Schorndorf

Wie Kindergärten in den Regelbetrieb gestartet sind

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Im Kindergarten St. Maria spielen Igel- und Mäuse-Kinder so viel wie möglich draußen im herrlich großflächigen Garten – oder drinnen bei weit geöffneten Fenstern. © Gaby Schneider

Endlich wieder mit allen Igel- und Mäuse-Kindern gemeinsam im Sandkasten buddeln und im Wasser platschen, mit den geliebten Freundinnen in der Freiluftküche ein leckeres Matsche-Pampe-Mahl zubereiten, nach Lust und Laune, ohne Abstand und Gruppentrennung, durch den Garten toben, springen und hüpfen. Im katholischen Kindergarten St. Maria ist wieder so etwas wie Normalität eingekehrt – und große Erleichterung zu spüren: Seit Montag ist nach Vorgabe des Kultusministeriums der Regelbetrieb wieder möglich. Wo sich nach dem Lockdown zunächst nur eine Handvoll Mädchen und Jungen aufhalten durfte, zuletzt 25 Kinder in der Notgruppe und ab 18. Mai in einem rollierenden System in halber Gruppenstärke betreut wurden, ist nach 15 Wochen der Ausnahmezustand vorüber.

Doch trotz aller Freude, Kindergartenleiterin Martina Helms-Pöschko bleibt mit ihrem Team vorsichtig. Mit Eselin Zippora, die im September vor einem Jahr als Begleiterin durchs Kirchenjahr im Kindergarten Einzug gehalten hat, wird jetzt kindgerecht an die Corona-Regeln erinnert, ans Warten im Eingangsbereich, ans Abstandhalten und ans Händewaschen. Wo es früher am Morgen ein munteres Bringen und Begleiten bis in die Gruppenräume hinein gab, geht’s jetzt für alle Kinder gemeinsam um halb neun los. Und für die Mamas und Papas gilt: Das Abschiedsküsschen gibt’s nicht mehr mitten im Spielgeschehen, sondern bereits im Garderobenbereich. Eine Umstellung war das für die Kleinen offenbar nicht: „Die Kinder haben das alle angenommen und sich prima auf die neue Situation eingelassen“, sagt Martina Helms-Pöschko und möchte das Positive dieser festen Bring- und Abholzeiten auch gerne in die Nach-Corona-Zeit hinüberretten.

Herausforderung annehmen – und gesund bleiben

Was Eltern bisher in Tür-und-Angel-Gesprächen mit den Erzieherinnen geklärt haben, sollen sie künftig jeden Mittwoch in einer Elternsprechstunde loswerden können. Außerdem wird es einen Abschlusselternabend geben, in dem ein Austausch darüber stattfinden soll, wie Eltern und Erzieherinnen die Corona-Zeit erlebt und überstanden haben. Tatsächlich, sagt die Kindergartenleiterin, sei bei den Eltern eine große Dankbarkeit zu spüren: „Sie sehen die Arbeit und wie ausgeglichen die Kinder sind.“ Und für die Erzieherinnen, sagt Helms-Pöschko, habe von Anfang an die Devise gegolten: „Wir nehmen die Herausforderung an und bleiben gesund.“ So war das Team während der Kindergartenschließung übers Elterntelefon für Sorgen und Nöte ansprechbar, hat Frühlingstüten mit Bastelanleitungen, Rezepten, Geschichten und Spielideen gepackt, jede Woche eine Kinderpost verschickt – und versucht, bei allen Maßnahmen und Verordnungen nicht nur einen klaren Kopf zu behalten, sondern auch mit Herz und Verstand zu arbeiten.

Grundsätzlich hätten sie sich aber gewünscht, sagt Martina Helms-Pöschko, dass vor der jetzt erfolgten Öffnung vom Kultusministerium erst mal abgefragt worden wäre, wie die Rahmenbedingungen in den Einrichtungen sind und ob überhaupt genug Personal vorhanden ist. Letztendlich wurde das dem Zufall überlassen – und in St. Maria dem Glück, dass es hier keine Erzieherinnen in der Risikogruppe gibt. Umso mehr lobt die Kindergartenleiterin die „sehr gute Zusammenarbeit“ mit und „das exzellente Krisenmanagement“ der Stadt Schorndorf. Wie sie überhaupt versucht, das Positive an der Ausnahmesituation seit Mitte März zu sehen: Die Kinder, sagt Martina Helms-Pöschko, waren beim Spiel in der Kleingruppe nicht nur konzentrierter, für die Erzieherinnen sei so auch mehr Beziehungs- und damit Bildungsarbeit möglich gewesen. Und was anfangs niemand zu hoffen gewagt hatte, ist jetzt doch möglich geworden: Die Erzieherinnen können für die Großen noch ein paar Wochen lang den Übergang zur Schule gut gestalten. Nur das Sommerfest, das in diesem Jahr zur Feier des 60-jährigen Kindergartenbestehens am kommenden Samstag besonders rauschend hätte gefeiert werden sollen, kann in diesem Jahr nicht stattfinden, sondern muss auf 2021 verschoben werden.

Kindergarten Burgstraße: Geglückter Start nach dem Ausnahmezustand

Große Wiedersehensfreude auch im Kindergarten Burgstraße: Nachdem anfangs nur vier Kinder in der Notgruppe betreut werden konnten, und in den vergangenen sechs Wochen auch nur die Hälfte der üblichen Kinderschar kommen durfte, ist jetzt wieder ganz schön was los bei den Räupchen und den Schmetterlingen. Und obwohl die Aufregung an Tag eins nach dem Ausnahmezustand bei Eltern, Erzieherinnen und Kindern groß war: „Der Start“, sagt Kindergartenleiterin Suzanne Chica y Göhringer, „lief überraschenderweise gut.“ Die Erzieherinnen sind, obwohl eine Kollegin eigentlich in der Risikogruppe ist, alle im Einsatz. Und so kann der Kindergartenalltag wieder losgehen, nachdem zuletzt nur die Großen und die Kinder, die aus Sicht der Erzieherinnen besonders großen Betreuungsbedarf hatten, in den Kindergarten kommen konnten.

Mit Klingel und Einlasskontrolle

Doch ohne Regeln geht das in dem 103 Jahre alten Gebäude mit der beengten Raumsituation nicht: Zur Bringzeit zwischen 7.30 und 9 Uhr muss an der Eingangstür geklingelt werden, jeweils eine Erzieherin übernimmt die Einlasskontrolle und ist Ansprechpartnerin für Elternanliegen. Grundsätzlich darf mehr als ein Elternteil pro Gruppe den engen Garderobenbereich nicht betreten. Die Gruppenräume sind für Mütter und Väter tabu, sie müssen sich vor der Tür von ihren Kindern verabschieden. Doch in den Gruppen herrscht wieder Normalbetrieb: Die Mädchen und Jungen müssen keinen Sicherheitsabstand mehr einhalten, die Gruppen dürfen sich mischen und auch im Garten zusammenspielen. Nur im Sanitärbereich ist noch Vorsicht geboten: Jeder Gruppe wurde je eine Mädchen- und eine Jungstoilette zugewiesen; um ein Gedränge beim Umziehen der Matschkleidung zu vermeiden, haben die Erzieherinnen hier einen Schichtbetrieb eingeführt.

Sensibel bei Erkältungssymptomen

Und in einer Sache, sagt Kindergartenleiterin Chica y Göhringer, sind sie und ihr Team jetzt besonders sensibel: Kinder mit Erkältungssymptomen sind im Kindergarten nicht mehr willkommen oder müssen, wenn sie sich krank fühlen, schnell abgeholt werden. Denn eines ist klar: Sollte in einem solch kleinen Haus ein Corona-Fall auftreten, kann es nach Einschätzung von Markus Weiß, Fachbereichsleiter Kindertagesstätten, durchaus sein, dass das Gesundheitsamt die ganze Einrichtung schließt. „Daher sollte es das Ziel sein“, so Weiß weiter, „dass nicht mehr als zwei Gruppen in Kontakt kommen.“

Endlich wieder mit allen Igel- und Mäuse-Kindern gemeinsam im Sandkasten buddeln und im Wasser platschen, mit den geliebten Freundinnen in der Freiluftküche ein leckeres Matsche-Pampe-Mahl zubereiten, nach Lust und Laune, ohne Abstand und Gruppentrennung, durch den Garten toben, springen und hüpfen. Im katholischen Kindergarten St. Maria ist wieder so etwas wie Normalität eingekehrt – und große Erleichterung zu spüren: Seit Montag ist nach Vorgabe des Kultusministeriums der Regelbetrieb

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