwas ist laut Bettina Bergen auffällig: Selbst Menschen, für die der Tod ihres Angehörigen durch eine Krankheit absehbar war, sind nicht auf die Trauer vorbereitet. Die Art zu trauern sei auch bei diesen Fällen dieselbe. „Wir sehen große Parallelen.“

Für Menschen, die Verluste erleiden mussten, wünscht sich Bettina Bergen mehr Unterstützung aus der Gesellschaft. Krankheiten, Tod und Trauer seien immer noch Tabuthemen. Deshalb appelliert sie für etwas mehr Mitgefühl. Auch praktische Unterstützung könne mehr ausrichten, als man zunächst denkt. „Es ist schön, wenn es Menschen gibt, die immer mal wieder nachfragen. In der Trauer hilft es oft, einfach nur für jemanden da zu sein.“

Wenn Menschen einen Angehörigen verlieren, beginnt in ihnen ein negatives Gefühlschaos, das wir Trauer nennen. Egal ob jung oder alt, ob man den Tod kommen sieht oder nicht: Die Trauer trifft jeden Menschen völlig unvorbereitet und reißt eine Wunde auf, deren Narbe nie ganz verschwinden wird. Manche Menschen zerbrechen daran. Um Trauernde bei ihrem Prozess der emotionalen Verarbeitung zu unterstützen, bietet der Kreisdiakonieverband verschiedene Formen der Trauerbegleitung an. Doch wie genau

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