Schorndorf

Wie gut kommt man mit Rollstuhl durch Schorndorf?

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In der Gasse beim Archivplatz kommt Wolfgang Schwenk besonders schlecht vorwärts. © ZVW/Alexandra Palmizi
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Rollstuhlfahrer
Wolfgang Schwenk (links) und Kurt Pfeiffer (rechts) gehen zusammen in eine Rollstuhlsportgruppe. © ALEXANDRA PALMIZI

Schorndorf. Zwischen den groben Pflastersteinen bleiben die kleinen Rollen, die vorne an den Rollstühlen von Wolfgang Schwenk und Kurt Pfeiffer montiert sind, leicht stecken. Das macht ihren Weg durch die Stadt mühsam. Sie fordern eine Fahrspur für Menschen mit Gehbehinderung. Aus ihrer Sicht hat sich in den vergangenen Jahren für Rollstuhlfahrer aber auch einiges getan.

Wolfgang Schwenk und Kurt Pfeiffer rollen durch die Schorndorfer Innenstadt. Immer wieder wechseln sie in der Johann-Philipp-Palm-Straße von der einen zur anderen Straßenseite, auf der Suche nach einem möglichst ebenen Weg, denn zwischen den groben Pflastersteinen bleiben die Rollstühle schnell hängen. „Noch komme ich gut vorwärts“, sagt der 76-jährige Schwenk. Er und sein Kumpel Kurt Pfeiffer trainieren gemeinsam in einer Rollstuhlsportgruppe in Welzheim. Die Kraft in den Armen hilft ihnen, im Alltag auch über den unebenen Weg zu kommen. Stolz erzählt Schwenk, er könne sogar auf nur zwei Rädern fahren und käme auch eine Rolltreppe hoch, falls mal ein Fahrstuhl nicht funktioniert.

Doch mit dem zunehmenden Alter könnte es schwieriger werden, sagen die beiden Männer. Eine schmale Fahrspur für Rollstuhlfahrer durch die Schorndorfer Innenstadt würde es ihnen leichter machen, zügig vorwärtszukommen. Neben den Rollifahrern geht es den beiden Männern auch um diejenigen älteren Menschen, die mit einer Gehhilfe unterwegs sind.

Schwenk und Pfeiffer erkrankten an Polio, auch Kinderlähmung genannt

In der kleinen Gasse, die die Johann-Philipp-Palm-Straße mit dem Archivplatz verbindet, treffen Pfeiffer und er prompt auf eine alte Dame, die über den holprigen Weg ihren Rollator schiebt und drückt. Nur mit Unterstützung ihres Begleiters schafft sie es sicher über den unebenen Boden. Kurz unterhalten sich Schwenk, Pfeiffer und die Dame. Sie sind sich einig: Dieser Boden taugt nicht für Menschen mit Gehbehinderung.

Der pensionierte Lehrer Schwenk setzt sich für die Belange von Menschen mit Behinderung ein. Er und Pfeiffer erkrankten an der Kinderlähmung. Schwenk ist Sprecher der Regionalgruppe Stuttgart des Bundesverbandes Poliomyelitis (der medizinische Fachausdruck für die Kinderlähmung), Pfeiffer sein Stellvertreter. „Das ist eine schleichende Angelegenheit“, erklärt Schwenk in kurzen Worten. Seit sieben Jahren sitzt er im Rollstuhl.

Auch eine andere Ecke in Schorndorf ist mit dem Rollstuhl nur schwer befahrbar: die Gasse, die die Stadtkirche mit dem Martin-Luther-Gemeindehaus verbindet. Schwenk „schummelt“, wie der fünf Jahre jüngere Pfeiffer scherzhaft sagt, er hat einen Rollstuhl, der die Bewegungen von Schwenk elektronisch verstärkt. Trotzdem geht es nur recht langsam über den holprigen Weg, der für Rollstuhlfahrer auch zu einer Gefahr werden kann. Ästhetisch ansprechend seien die Beläge und würden zur Altstadt passen, räumen beide ein, aber praktisch sind sie nicht.

In der Hetzel- und Höllgasse ließ die Stadt flachere Steine verbauen

Herbert Schuck, der Fachbereichsleiter der Stadt für das Thema Infrastruktur, weiß von den Problemen mit den Pflastersteinen für Menschen mit Behinderung. Bei Umbauarbeiten werde auf das Thema geachtet und man stehe im Bereich Infrastruktur im Austausch mit den Verbänden. Ideen und Konzepte, wie die Johann-Philipp-Palm-Straße und die Daimlerstraße umgebaut werden könnten, gibt es, doch konkrete Pläne liegen nicht vor. Bei Bauarbeiten in der Hetzel- und der Höllgasse habe man aber darauf geachtet, flache Steine zu verbauen, so dass Rollstuhlfahrer besser vorwärtskommen.

Der Unterschied fällt sofort auf: Schwenk und Pfeiffer rollen dort viel einfacher über den Stein. Zuletzt habe die Stadt besonders bei den Bushaltestellen auf Barrierefreiheit geachtet. Aus finanziellen Gründen sei aber auch die eine oder andere Idee „dem Rotstift zum Opfer gefallen“ gesteht Schuck.

Regionalzüge können die beiden nicht nutzen

Vorbei an den Geschäften und Cafés in Schorndorf macht Schwenk darauf aufmerksam, vielerorts nicht reinzukönnen. Bei einigen wären nicht einmal große Umbauarbeiten nötig, eine einfache kleine Rampe würde schon reichen, damit er hereinfahren kann. Auch das Thema Mobilität bewegt die beiden Männer. Mit der S-Bahn können sie zwar von Schorndorf aus fahren, jedoch nicht überall aussteigen. In Schorndorf-Weiler und in Winterbach etwa seien die Höhenunterschiede zwischen Zug und Bahnsteig zu groß. Auch Regionalzüge können die beiden nicht nutzen.

Bei den meisten Bussen schaut es besser aus. Dort gibt es beim hinteren Ein- und Ausstieg eine ausklappbare Rampe. Verbesserungen gibt es auch bei der Wieslauftalbahn, nach und nach werden die Bahnsteige in den einzelnen Gemeinden barrierefrei. „Einiges hat sich in den vergangenen Jahrzehnten zum Besseren verändert“, sagt Schwenk. Neben den Bussen gibt es für ihn und Pfeiffer auch einige andere positive Beispiele. Als etwa die Stadtkirche vor einigen Jahren renoviert wurde, setzte Schwenk sich dafür ein, dass man auch mit dem Rollstuhl in den Altarraum kommt. Man ließ dort schließlich eine Rampe bauen.

Auch zu den großen Veranstaltungsorten haben die beiden Männer Zugang. Der Traumpalast und die Manufaktur sind auch für Rollstuhlfahrer geeignet. Pfeiffer ist froh darüber, er besucht gerne Konzerte. Positiv kam bei den beiden Rollstuhlfahrern auch die Errichtung der Toilette für Menschen mit Behinderung am Busbahnhof an. „Das ist genial“, sagt Pfeiffer.


Die Digitalisierung könnte Rollstuhlfahrern helfen

Womöglich könnte auch die Digitalisierung dazu beitragen, dass sich Schwenk und Pfeiffer im öffentlichen Raum leichter bewegen können. Die Stadt Schorndorf prüft derzeit die Teilnahme an dem Projekt „Hürdenlos“, eine Internet-Plattform, auf der darüber informiert wird, welche Orte barrierefrei sind. Unter anderem in Fellbach wird das Programm bereits genutzt.

Interessierte, die sich an der Plattform „Hürdenlos“ beteiligen würden, können sich an Beate Härer, die Leiterin der Abteilung Soziales und Senioren, Beate.Haerer@Schorndorf.de oder 0 71 81/ 6 02 33 03 wenden.