Schorndorf

Wie ein Mutmacher-Büchle auch der Schorndorfer Tafel hilft

Mutmacher Buch
Pastor Stefan Reinhardt überreicht - mit ausreichend Sicherheitsabstand - ein Exemplar seines Buches „Mut zum Leben“ an Renate Frank, die Leiterin des Tafelladens. Den Blick auf die Burg Hohenzollern auf dem Buch-Cover hat Reinhardts Frau Silvia fotografiert. © ALEXANDRA PALMIZI

In Zeiten wie diesen, in denen negative Nachrichten niederdrücken, Kontaktbeschränkungen und ständiges Abstandhalten belasten, die Unsicherheit riesengroß ist, will Stefan Reinhardt Mut zum Leben machen: Und so hat er den ersten Lockdown im Frühjahr genutzt und Sonntagsgedanken, die er seit 2012 für die Schorndorfer Nachrichten geschrieben hat, in einem kleinen Buch zusammengefasst und im Selbstverlag herausgebracht. Dabei verweist er natürlich auf Jesus Christus, für ihn der „große Mutmacher des Lebens“. In seinen Andachten, auf die er in den acht Jahren, die er in Schorndorf ist, immer wieder ermutigende Rückmeldungen bekommen hat, erzählt er aber auch viel von sich selbst.

Mindestens 1000 Euro für die Tafel

„Niemand“, sagt Reinhardt, „muss allem zustimmen, was ich geschrieben habe.“ Er möchte ein Angebot machen – und anderen helfen: So soll die Hälfte des Erlöses aus dem Verkauf seines Mutmacher-Werks seinem Gemeindebezirk zugutekommen, dem allein durch den abgesagten Basar im November Einnahmen von rund 2000 Euro entgangen sind. Die andere Hälfte will er an den Schorndorfer Tafelladen spenden, weil er „Bedürftige unterstützt, die durch die Corona-Krise besonders betroffen sind“. Für zehn Euro ist das Büchle zu haben. Mindestens 1000 Euro, verspricht Reinhardt, sollen an die Tafel gehen. Entwickelt es sich zum Bestseller, werden’s natürlich mehr sein.

Für diese Unterstützung ist Renate Frank als Leiterin des Tafelladens dankbar – und auch für Reinhardts Angebot, auch mal als Ehrenamtlicher in der Tafel zu helfen: „Es ist schön, zu sehen, wenn auch die Kirche hinter uns steht.“ Und aus Dankbarkeit ist auch Reinhardts Buch entstanden: Die Corona-Krise, sagt er, habe er bisher vergleichsweise gut überstanden, mit festem Gehalt und einem Haus mit Garten. „Mir ging’s“, sagt der 51-Jährige, „dieses Jahr wirklich gut.“ Darum möchte er nicht nur um sich selbst kreisen, sondern den Blick auf andere richten – und auf Gott. Und wie er dem in seinem Leben begegnet, das ist wiederkehrendes Thema seiner Mutmacher-Texte.

Statt einer Beschimpfung: "Ich wünsche dir einen gesegneten Tag"

Den Anfang macht eine Begegnung im Straßenverkehr: Reinhardt überholt am Kreisel einen Radfahrer „nicht ganz vorschriftsmäßig“, wie er einräumt. Daraufhin schneidet der ihm den Weg ab und zeigt ihm den Vogel. Der Pastor ist auf hundertachtzig, doch bevor er sich zu einer wilden Beschimpfung hinreißen lässt, kommt ihm Jesu’ Wort in den Sinn: „Segnet, die euch verfluchen, bittet für die, die euch beleidigen.“ Und so ruft er dem erbosten Radfahrer durchs runtergelassene Fenster zu: „Ich wünsche dir einen gesegneten Tag“. Und der antwortet – genauso überraschend: „Ich dir auch!“

Reinhardt möchte ein „menschlicher Pastor“ sein, zu seinen Fehlern und Schwächen stehen. Und so schreibt er in einem anderen Text über eine Dienstreise, die mit einem Bußgeld für zu schnelles Fahren endete – und ihn zum Nachdenken gebracht hat: Letztendlich, schreibt er, sei er froh, dass es Blitzer gibt: „Sie erinnern mich daran, dass ich meine Freiheit im Straßenverkehr nicht missbrauchen, mich und andere nicht gefährden soll.“ Die Freiheit des Menschen liegt für ihn also nicht darin, alles zu tun, was möglich ist, sondern darin, dass der Mensch „nicht tun muss, was er manchmal will“.

Es sind sehr persönliche Gedanken, die Reinhardt in seinen Texten teilt. Etwa, wie ihn das Vertrauen zu Gott getröstet hat, als er am Tag, an dem seine Tochter geboren wurde, die Nachricht erhielt, dass seine kranke Mutter ins Koma gefallen war. Zweifellos eine Extremsituation, die Reinhardt aber auch gezeigt hat, dass Vertrauen in Jesus nicht vergeblich ist: An Weihnachten, acht Wochen nach der Geburt des Mädchens, erwachte die Oma aus dem Koma und konnte ihr Enkelkind sehen. Tröstlich, auch wenn Vertrauen für Reinhardt nicht immer mit einem Happy End verbunden ist: „Fünf Monate nach diesem ganz besonderen Weihnachtserlebnis starb meine Mutter.“

Wofür bin ich dankbar?

Reinhardt nimmt in seinem Texten Bezug auf sein eigenes Leben, aber auch auf aktuelle Themen: auf die Bundestagswahl 2017, die Fußballweltmeisterschaft, die Flüchtlingskrise, die Ermordung des Kassler Regierungspräsidenten Walter Lübcke im Juni 2019 – und natürlich auf Corona: „Was oder wer“, fragt Reinhardt, „trägt mich wirklich in diesen Zeiten der Krise? Was ist mir wirklich wichtig in meinem Leben? Wofür bin ich zutiefst dankbar?“ Seinen Leserinnen und Lesern empfiehlt er, jeden Tag eine Liste zu machen – mit fünf neuen Dingen, für die sie dankbar sind. Dabei verweist er auf den Lebensberater Udo Schroeter, der zur aktuellen Situation sagt: „Leben heißt, sich hinzugeben, zu vertrauen und nicht mit der Wirklichkeit zu streiten.“ Auch Reinhardt sieht die Krise als Einladung, da zu sein – bei sich, bei der Familie, bei den Menschen, die Beistand brauchen. Letztendlich, sagt der Pastor, möchte auch er mit seinen Texten „Menschen miteinander verbinden“.

In Zeiten wie diesen, in denen negative Nachrichten niederdrücken, Kontaktbeschränkungen und ständiges Abstandhalten belasten, die Unsicherheit riesengroß ist, will Stefan Reinhardt Mut zum Leben machen: Und so hat er den ersten Lockdown im Frühjahr genutzt und Sonntagsgedanken, die er seit 2012 für die Schorndorfer Nachrichten geschrieben hat, in einem kleinen Buch zusammengefasst und im Selbstverlag herausgebracht. Dabei verweist er natürlich auf Jesus Christus, für ihn der „große

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