Schorndorf

Wie verhalte ich mich richtig bei Unfällen auf Schnellstraßen?

Unfall B29 Winterbach_0
Die Ausgangssituation: Der Ford der Unfallfahrerin bleibt schwer beschädigt an der Mittelleitplanke der B 29 auf Höhe Winterbach liegen. Hernach überquerte sie die Bundesstraße auf der falschen Seite und wurde erfasst. © Benjamin Beytekin

Winterbach. Eine 42 Jahre alte Frau erlitt nach einem Verkehrsunfall auf der B 29 in der Nacht zum Mittwoch schwere Verletzungen. Es war nicht der Unfall selbst, bei dem sie, was immer hoch gefährlich ist, auf der Überholspur liegen blieb. Sie versuchte, auf die gegenüberliegende Seite zu kommen, und überquerte die Gegenfahrbahn. Dabei wurde sie erfasst.

So weit der Stand der Ermittlungen: Die Frau war auf der Bundesstraße 29 in Fahrtrichtung Waiblingen unterwegs, als sie gegen 1.20 Uhr auf Höhe des Parkplatzes Winterbach wohl zunächst nach rechts von der Straße abkam und durch den Grünstreifen fuhr. Als sie zurücklenkte, übersteuerte sie vermutlich ihren Ford und prallte frontal in die Mittelleitplanke. Nach bisherigen polizeilichen Ermittlungen sprach sie anschließend noch mit einem Autofahrer, der nach dem Unfall angehalten hatte und der auch an der Unfallstelle blieb. (Hier der Artikel zum Polizeibericht)

Fataler Versuch, die Gegenfahrbahn zu überqueren

Als sie danach über die Mittelleitplanke hinweg zum gegenüberliegenden Fahrbahnrand gehen wollte, wurde sie dort von einem in Richtung Aalen fahrenden SUV erfasst und schwer verletzt. Sie wurde vom Rettungsdienst an der Unfallstelle erstversorgt und anschließend mit wohl lebensgefährlichen Verletzungen ins Krankenhaus eingeliefert. Die Strecke war nach dem Unfall bis etwa 5.30 Uhr in beide Fahrtrichtungen voll gesperrt, es wurde eine örtliche Umleitung eingerichtet. Die polizeilichen Unfallermittlungen sind noch nicht abgeschlossen.

Die Polizei konnte noch nicht klären, wie schnell der SUV fuhr. An dieser Stelle der B 29 ist Tempo 120 erlaubt. Unklar ist bis jetzt auch, ob die Frau erste Maßnahmen der Unfallsicherung unternommen hatte. Unterlassene Hilfeleistung, also ein Vorwurf gegenüber dem Autofahrer, der angehalten hatte, war sicher nicht im Spiel. Wer auf dem Standstreifen hält, kann nun mal schlecht einen anderen Autofahrer darin hindern, vom Mittelstreifen aus die andere Fahrbahn zu überqueren.

Was kann ich tun wenn...

  • Ich mit dem Auto auf der Überholspur liegen bleibe: Das ist der schlimmste Fall. Warnblinker an und auf keinen Fall, vor allem nachts, den Zündschlüssel umdrehen. Das Auto muss beleuchtet bleiben. Dann der Griff zur Warnweste. Man sollte sie nicht erst im Kofferraum suchen müssen. Sie gehört unter den Fahrersitz oder ins Handschuhfach. Wenn der Verkehr nicht zu dicht ist: Versuchen, den Kofferraum zu erreichen. Warndreieck rausholen. Dieses hochhalten, vor sich halten Richtung Verkehr, möglichst hoch. Und auf dem Grünstreifen zwischen den Leitplanken 200 Meter nach hinten laufen. Manchmal aber gibt es Verstrebungen zwischen den beiden Planken auf dem Grünstreifen. Wenn diese Barriere nicht überwunden werden kann, muss – falls der Verkehr es zulässt – die Fahrbahn überquert und das Warndreieck bei der rechten Spur aufgestellt werden. Sich selbst in Sicherheit bringen. Entweder auf dem Mittelstreifen zwischen den Leitplanken. Oder, im zweiten Fall, rechts am Straßenrand, möglichst weit weg von der Fahrbahn. Es gibt eigentlich keinen Grund, dass die Gegenfahrbahn überquert wird, so wie es die Frau tat. Das bedeutet eindeutig zusätzliches Risiko.
  • Ich Zeuge eines solchen Unfalls werde: Warnblinklicht einschalten und auf dem Standstreifen am äußersten Rand anhalten. Bei der Bremsung den nachfolgenden Verkehr im Blick behalten. Warnweste anziehen und Warndreieck aufbauen, um auf Unfallstelle hinzuweisen. Hierbei das Warndreieck vor dem Körper tragend auf dem Standstreifen gehen und in ausreichendem Abstand vor der Unfallstelle aufstellen. Hierbei nachfolgenden Autofahrern durch Handbewegung Zeichen geben, langsam zu fahren. Unfallbeteiligten Hilfe anbieten, Notruf über 110 oder 112 absetzen, falls noch nicht geschehen. Fahrbahn nur überqueren, wenn es gefahrlos erscheint, mit genügend Abstand zu herannahenden Fahrzeugen. Erste Hilfe leisten. Darauf achten, dass andere Beteiligte sich aus dem Gefahrenbereich begeben. (Hinweise von Ronald Krötz, PP Aalen)