Schorndorf

Wie geht es in Schorndorf weiter nach Matthias Klopfers Wahl?

OB Wahl Esslingen
Matthias Klopfer am Wahlabend mit Ehefrau Annis Betz und Sohn Simon. © ALEXANDRA PALMIZI

Der Tag nach der Wahl in Esslingen. Dem neu gewählten Stadtchef Matthias Klopfer ist am Telefon die Erleichterung über den Wahlsieg noch anzumerken: „Ich hätte nicht gedacht, dass es so knapp werden würde“, sagt Klopfer. Mit 50 Prozent plus X habe er gerechnet, doch am Schluss sei das egal: „Im Sport sind die knappsten Siege die schönsten Siege.“

Tatsächlich war es ein aufregender Wahlabend, bis der Sieger Matthias Klopfer feststand: Mit gerade mal 1,4 Prozent Vorsprung war er am Sonntag im zweiten Wahlgang zum neuen Oberbürgermeister von Esslingen gewählt worden. Da ohnehin feststand, dass er bei der OB-Wahl in Schorndorf im Herbst 2022 nicht mehr antreten würde, hatten sich zuvor viele gefragt, wie die kommenden Monate im Falle einer Wahlniederlage aussehen würden. Nun ist diese Unsicherheit vorbei – und der Wahltermin nach vorne gerückt. Am Mittwoch kommender Woche trifft sich der Gemeinderat um 18 Uhr zu einer Sondersitzung, um das Prozedere der Neuwahlen in Schorndorf zu beschließen. Auf Vorschlag der Verwaltung soll die Stelle des Oberbürgermeisters am 3. September ausgeschrieben, am 7. November gewählt werden. Gibt es an diesem Tag keinen Sieger oder keine Siegerin mit absoluter Mehrheit, soll am 28. November der zweite Wahlgang stattfinden.

Esslingen wünscht sich Klopfers Amtsantritt am 1. Oktober

Matthias Klopfer ist dann vielleicht noch in Schorndorf – sicher ist das nicht. In Esslingen wünscht man sich seinen Amtsantritt am 1. Oktober, er selbst kann sich dafür den 1. November oder 1. Dezember vorstellen. Abstimmen will er sich in dieser Frage mit den drei Bürgermeistern in Esslingen und Erstem Bürgermeister Thorsten Englert in Schorndorf. Auf Letzteren wird in der Zeit des Übergangs viel Arbeit zukommen. Doch darauf ist er eingestellt. „Ich freue mich unendlich für Matthias Klopfer, dass er sein Ziel erreicht hat“, sagt Englert. Dass das Jahr im Fall einer Wahlniederlage schwierig geworden wäre, glaubt auch der Erste Bürgermeister. Nun aber gebe es zwei Gewinner: Klopfer persönlich, für den die Wahl ein neuer Anfang sei. Und die Stadt, die sich nun neu positionieren könne.

In den Gemeinderatsfraktionen hat man damit zumindest teilweise bereits begonnen. „Zunächst möchte ich OB Klopfer zu seiner Wahl in Esslingen gratulieren“, schreibt CDU-Chef Hermann Beutel. Die SPD sei von den Umfrageergebnissen her nicht verwöhnt. Wenn jemand mit SPD-Parteibuch trotzdem eine Wahl gewinnt, spricht das nach Beutels Ansicht für einen engagierten Wahlkampf. Auch Beutel geht davon aus, dass es für Klopfer nicht einfach geworden wäre, als Verlierer nach Schorndorf zurückzukehren, um dort noch ein paar Monate im Amt zu sein. Zumal es zwischen der CDU-Fraktion und Klopfer zunehmend unterschiedliche Auffassungen über den richtigen Weg für die Stadt gegeben habe. Unglücklich findet er es nun auch, dass die auf Klopfer und Englert passgenau zugeschnittene Struktur mit zwei Dezernaten von einem neuen OB infrage gestellt werden könnte. Nach der letzten Kommunalwahl sei die Stimmung im Gemeinderat schlechter geworden, die Zusammenarbeit davor sei aber von gegenseitigem Vertrauen und Respekt geprägt gewesen. Wie es weitergeht in Schorndorf? Beutel ist zuversichtlich: Seine Fraktion habe schon einige Gespräche mit potenziellen Kandidaten geführt. Diese Gespräche sollten jetzt intensiviert werden. Schon jetzt hofft er auf eine größere Wahlbeteiligung als in Esslingen, wo diese bei unter 40 Prozent lag. „Ein OB bestimmt maßgeblich die Geschicke einer Stadt. Deshalb müssten eigentlich viel mehr zur Urne gehen, um mit zu entscheiden, wer die Wahl gewinnt.“

Das findet auch Grünen-Sprecher Ulrich Kost. Über die geringe Wahlbeteiligung sei er sehr enttäuscht – „ein Skandal, meiner Meinung nach“, urteilt Kost, der sich für Matthias Klopfer ein stabileres Ergebnis und ein stärkeres Signal aus der Bevölkerung gewünscht hatte. Auf Kandidatensuche wollen nun auch die Grünen gehen. Allerdings, befürchtet Kost, werde das ungeheuer schwierig werden, da auch der Waiblinger Andreas Hesky nicht mehr antritt.

„In Schorndorf beginnt die Ära nach Klopfer“

Glückwünsche bekommt Klopfer auch seitens der FDP/FW-Fraktion. „Für uns in Schorndorf beginnt heute die Ära nach OB Matthias Klopfer“ so Gerhard Nickel, der ebenfalls mit einem deutlicheren Abstand gerechnet hatte. Von heute an, mutmaßt er, würden sich potenzielle Bewerber zu erkennen geben. Seine Fraktion werde mit diesen und mit Fraktionen im Gemeinderat Gespräche führen, um die für Schorndorf beste Kandidatenauswahl präsentieren zu können. Wegen der Sommerferien werde das aber noch einige Zeit dauern. Die Wahl in Waiblingen mache es nicht einfacher. „Schorndorf ist aber eine durchaus ansehnliche, wenn auch nicht besonders reiche Braut“, gibt Nickel sich optimistisch: Dies könne für potenzielle Kandidaten und Kandidatinnen durchaus reizvoll sein.

"Wir verlieren einen sehr engagierten Oberbürgermeister"

Auch die SPD-Fraktion hatte mit einem so knappen Ergebnis nicht gerechnet. Angesichts des Wahlsiegs hätten die Mitglieder nun gemischte Gefühle, berichtet Fraktionschef Tim Schopf. „Einerseits freuen wir uns für und mit Matthias Klopfer, auf der anderen Seite verlieren wir einen sehr engagierten und sozialen Oberbürgermeister, der Schorndorf in den letzten 15 Jahren positiv verändert hat.“ Schorndorf sei eine attraktive Stadt, die Verwaltung mit Bürgermeister Englert, den Fachbereichsleitungen und ihren Teams gut aufgestellt. „Für potenzielle Kandidatinnen oder Kandidaten ein toller Arbeitsplatz mit vielen Zukunftsaufgaben und Herausforderungen“, glaubt Schopf, der eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger mit ähnlichem Werteverständnis suchen will. Die grüne Liste Schorndorf dagegen sucht keinen eigenen Kandidaten. „Allerdings schauen wir uns gemeinsam mit den drei Ortschaftsräten von der grünen Liste Weiler die Bewerber und Bewerberinnen genau an“, so Sprecher Werner Neher, der im Übrigen fest mit Klopfers Wahlerfolg gerechnet hatte. „Die Esslinger können froh sein, auch wenn es knapp war“, findet er.

Das sieht die AfD naturgemäß ganz anders. Noch am Wahlabend verlautbarte Lars Haise, der Ausgang sei gut für Schorndorf, aber schlecht für Esslingen. Er gratuliere Matthias Klopfer zu seinem knappen Sieg. Damit sei der Weg frei für einen Neuanfang, von dem sich die AfD vor allem mehr Sachlichkeit und Ruhe im Gemeinderat erhoffe. Für die tiefen Gräben trage Klopfer die Verantwortung.

Die SPD hat „diese stillose Wahlanalyse“ umgehend zurückgewiesen.

Der Tag nach der Wahl in Esslingen. Dem neu gewählten Stadtchef Matthias Klopfer ist am Telefon die Erleichterung über den Wahlsieg noch anzumerken: „Ich hätte nicht gedacht, dass es so knapp werden würde“, sagt Klopfer. Mit 50 Prozent plus X habe er gerechnet, doch am Schluss sei das egal: „Im Sport sind die knappsten Siege die schönsten Siege.“

{element}

Tatsächlich war es ein aufregender Wahlabend, bis der Sieger Matthias Klopfer feststand: Mit gerade mal 1,4 Prozent Vorsprung war

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 5,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 71,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper