Schorndorf

Wie verläuft der perfekte Radweg durchs neue Haubersbronner Gewerbegebiet Niederfeld?

Neuer Radweg
Von der Fußgänger- und Fahrrad-Unterführung geht's aktuell für Radfahrer über die feldwegartig ausgebaute Straße durchs Niederfeld. © Alexandra Palmizi

Wer mit dem Fahrrad von Schorndorf ins Wieslauftal oder von dort in umgekehrter Richtung unterwegs ist, kennt den kurzen, feldwegartig ausgebauten Abschnitt direkt hinter oder vor der Unterführung im Haubersbronner Niederfeld. Genau dort soll im kommenden Jahr mit den Erschließungsarbeiten für ein neues Gewerbegebiet begonnen – und zugleich die Radwegsituation verbessert werden. Die Idee des Fachbereichs Infrastruktur, die Radfahrer auf der neuen Erschließungsstraße auf einem Schutzstreifen direkt neben einem Lkw-Parkstreifen zu führen, stieß im Technischen Ausschuss aber auf wenig Zustimmung. Die Ausschussmitglieder stimmten nach langer Diskussion mehrheitlich für einen von SPD-Rat Marcel Kühnert gestellten Antrag auf zweite Lesung. Jetzt muss die Stadt sich in Sachen Fahrradweg im Niederfeld etwas Besseres einfallen lassen.

Mit insgesamt drei Varianten war Fachbereichsleiter Herbert Schuck in den Ausschuss gekommen: In der ersten könnten Radfahrer in beiden Fahrtrichtungen auf einem 3,5 Meter breiten Geh- und Radweg an der Haubersbronner Ortsdurchfahrt geführt werden. Nachteil dieser Lösung, die aber zumindest eine separate Wegeführung beinhaltet, sind aus Sicht der Verwaltung kritische Straßenquerungen im Niederfeld sowie die Tatsache, dass Radfahrer und Fußgänger sich einen Weg teilen müssten.

In einer zweiten Variante könnte ein 2,5 Meter breiter Geh- und Radweg entlang der östlichen Bebauung im Niederfeld angelegt werden. Auch hier sieht der Fachbereich den Nachteil kritischer Fahrbahnquerungen und Konflikte mit den Zu- und Ausfahrten der Grundstücke. Darum hält Fachbereichsleiter Herbert Schuck die dritte Variante für die beste Lösung: Wird auf der neuen Erschließungsstraße im Niederfeld ein Schutzstreifen für Radfahrer angelegt, wäre das nicht nur die kürzeste Verbindung, sondern auch die mit den wenigsten Straßenquerungen.

Ortschaftsrat ist für pragmatische Lösung, Ausschussmitglieder sind skeptisch

Und obwohl auch der Ortschaftsrat für diese Variante gestimmt hatte – als pragmatischste Lösung auf dem 150 Meter kurzen Abschnitt –, die Begeisterung unter den Ausschussmitgliedern hielt sich in Grenzen: CDU-Fraktionsvorsitzender Hermann Beutel sieht in der vorgestellten Vorzugsvariante sogar einen Rückschritt zum jetzigen Zustand. Obwohl die Radfahrer fernab vom Verkehr seien, so Beutels Argument, müssten sie an parkenden Lkw vorbeifahren. Auch SPD-Rat Marcel Kühnert, der in der Diskussion Radwegekoordinator Patrick Hippich vermisste und forderte, den Radweg auf der westlichen Seite, räumlich getrennt von den Lkw-Parkplätzen anzulegen, war wenig glücklich über die Radwegplanung: Er sieht gefährliche Situationen kommen, wenn Lkw vom Parkstreifen losfahren, und wünscht sich eine Trennung zwischen Radweg und Parkplätzen.

Sicherheitsbedenken formulierten auch die Grünen-Rätinnen Friederike Köstlin und Kirsten Katz: Nachts auf dem schlecht ausgeleuchteten Abschnitt an parkenden Lkw vorbeizuradeln, könne vor allem für Frauen ein Problem sein. Und GLS-Rat Werner Neher machte im Rangierverkehr auf der Erschließungsstraße eine Gefahrenquelle aus. Neher kann sich noch eher einen Radweg auf der anderen Seite der Wieslauftalstraße vorstellen – durchs bestehende Gewerbegebiet östlich der Ortsdurchfahrt. Die von der Stadtverwaltung vorgeschlagene Variante hält er für einen zukunftsfähigen Radverkehr nicht für geeignet. Auf der 6,50 Meter breiten Straße können sich, rechnete Neher vor, nicht mal zwei Lkw begegnen, sondern müssten auf den Radstreifen ausweichen. Auch CDU-Rat Manfred Bantel plädierte wegen der geringen Straßenbreite für einen abgesetzten Radweg: Klappe am Lkw die Tür auf, könne sie vorbeifahrende Radler erwischen.

Vorzugsvariante: Richtlinienkonform und förderfähig

Ganz so düster konnte Fachbereichsleiter Herbert Schuck die von ihm vorgestellte Radwegeplanung nicht sehen. Im Gegenteil: Sie ist aus seiner Sicht nach wie vor die optimale Lösung, die nicht nur richtlinienkonform und voll förderfähig, sondern auch mit Radwegekoordinator Hippich und dem Fachbereich für Sicherheit und Ordnung abgestimmt ist. Auch der Haubersbronner Ortsvorsteher Erich Bühler machte sich in der Sitzung stark für die von der Stadtverwaltung favorisierte Variante: Schließlich handele es sich nicht nur um einen relativ kurzen Abschnitt, 70 Prozent des Radverkehrs fänden außerdem am Wochenende statt – „und ein paar Meter weiter gibt es gar keinen Schutzstreifen“, erinnerte Bühler. Die Unterführung für Fußgänger und Radfahrer, räumte er allerdings ein, sei eine Schwachstelle, die umgebaut werden sollte, „wenn wir mal wieder Geld haben“. Dass der Radweg nur für Wochenendfahrer gebaut werden soll, diesem Argument widersprach SPD-Rat Kühnert: „Zentrales Ziel ist, dass Alltagsradler diesen Weg zum Pendeln auch frühmorgens nutzen.“

Ganz am Ende der Debatte gab Grünen-Rätin Friederike Köstlin dann zu bedenken, dass es im Straßenverkehr auch darum gehen müsse, mehr aufeinander Rücksicht zu nehmen. Überall 1a-Radwege anzulegen, hält sie für unrealistisch. Sie selbst, berichtete Köstlin, radele unter der Woche oft auf der Haubersbronner Ortsdurchfahrt, wo aus ihrer Sicht wegen der Umgehungsstraße sowieso relativ wenig los sei. Eine Variante, über die es sich auch aus Sicht von Alleinstadtrat Andreas Schneider nachzudenken lohnt.

Wer mit dem Fahrrad von Schorndorf ins Wieslauftal oder von dort in umgekehrter Richtung unterwegs ist, kennt den kurzen, feldwegartig ausgebauten Abschnitt direkt hinter oder vor der Unterführung im Haubersbronner Niederfeld. Genau dort soll im kommenden Jahr mit den Erschließungsarbeiten für ein neues Gewerbegebiet begonnen – und zugleich die Radwegsituation verbessert werden. Die Idee des Fachbereichs Infrastruktur, die Radfahrer auf der neuen Erschließungsstraße auf einem Schutzstreifen

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