Schorndorf

Wie Studentinnen der Schlagzeugklasse der Stuttgarter Musik-Hochschule das Publikum in der Schorndorfer Stadtkirche faszinierten

TalkingDrums
Tamara Kurkiewicz und Aleksandra Nawrocka an den Marimbas mit Chopins Mazurka a-Moll. © ALEXANDRA PALMIZI

„Nur“ Schlagzeug? Hmhh. Aber dann, was für eine Klangfarbenvielfalt, welche Expressivität, wie viel Gefühl und Formbewusstsein. Und was für ein Fest der Spielfreude, das sechs junge Musikerinnen der Schlagzeugklasse der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart da in der gut besuchten Stadtkirche ihrem zunehmend begeisterten Publikum bereiteten.

Sicher ein Höhepunkt des Konzerts war das „Marimba Spiritual“ (1984) des japanischen Komponisten Minoru Miki (1930-2011). Es geht auf die Erschütterung des Künstlers über eine afrikanische Hungersnot zurück und setzt sich aus einem Klagelied und einem Aufbegehren zusammen, erklärte Klaus Dreher, Professor der Hochschule, der die Stücke kundig moderierte.

Eine gelungene Balance von Aufruhr und Virtuosität

Als Solistin an der Marimba bannte hier die Koreanerin Jiyeon Kim. Mit ihren vier über die Holzklangstäbe der Marimba wirbelnden Schlägeln beschwor sie Gefühle der Empathie, der Verzweiflung und des Zorns, die zunächst von Gongs sirrend, klöppelnd verstärkt werden und dann von dem Trio Tabea Ratzel, Maria Ruf und Tamara Kurkiewicz an japanischen Kodo- und O-Daiko-Trommeln allmählich ins Rasende gesteigert  werden, dabei archaische Stampfe-Rhythmen kunstvoll ins Zivilisierte transponierend. Das war gelungene Balance von Aufruhr und Virtuosität.

Zugleich wurde hier ein Kollektiv angerufen, indem die Trommlerinnen einen Schlag-Akzent jeweils an ihre Nachbarin weitergaben, was zu einer betörenden Intensität führte. Wie anders sollte man das nennen als „disziplinierte Ekstase“? Und schaute man dabei auf die Gesichter der jungen Musikerinnen, dachte man: Wer wollte sich deren Kraft und Freiheitswillen entgegenstellen?

Und es fiel einem die bis vor kurzem auch an der Stuttgarter Hochschule wirkende Flötistin Maria Kolesnikowa ein, die als freiheitssprühende Oppositionelle und Künstlerin derzeit noch immer in einem Gefängnis von Lukaschenko sitzt. Und gar nicht genug rühmen kann man die Weltoffenheit einer Institution wie der Stuttgarter Hochschule, die mit ihrer internationalen Studentenschaft auch unsere Horizonte erweitert. So auch mit diesem Konzert, das von zwei Koreanerinnen, zwei Polinnen und zwei Deutschen bestritten wurde.

Voll bezirzender Innigkeit, dann romantisch aufgewühlt und wieder traumversunken, beglückten Tamara Kurkiewicz und Aleksandra Nawrocka mit einer Bearbeitung von Chopins Mazurka a-Moll. Fetzend dann die  Klangvielfalt in Nikolaus Hubers Clash-Music.

Und von hymnischer Schönheit mit karibischem Steeldrum-Einschlag die fein gewebte Pat-Metheny-Hommage von Klaus Dreher. Zum Abschluss „Nori“ (Jiyeon Kim), ein Trommel-Gong-Duett mit Ruf und Gesang der beiden Koreanerinnen und dann noch einmal alle zusammen mit „The Taste of Korean Drums“. Das Konzert war ursprünglich als Silvesterkonzert für den Altjahresabend geplant und musste dann abgesagt werden. Nun trommelte es voll schöner Wucht einen Neuanfang mit Livemusik in der Stadtkirche herbei.

„Nur“ Schlagzeug? Hmhh. Aber dann, was für eine Klangfarbenvielfalt, welche Expressivität, wie viel Gefühl und Formbewusstsein. Und was für ein Fest der Spielfreude, das sechs junge Musikerinnen der Schlagzeugklasse der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart da in der gut besuchten Stadtkirche ihrem zunehmend begeisterten Publikum bereiteten.

Sicher ein Höhepunkt des Konzerts war das „Marimba Spiritual“ (1984) des japanischen Komponisten Minoru Miki

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