Schorndorf

Wie Schorndorfer Hoteliers kämpfen: Zwischen Beherbergungsverbot, Corona-Attesten und Maskenpflicht

Hotel gruber
Wilhelm Gruber berichtet von vielen unsicheren Rückfragen seiner Kunden. © Gabriel Habermann

Das neue Beherbergungsverbot trifft die Schorndorfer Hoteliers hart. Demnach dürfen sie keine Gäste aufnehmen, die ihren Wohnsitz in einer Region haben, in der innerhalb von sieben Tagen mehr als 50 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner auftreten. Und die Liste der Städte und Landkreise, die das betrifft, wird quasi täglich länger. „Das ist eine knallharte Sache“ findet Wilhelm Gruber, Inhaber des Hotels Gruber an der Schorndorfer Remsstraße. Seitdem das neue Verbot gilt, kämen täglich neue Stornierungen herein.

Gäste, die aus Berlin, Stuttgart und Co kommen, sagen nämlich eher ab, bevor sie sich um einen negativen Corona-Test kümmerten. Auch eine fürs Wochenende geplante 80. Geburtstagsfeier ist geplatzt. Und das ist wirklich schlimm, immerhin, Feiern haben das gesamte Jahr über quasi nicht stattgefunden. Ob und wann das entsprechende Fest nachgeholt wird, steht in den Sternen. „Wir wissen ja nicht, was noch kommt“, seufzt Gruber. In jedem Fall seien die Aussichten für die Zukunft düster. „Wir hoffen, dass es nicht so schlimm wird, wie es gerade aussieht“, berichtet der Hotelbesitzer.

Drei Viertel aller Reservierungen sind gestrichen

Immerhin - er kämpft schon seit Beginn der Corona-Pandemie, also seit mehr als einem halben Jahr, mit den Einschränkungen. Mit dem Lockdown im Frühjahr war sein Hotel komplett geschlossen gewesen. Erst im Juni ging’s so langsam wieder los. Allerdings eher tröpfchenweise kamen die Gäste nach Schorndorf. Eine Auslastung von fünf bis zehn Prozent hält kein Hotel am Laufen. „Wir haben mehr als drei Viertel unserer Buchungen herausgestrichen“, berichtet der Schorndorfer Hotelier frustriert. All die Hochzeiten, Geburtstagsfeiern und Konfirmationen wurden abgesagt, mit ihnen auch die Buchungen in Grubers Hotel. Auch Geschäftsgäste und Handwerker sowie Servicedienstleister kamen nur sporadisch vorbei.

Zuletzt war es dem Hotel im Sommer recht ordentlich gegangen - wenn auch auf niedrigerem Niveau, findet Gruber. An alle Auflagen halte er sich natürlich, keine Frage: Masken, Abstandsregeln, Desinfektionsgelegenheiten für die Gäste. Längst nicht alle Mitarbeiter konnten aber beschäftigt werden. Und diejenigen, die arbeiten konnten, fielen unter die Kurzarbeit-Regelung. Trotzdem, es ging. Gerne hielt Gruber sein Hotel offen. Schließlich ist’s seine Haupteinnahmequelle. „Und man muss alles am Laufen halten, egal ob’s ein oder drei Gäste sind.“ Immerhin sei bei der Größe seines Hotels die tägliche Arbeit zur Not auch ohne Personal, nur mit dem eigenen Einsatz zu wuppen. Größere Häuser mit 70 Betten oder mehr müssten bei solch einer geringen Auslastung komplett schließen.

"Essen dürfen sie bei uns, schlafen nicht"

Ähnlich sieht’s auch im Hotel Pfauen aus. Bianca Burkhardt berichtet: „Früher waren wir unter der Woche meist ausgebucht.“ Etliche Geschäftsreisende seien immer wieder gekommen, seien über mehrere Tage geblieben. Auch am Wochenende seien die Buchungen stets reichlich gewesen - Familienfeiern, Events in der Stadt, solche Gelegenheiten hatten dem Pfauen die Zimmer gefüllt. Zuletzt sei man gerade mal bei 20 bis 30 Prozent Auslastung gewesen.

„Oft ist momentan auch mal nur ein Gast da oder drei Tage lang keiner.“ Statt des bisherigen Frühstücksangebots gibt’s deshalb aktuell eine Liste mit Alternativen für die Gäste. Viele allerdings sagten jetzt nach dem Erlass des Beherbergungsverbots wieder ab. Nur wenige wollten mit einem negativen Corona-Test in der Tasche trotzdem kommen. Mit dem Hotelumsatz fehlt ein wichtiger Teil der Einnahmen. „Das können wir mit dem Restaurant gar nicht auffangen“, weiß die Gastronomin.

Natürlich wolle man sich auch als Gastgeber das Virus nicht ins Haus holen. Insofern setze man alle Regeln natürlich auch bereitwillig um. Allerdings, ein wenig Zweifel an der Sinnhaftigkeit des Verbots gibt es doch. Ins Restaurant dürften die Menschen aus den entsprechenden Risikogebieten - zu denen auch Stuttgart und Esslingen zählen – ja auch kommen. „Essen dürfen sie bei uns, nur nicht schlafen“, erklärt Burkhardt.

Für November geplante Feier schon wieder abgesagt

Und auch im Lokal schlagen die neuen, höheren Infektionszahlen nun wieder zu. Während der Sommer auch dank der Möglichkeit der Außenbewirtschaftung ganz passabel lief, sieht’s jetzt wieder kritischer aus. Eine Diamantene Hochzeit, die Ende November im Lokal hätte gefeiert werden sollen, ist schon wieder abgesagt worden. Und so blickt die Restaurantleiterin sorgenvoll in den Dezember.

Die Vorweihnachtszeit bescherte den Gastwirten sonst immerhin die besten Monate. Weihnachtsfeiern, Silvesterfeste – all das war immer ein wichtiger Teil des Geschäftsjahres. In diesem Jahr sieht alles anders aus. „Bis auf zwei kleinere Anfragen ist bisher noch nichts gelaufen“, bedauert Bianca Burkhardt. In jedem Fall habe das neue Verbot auch den Pfauen wieder enorm ausgebremst, wo es doch gerade wieder aufwärtsgegangen war.

Übrigens hat sich der Präsident des Deutschen Städtetages, Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung, dafür ausgesprochen, das Beherbergungsverbot für Reisende aus Corona-Risikogebieten zurückzunehmen. Die Regelung sei „nicht durchdacht“. Immerhin gebe es keine Hinweise darauf, dass Hotels oder der Verkehr mit Bus und Bahn Hotspots seien.

Auch der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) erwartet Klagen gegen das umstrittene Beherbergungsverbot für Reisende aus Corona-Risikogebieten.Baden-Württembergs Tourismusminister Guido Wolf (CDU) nannte das Verbote einen „Lockdown durch die Hintertür“, während Gesundheitsminister Manfred Lucha (Grüne) indes zu einem freiwilligen „Urlaubsverzicht“ aufforderte.

Das neue Beherbergungsverbot trifft die Schorndorfer Hoteliers hart. Demnach dürfen sie keine Gäste aufnehmen, die ihren Wohnsitz in einer Region haben, in der innerhalb von sieben Tagen mehr als 50 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner auftreten. Und die Liste der Städte und Landkreise, die das betrifft, wird quasi täglich länger. „Das ist eine knallharte Sache“ findet Wilhelm Gruber, Inhaber des Hotels Gruber an der Schorndorfer Remsstraße. Seitdem das neue Verbot gilt, kämen täglich neue

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