Schorndorf

Wie Weihnachten in Schorndorf trotz der Corona-Krise gefeiert wird

Schorndorf Stadtkirche Weihnachten 2014
Die weihnachtliche Stadtkirche in Schorndorf © Schneider

Weihnachtseinkäufe mit Masken, die Kinder in Quarantäne, Firmenfeiern fallen aus, die Zukunft ist für manche ungewiss – die Stimmung war schon mal besser. Kurz vor dem ersten Advent denken viele mit Sorge an Weihnachten. Werden wir gesund sein, wie werden wir feiern, sind wenigstens die Kirchen geöffnet? Während in der Corona-Krise so vieles beängstigend und beängstigend unklar ist, kommt jetzt die gute Nachricht: Auch in diesem Jahr werden wir an Weihnachten Gottesdienste feiern können. Trotz Kontaktbeschränkungen, Abstandsgeboten und Maskenpflicht: Die Kirchen machen sich bereit.

Weihnachten aus der Tüte oder: Weihnachten to take away

Ein bisschen früh kommt der Anruf im evangelischen Dekanat und die Frage nach den Gottesdiensten schon. „Es gibt Pläne, wir sind in der Vororganisation“, sagt die evangelische Dekanin Juliane Baur. Noch warte das Dekanat auf die Entscheidungen von Bund und Ländern. „Die Frage ist, wie viele im Freien zusammenkommen können“, sagt die Dekanin. „Davon hängt einiges der Planung ab.“ An Weihnachten nicht in die Kirche gehen und zusammen singen? Für viele ist das undenkbar. Doch die Coronakrise hat uns vieles gelehrt. Dass wir auch zu Hause statt im Ausland Urlaub machen können, statt romantischer Restaurantbesuche "Gans to go" genießen können – und dass Weihnachten aus der Tüte gefeiert werden kann. Für die Aktion „Weihnachten zu Hause“ oder „Weihnachten to take away“, wie Dekanin Baur es formuliert, packen Mitglieder der evangelischen und katholischen Kirchengemeinde Tüten mit Kerzen und kleinen Texten, damit Familien und Singles zu Hause ein Gefühl von Weihnachten erleben können. Die kleinen Kerzen aus den Tüten sollen die Menschen in ihre Fenster stellen, sagt Dekanin Juliane Baur: „Das verbindet.“ So soll ein Gemeinschaftsgefühl entstehen und vielleicht auch ein Hauch der Weihnachtsbotschaft aufkeimen: Keiner ist allein.

Ein Anmeldesystem für die Gottesdienste an Weihnachten

Weil Weihnachten ein Fest der Gemeinschaft ist, laufen die Vorbereitungen für die Gottesdienste derzeit auf Hochtouren. Noch stehen die genauen Anmeldemodalitäten nicht fest, noch ist nicht klar, ob im Freien mit Maske gesungen werden darf. „Die konkrete Planung folgt noch“, sagt Dekanin Juliane Baur, und das betont auch der katholische Dekan Wolfgang Kessler. Vorgesehen ist nach Angaben der Dekanin aber, einen Teil der Plätze online und einen Teil telefonisch zu vergeben. Wegen der Corona-Abstandsbeschränkungen werden an Weihnachten deutlich mehr Gottesdienste als sonst angeboten - Mehrarbeit für die Pfarrer und Pfarrerinnen, die sie laut Juliane Baur und Wolfgang Kessler aber gerne übernehmen. Zu ökumenischen Kurzgottesdiensten im Freien wird am Heiligen Abend um 15 Uhr auf den Marktplatz geladen, um 16.30 Uhr auf den Schulhof der Rainbrunnenschule und um 18 auf den Schulhof der Fuchshofschule. Stand heute sind nach Angaben Baurs bei Gottesdiensten im Freien 500 Menschen erlaubt – allerdings geht die Dekanin nicht davon aus, dass diese Zahl bis Weihnachten überholt sein wird. Der Marktplatz und die Schulhöfe werden für die Gottesdienste eingezäunt, die Plätze für die Besucher werden markiert.

Statt 1000 Menschen passen nur 200 in die Stadtkirche

Eineinhalb Meter Abstand gelten nach Angaben Kesslers in den katholischen Kirchen, zwei Meter Abstand muss laut Juliane Baur in den evangelischen Kirchen eingehalten werden. Weil nicht alle Kirchen gleich groß sind, werden unterschiedlich viele Menschen zugelassen: Etwa 70 sind es nach Angaben der Dekanin in der Pauluskirche, 80 in der Versöhnungskirche, 200 in der großen Stadtkirche, in der unter normalen Bedingungen 1000 Menschen Platz finden. In der katholischen Heilig-Geist-Kirche sind rund 100 Menschen möglich, wobei die Zahl in allen Kirchen schwankt: Familien und Paare dürfen enger zusammensitzen als fremde Personen. Um die Zahlen einhalten zu können, müssen sich die Menschen zu den Gottesdiensten an Weihnachten anmelden. Ein Teil der Gottesdienste wird online übertragen. Die katholische Krippenfeier zum Beispiel wird vorab aufgenommen und rechtzeitig online gestellt, so dass die Familien zur gewohnten Zeit um 16 Uhr die Feier zu Hause ansehen und sich auf den Heiligen Abend einstimmen können. Auch die Christmette in Mariä Himmelfahrt in Winterbach um 21.30 Uhr wird live gestreamt. Gottesdienste in der Stadtkirche gibt es an Heiligabend um 14 Uhr, um 16 Uhr und um 18 Uhr (mit Livestream). In der Heilig-Geist-Kirche gibt es um 18 Uhr und 22 Uhr Christmetten, in St. Markus um 18 Uhr und in Schornbach um 21 Uhr.

Einer der Höhepunkte: Eine Hoffnungsgemeinschaft mit Licht

Ein Höhepunkt am Heiligen Abend wird um 17.30 Uhr eine weihnachtliche Klanginstallation, die zwischen dem Schlossgarten und dem Marktplatz ertönen soll. „Wir wollten etwas anbieten, das guttut und ohne Anmeldung, Begrenzung und Absperrung möglich ist“, sagt Stadtkirchen-Pfarrerin Dorothee Eisrich. Mit Beginn des Glockenläutens um 17.30 Uhr sollen die Menschen auf die Straßen kommen, eigene Kerzen in den Händen halten und so Teil „einer Licht-Hoffnungsgemeinschaft“ werden, wie es die Pfarrerin formuliert. Weil es keine Veranstaltung im eigentlichen Sinn ist, ist auch keine Anmeldung nötig. Alle können in den Straßen die Weihnachtslieder des Posaunenchors hören und der Weihnachtsgeschichte lauschen, die die Pfarrerin vorlesen wird.

Am Ende wird „Stille Nacht“ erklingen. Die Idee dahinter: „Wir als Stadtkirche schenken einen Weihnachtsmoment, bevor der Abend beginnt.“ Weil es nach Weihnachten fast nichts Schöneres gibt, als durch die weihnachtliche Stadt zu spazieren, wurde die ökumenische Aktion „Hier findest du Weihnachten“ ins Leben gerufen. Die Menschen sind aufgerufen, ihre Fenster weihnachtlich zu gestalten und sich registrieren zu lassen, so dass ein Weihnachtsspazierweg mit vielen schönen Fenstern entsteht. Weihnachten in Coronazeiten: Das wird ein Weihnachten mit Anmeldungen, Maskenpflicht und Abstandsregeln. Wie viele Menschen im Freien erlaubt sein werden, ob unter der Maske gesungen werden darf, all das weiß Stand jetzt noch niemand. Das ist die schlechte Nachricht. Die gute Nachricht: Weihnachten findet statt. Auf jeden Fall.

Weihnachtseinkäufe mit Masken, die Kinder in Quarantäne, Firmenfeiern fallen aus, die Zukunft ist für manche ungewiss – die Stimmung war schon mal besser. Kurz vor dem ersten Advent denken viele mit Sorge an Weihnachten. Werden wir gesund sein, wie werden wir feiern, sind wenigstens die Kirchen geöffnet? Während in der Corona-Krise so vieles beängstigend und beängstigend unklar ist, kommt jetzt die gute Nachricht: Auch in diesem Jahr werden wir an Weihnachten Gottesdienste feiern können.

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