Schorndorf

Wie hoch ist Schorndorf verschuldet?

Kontoauszug mit Sollsaldo
Finanzbürgermeister Thorsten Englert kommt zum 31. Dezember 2020 auf einen Schuldenstand von rund 141,4 Millionen Euro.   Foto: Adobestock/Harald Richter © Adobestock/Harald Richter

Wie hoch ist die Stadt Schorndorf eigentlich verschuldet? Werden’s, wie CDU-Rat Manfred Bantel jüngst in einem „Schorndorf Aktuell“-Beitrag hochrechnete, bis Ende des Jahres 180 Millionen Euro sein? Vielleicht wird’s nicht ganz so schlimm. Immerhin lag der Schuldenstand Ende 2020 nach Rechnung von Finanzbürgermeister Thorsten Englert noch bei rund 141,4 Millionen Euro. Dass das Statistische Landesamt für 31. Dezember 2019 eine Verschuldung von Gemeinde, Eigenbetrieben und -gesellschaften von 151,2 Millionen Euro aufführt, macht die Einschätzung nicht leichter: Drei Beträge, die sich erheblich unterscheiden – und einer Erklärung bedürfen.

Zunächst gibt Jörn Wenzelburger, Fachbereichsleiter Finanzen, zu bedenken, dass es sich bei der von Bürgermeister Thorsten Englert genannten Schuldensumme noch nicht um eine offizielle Zahl handelt, „da die Jahresabschlüsse bei der Stadt und bei den städtischen Töchtern weder endgültig aufgestellt noch geprüft und beschlossen sind“. Dass sie sich aber von der vom Statistischen Landesamt veröffentlichten Summe nicht unerheblich unterscheidet, könnte nach Wenzelburgers Dafürhalten daran liegen, dass Trägerdarlehen zwischen der Stadt und der Stadtentwässerung nicht bereinigt wurden. „Diese stellen in der Konzernbetrachtung der Stadt mit allen Töchtern keine Verschuldung dar“, erläutert Wenzelburger.

Genaue Zahlen gibt es erst mit dem Jahresabschluss

Und dass Stadtrat Manfred Bantel bis Ende 2021 mit einer 40 Millionen höheren Verschuldung rechnet, liegt ebenfalls im Bereich des Möglichen: Diese Hochrechnung könne durchaus als gerundete Summe aus dem Haushalt sowie den einzelnen Wirtschaftsplänen errechnet werden. „Wir sprechen dabei jedoch immer von Planzahlen, deren Gesamtsumme auf Planungen und Prognosen beruht, und die erst im Rückblick mit dem entsprechenden Jahresabschluss endgültig feststehen.“

Für die Einordnung könnte vielleicht auch ein Vergleich mit den Nachbarstädten hilfreich sein, wie sie das Statistische Landesamt aufführt – je Einwohner: Zum 31. Dezember 2019 war jeder Schorndorfer mit 3807 Euro verschuldet, die Pro-Kopf-Verschuldung in Waiblingen lag bei 935 Euro, die in Weinstadt bei 1839 Euro und in Winnenden bei 1112 Euro. Also in allen drei Kreisstädten deutlich unter dem Schorndorfer Wert. In Schwäbisch Gmünd lag die Verschuldung von Gemeinde, Eigenbetrieben und -gesellschaften zwar auch bei rund 151 Millionen Euro, die Pro-Kopf-Verschuldung bei 61 237 Einwohnern aber dennoch nur bei 2467 Euro.

Doch es gibt auch eine positive Nachricht: Der Gewerbesteuerertrag für 2020 beläuft sich in Schorndorf auf 19 Millionen Euro, entspricht dem Planansatz – „und verhält sich völlig atypisch zur bundesweiten, stark rückläufigen Entwicklung“, erläutert Wenzelburger. Über „das Rekordjahr“ hatte sich schon Bürgermeister Englert im Verwaltungs- und Sozialausschuss gefreut: Gemeinsam mit der Gewerbesteuererstattung von Bund und Land in Höhe von 4,28 Millionen, die im Nachtrag 2020 bereits eingepreist war, konnte die Stadt Schorndorf einen neuen Höchststand bei der Gewerbesteuer erzielen.

„Völlig überraschend“: Rekord beim Gewerbesteuerertrag

Als im Herbst der Nachtragshaushalt aufgestellt wurde, war dieser Wert noch deutlich niedriger und hat sich im vierten Quartal 2020 – trotz Pandemie – „völlig überraschend um mehrere Millionen erhöht“. Und die Eigenfinanzierungsquote, also das Verhältnis von Eigen- zu Fremdkapital – liege außerdem zwischen 70 und 80 Prozent, betonte Englert.

Und noch ein Wert ist dem Finanzbürgermeister in diesem Zusammenhang wichtig: die Bilanzsumme der Stadt und der Eigenbetriebe ohne Bäder, Stadtbau und Stadtwerke in Höhe von 350 Millionen Euro zum Jahresende 2020. Für Englert „ein gewaltiges Vermögen“, das der Verschuldung gegenübersteht. Doch auch diese Bilanzsumme ist natürlich als vorläufige Messgröße zu betrachten, „da sie sich durch die Jahresabschlussarbeiten ebenfalls noch verändern wird“, erklärt Wenzelburger und gibt dem Laien zu bedenken, dass angesichts der Diversität des Konzerns Stadt, die von der klassischen öffentlichen Daseinsvorsorge, aus Steuern finanziert, über gebührenfinanzierte Einrichtungen bis hin zu privatwirtschaftlichen Unternehmen im Bereich der Energieversorgung oder des Wohnungsbaus reicht, eine einheitliche Bewertung der Verschuldung nur wenig aussagekräftig ist.

Wie hoch ist die Stadt Schorndorf eigentlich verschuldet? Werden’s, wie CDU-Rat Manfred Bantel jüngst in einem „Schorndorf Aktuell“-Beitrag hochrechnete, bis Ende des Jahres 180 Millionen Euro sein? Vielleicht wird’s nicht ganz so schlimm. Immerhin lag der Schuldenstand Ende 2020 nach Rechnung von Finanzbürgermeister Thorsten Englert noch bei rund 141,4 Millionen Euro. Dass das Statistische Landesamt für 31. Dezember 2019 eine Verschuldung von Gemeinde, Eigenbetrieben und -gesellschaften von

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