Schorndorf

Wie Schüler mit Hilfe der Heimatblätter in die Schorndorfer Geschichte eintauchen

Geschichtsprojekt
Seminarkurs des Wirtschaftsgymnasiums: Mit ihren Lehrern Ina Schulz und André Bordisch (Bildmitte) haben sich die Schülerinnen und Schüler auch mit der ehemaligen Lederfabrik Breuninger, an deren Stelle jetzt Wohnbebauung entsteht, auseinandergesetzt. © Gabriel Habermann

Wie hat sich die Weltwirtschaftskrise von 1929 in Schorndorf und wie der Nationalsozialismus auf die wirtschaftliche Situation ausgewirkt? Welche Bedeutung hatte der Weinbau vor 100 Jahren, wie war das mit der Reblaus und wie haben die Schorndorfer Ziegelwerke vom Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg profitiert? 15 Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 1 im Wirtschaftsgymnasium sind in einem Seminarkurs nicht nur in die Schorndorfer Wirtschafts- und Industriegeschichte eingetaucht, sondern haben sich auch intensiv mit wissenschaftlichem Arbeiten auseinandergesetzt.

Dass sie an fundierte Informationen gekommen sind, das Stadtarchiv als Quelle entdeckt und kompetente Gesprächspartner gefunden haben, daran hatte der Heimatverein mit seinem Vorsitzenden Dr. Holger Dietrich nicht unerheblichen Anteil. Wichtiges Nachschlagewerk für fast alle Themen waren die Schorndorfer Heimatblätter. In deren Neuausgabe, die Anfang 2023 erscheinen soll, sollen die fünf besten Seminararbeiten zumindest in Auszügen veröffentlicht werden – damit auch kommende (Schüler-)Generationen von den Erkenntnissen profitieren können. Im Wahlkurs, der zur Abiturnote angerechnet werden kann, wurden die Schülerinnen und Schüler aber auch von Geschichts- und Deutschlehrerin Ina Schulz und BWL- und Geschichtslehrer André Bordisch unterstützt, die selbst noch einiges über die Schorndorfer Vergangenheit lernen konnten.

Themen: Von der Zwangsarbeit bis zur Wirtschaftspolitik

Mit der Bedeutung der Zwangsarbeit für die Wirtschaft in Schorndorf während des Zweiten Weltkrieges hat sich Laurin Plassmann beschäftigt, Hanna Andelfinger mit dem Arbeitsrecht in der Weimarer Republik am Beispiel der Lederfabrik Röhm und Alida Baron mit der Weltwirtschaftskrise 1929, die auch in Schorndorf zu mehr Arbeitslosigkeit und Armut geführt hat. Wie die Eisenbahn die wirtschaftliche Entwicklung der Daimlerstadt beeinflusst hat, in dieses Thema hat sich Franz Claussen vertieft und Marie Cujai in die Geschichte der Schorndorfer Porzellanmanufaktur. Ivo Grossmanns Thema war der Weinbau in Schorndorf Anfang des 20. Jahrhunderts – und die Zerstörungskraft der Reblaus. Lena Härdter hat den bemerkenswerten Schorndorfer Wirtschaftsaufschwung im Spätmittelalter untersucht und Elijah Mühlhäuser die Lederfabrik Breuninger während des Zweiten Weltkriegs. Larissa Petricevic hat die wirtschaftliche Bedeutung der Gastarbeiter in der Nachkriegszeit untersucht und Fee Schmidt die Zeiten des Wirtschaftswunders. Yara Schwarz hat sich damit beschäftigt, welchen Einfluss der Zweite Weltkrieg auf die Textilindustrie und speziell auf die Konrad-Hornschuch-AG in Urbach hatte. Die wirtschaftlichen Auswirkungen von Nationalsozialismus und Rassenwahn am Beispiel der Familien Guttenberger und Ansbach und dem Musikhaus Bacher war Jana Seefrieds Thema.

Dass die Ziegelwerke enorm von der Nachkriegszeit profitiert haben, das hat Asina Seibold in ihrer Arbeit herausgefunden. Rico Wagner hat sich mit der Industrialisierung beschäftigt und Lisa Wellmann mit Wechselwirkungen zwischen Politik und Wirtschaft im 19. Jahrhundert.

Ohne das Online-Nachschlagewerk Wikipedia

Dabei ging es für die Schülerinnen und Schüler aber gar nicht darum, bahnbrechend neue Erkenntnisse zu gewinnen, sondern sich überhaupt einmal mit historischen Quellen zu beschäftigen – ohne das Online-Nachschlagewerk Wikipedia zu nutzen. Und die Beschäftigung mit der Schorndorfer Vergangenheit war durchaus intensiv: Ein halbes Jahr lang haben sich die Kursteilnehmer/-innen mit ihren Themen be- und Seminararbeiten mit bis zu 25 Seiten verfasst. Doch damit nicht genug: Es folgten eine Präsentation vor der Klasse und ein Kolloquium. Eine Exkursion in die Landesbibliothek, Anfang des Schuljahres wegen der Corona-Pandemie nicht möglich, steht noch an. Außerdem können die Kursteilnehmer/-innen an einer Fahrt des Heimatvereins nach Ludwigsburg teilnehmen.

Erfolgreich endete auch der erste Seminarkurs an der Johann-Philipp-Palm-Schule im Schuljahr 2020/21 Jahr: Damals haben sich die Kursteilnehmer/-innen am Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten zum Thema „Bewegte Zeiten. Sport macht Geschichte“ beteiligt – und auf Anhieb einen Landessieg mit dem Thema „Die Judenausgrenzung in der NS-Zeit in Sportvereinen am Beispiel des VfB Stuttgart“ und einen Förderpreis mit einer Arbeit über „Sport in der Hitlerjugend als Vorbereitung für den Krieg an dem Beispiel der Ortsgruppe Schwäbisch Gmünd“ gewonnen.

Wie hat sich die Weltwirtschaftskrise von 1929 in Schorndorf und wie der Nationalsozialismus auf die wirtschaftliche Situation ausgewirkt? Welche Bedeutung hatte der Weinbau vor 100 Jahren, wie war das mit der Reblaus und wie haben die Schorndorfer Ziegelwerke vom Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg profitiert? 15 Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 1 im Wirtschaftsgymnasium sind in einem Seminarkurs nicht nur in die Schorndorfer Wirtschafts- und Industriegeschichte eingetaucht,

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