Schorndorf

Wie sich die Schorndorfer Zwillinge Tina und Nina ihren Traum von Olympia erfüllen wollen

Leichtathletinnen
Tina (links) und Nina sind zweieiige Zwillinge (19 Jahre alt) und lieben beide die Leichtathletik – speziell das Laufen. © ALEXANDRA PALMIZI

„Es ist harte Arbeit, aber man muss wissen, wofür man es macht, und dass es sich am Ende lohnt. Es ist wichtig, immer ein Ziel vor Augen zu haben. Das spornt an und bringt die nötige Motivation.“, Wenn Nina Miletic von ihrer Leichtathletik-Leidenschaft erzählt, schwappt die Sportbegeisterung sofort auf ihr Umfeld über. Und wenn dann auch noch Zwillingsschwester Tina von der Faszination Laufen schwärmt, dann – ja dann sprudeln beide nur so los.

Nina Miletic ist Schülerin der Johann-Philipp-Palm-Schule, hat ihr schriftliches Abi hinter sich und den Kopf nun wieder etwas freier, sich ihrem Sport zu widmen. Schwester Tina besucht die 12. Klasse der Grafenbergschule und ist ebenso aktive Leichtathletin, genauer gesagt Mittelstreckenläuferin. Die zwei Unzertrennlichen pushen sich immer wieder gegenseitig: „Auch wenn wir mal nicht mehr können, sagen wir uns gegenseitig: durchziehen! Und wenn man es dann geschafft hat, ist es ein gutes Gefühl“, sagt Nina.

Leichtathletik ist in Serbien „die Königin des Sports“

Der Sport spielt im Leben der beiden eine wichtige Rolle – um nicht zu sagen die Hauptrolle. Früher, so berichten sie, seien sie überhaupt keine Sportskanonen gewesen, eher „Couch-Potatoes“. Ihre aus Serbien stammenden Eltern hätten ebenso nicht viel mit dem Thema Sport zu tun. „Aber der Papa hat uns dann doch die Leichtathletik nähergebracht“, lacht Tina. Nur Rumsitzen ginge schließlich nicht und mit der Leichtathletik seien gleich mehrere Bewegungsmöglichkeiten auszuprobieren. Und ein wichtiger Aspekt hat familiäre Wurzeln: Die Leichtathletik sei in Serbien die „Königin des Sports“ und habe somit einen hohen Anerkennungswert.

Relativ schnell war dann klar: „Das Laufen liegt uns am besten“, sagen die 19-Jährigen. Warum? „Laufen geht immer – das kann man an der frischen Luft machen, alleine, oder mit mehreren zusammen“, erläutert Nina. Und fügt schnell hinzu: „Was mir persönlich am besten daran gefällt, ist, dass man keine Jury hat, die, wie beim Eiskunstlaufen beispielsweise, auch noch die Haltung bewertet.“ Und man habe eine Zeit, die als Leistungsmesseinheit gilt. Einen Richtwert sozusagen. Das helfe enorm.

Basketball ist ein Hobby

Beide behaupten, Laufen mache den Kopf frei. Keine neue Weisheit. Aber bei den jungen Damen erhält der Zuhörer den Eindruck, dass es tatsächlich stimmt: Mit dem Sport als Ausgleich lasse sich alles andere viel besser meistern, beispielsweise die Aufgaben in der Schule. „Auch wenn wir irgendwelche Probleme haben, lassen sich die mit dem Training relativieren und man sieht klarer“, weiß Nina. Ein Wettkampf beruhige und helfe aus jeder Krise. Die Zwillinge spielen zudem noch Basketball: „Das ist unser Hobby“ – sie müssen selbst lachen, als wäre die Leichtathletik nicht schon Freizeitbeschäftigung genug.

„Vor sechs Jahren habe ich richtig mit dem Training angefangen“, berichtet Tina und erwähnt ihren Trainer Uwe Schneider: „Wenn er nicht gewesen wäre, wären wir mit unseren Leistungen jetzt nicht so weit.“ Tina läuft die 800 Meter, Nina die 1500. „Kennen Sie Marcel Fehr?“, wird die Redakteurin gefragt. Der sei der Top-Läufer der LG Filstal, berichtet Tina stolz, denn sie und ihre Schwester seien ebenfalls Teil dieser Leichtathletikgemeinschaft. Die freie Zeit, die die schlanken Mädels haben, widmen sie ganz dem Sport. Drei Tage in der Woche im Vereinstraining, die anderen übrigen Tage im privaten Training: „Oft laufen wir zusammen, aber manchmal auch alleine“, so Nina. Gibt es zwischen den Schwestern Konkurrenzkampf oder Streit? Wieder tauschen die beiden erst Blicke aus, dann lachen sie: „Konkurrenzkampf – nein. Streit? Wenn wir streiten, dann nicht über den Sport, eher über das Handykabel oder so. Aber generell streiten wir eigentlich wenig bis gar nicht“, so Tina. Zeit für ihre Freunde haben sie – aber wenig. „Das führt schon manchmal zu Diskussionen. Aber wir sind gerade bei der Vorbereitung für Wettkämpfe so fokussiert und emotional angespannt, dass wir da den Kopf einfach für nichts anderes freihaben“, beschreiben die Sportlerinnen die Situation.

Training nach Mondphasen

Große Lobesworte finden die beiden für ihren Trainer, der „step by step“ weiß, wie man die Schwestern am besten antreibt und aufbaut. Er achte individuell auf jeden, nehme Rücksicht, gehe sensibel vor und kreiere ein schlaues Training. Tina nennt ein Beispiel: „Er verbindet das Training mit den vier Mondphasen. Bei Vollmond hat man viel Kraft. Da gibt es ein härteres Training. Bei Neumond geht es etwas lockerer zu.“ Nina fügt ein: „Er ist ein richtiger Personal Coach.“

Mit größeren Verletzungen mussten sich die Sportlerinnen noch nicht auseinandersetzen. Nur eine langwierige Sehnenverletzung musste Nina mal hinnehmen: „Das hat mich schon verzweifeln lassen, weil ich nicht so konnte, wie ich wollte.“ Aber: „Tina war meine große Stütze, nicht sportlich, aber mental.“

Mit ihrem Trainer zusammen wollen sie ihr Ziel noch fester verinnerlichen und erreichen: zuerst die deutschen Meisterschaften im Juli, wenn es klappt. Dann eventuell die Europameisterschaft im kommenden Jahr, dann vielleicht schon Olympia 2024 in Tokio – „und wenn das nicht funktioniert, dann auf jeden Fall Olympia 2028 in Los Angeles“. An der Weltspitze ankommen und sich konstant beweisen und oben halten – dieses Ziel haben beide Mädels fest im Blick. Die beiden wissen genau, was sie wollen: „Wenn man trainiert und dann am Ende der Moment kommt, bei dem man sieht, wofür man trainiert hat, das stärkt einen.“ Ebenso sehe man an der Konkurrenz, was man bei sich selbst noch verbessern könnte, ergänzt Tina.

Auch wenn die jungen Frauen eine Sportlerkarriere verfolgen – beruflich haben sie dennoch klare Vorstellungen: Tina möchte die Polizeilaufbahn einschlagen, Nina hat sich für den Studiengang Verwaltungsinformatik entschieden, um dann beim Zoll zu arbeiten.

Das größte Glück: Die Kochkünste der Mama

Auch in der Corona-Zeit haben sie sich gegenseitig aufgebaut, denn die Pandemie habe sie stark beeinflusst: „Schulisch ging es, aber sportlich…“ – Nina blickt Tina an, die die richtigen Worte findet: „Wir konnten kein Stadion nutzen. Also konnten wir nur unsere Strecken im Wald oder auf Wegen laufen – und das ist schon was ganz anderes.“ Denn im Stadion könne man die Meter in Zusammenhang mit der Zeit auf der Strecke besser messen. „Das Gefühl ist ein anderes. Mental war es sehr anstrengend.“ Disziplin – ein Wort, das nicht nur im Training gilt, sondern auch die Ernährung betrifft. „Wir sind schon sehr darauf bedacht, was wir essen. Auf Süßigkeiten verzichten wir ganz.“ Sollte dieses Verlangen dennoch einmal auftauchen, beispielsweise während der Periode, würden sie zu Kaugummi greifen, Wasser trinken oder auch mal Nüsse knabbern. Eisen sei sehr wichtig, Kohlenhydrate und Eiweiß ebenso. Tina: „Es gibt sicher noch Verbesserungspotenzial. Aber wir achten darauf, dass wir drei Mahlzeiten haben, das Frühstück ist die ausgiebigste Mahlzeit.“ Das größte Glück der beiden: die Kochkünste der Mama. „Die serbische Küche beinhaltet alles, was wir für den Sport brauchen. Da haben wir viel Glück, dass unsere Mama uns täglich bekocht.“

„Es ist harte Arbeit, aber man muss wissen, wofür man es macht, und dass es sich am Ende lohnt. Es ist wichtig, immer ein Ziel vor Augen zu haben. Das spornt an und bringt die nötige Motivation.“, Wenn Nina Miletic von ihrer Leichtathletik-Leidenschaft erzählt, schwappt die Sportbegeisterung sofort auf ihr Umfeld über. Und wenn dann auch noch Zwillingsschwester Tina von der Faszination Laufen schwärmt, dann – ja dann sprudeln beide nur so los.

Nina Miletic ist Schülerin der

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