Schorndorf

Wieder regulär geöffnet: Neue Ausstellung in der Schorndorfer Galerie "Feuer & Flamme"

Künstler Andreas Adler
Ein gelöster Andreas Heinrich Adler inmitten seiner Würfel und Quadrate. © ALEXANDRA PALMIZI

Würfel? Nun ja. Stehen für Bauklötzchen, die Kinder vorsichtig auftürmen und dann lustvoll einstürzen lassen. Oder für die launischen Glücksbringer aus dem Würfelbecher im Casino oder verrauchten Hinterzimmer. Eher nix Gutes also. Und klar fällt einem dazu Einsteins Diktum ein: „Gott würfelt nicht!“ Soll heißen: In der Schöpfung gibt es keinen Zufall.

Das sieht der Schorndorfer Künstler Andreas Heinrich Adler (64) ‘n bisschen anders. Er integriert das Absichtslose, das Ungewollte, den Zufall mit großem Lust-Gewinn in seine Schöpfungen, seine Arbeiten. Er will sich – und damit die Betrachter seiner Werke – immer wieder neu überraschen. Und was dabei für ein faszinierender Reichtum gelingt, man möchte fast sagen: Was für eine sich versprühende Artenvielfalt, das kann man nun in seiner neuen Ausstellung in der Laden-Galerie „Feuer & Flamme“ bestaunen.

In geradezu musikalischer Hängung

Warum das so ist, hat auch damit zu tun, dass Adler seine Schöpfungen vertrauensvoll in die Hände von Alex Schenk gegeben hat, dem gerade mit strikten Formvorgaben und fein durchdachter Hängung ein äußerst vielfältiger, ein inspirierend auffächernder, fast musikalisch rhythmisierter Ausstellungsgang durch das jüngere Werk von Adler in seiner kleinen Galerie gelungen ist.

Nur quadratische Formate und Würfel. Beschränkung also? Gar Askese? Nein, das Gegenteil. Gerade diese Konzentration hebt die einzelnen Objekte des immer mit Materialien, Techniken und Formen experimentierenden Andreas Heinrich Adler in ihrer individuellen Besonderheit hervor!

Eine Serie bildbespannter Würfel

Dabei hat sich Adler um ein Entweder-oder zwischen figürlicher und abstrahierender nie bekümmert. Beides ist auf einem Bild möglich. Oder noch verdichteter in seiner neuen Serie von sozusagen bildbespannten Holzwürfeln. Hier kann sich auf den sechs zur Verfügung stehenden Flächen neben abstrakten Farb-Rêverien schon auch ein gezeichneter Elefant unter einer Palme gesellen. Eh ist es bei den Würfeln so, dass eine Ansicht auf einen Blick nicht gegeben ist. Man muss sich um oder den Würfel in der Hand drehen, um alles gesehen zu haben – und doch bleibt dann immer wieder reizvoll etwas neu verborgen.

Wenn Sehnsucht und Entgrenzung eines der großen Themen der Romantik ist, dann wird man Adler mit etlichen Werken tief verwurzelt in dieser (immer noch wirksamen) Tradition sehen dürfen. Da ist gleich eingangs eine Serie glänzender Frottagen, die vor einem aufgelösten Horizont – das wäre dabei schon die nachromantische Verlusterfahrung – gestrandete Nachen und Kähne skizziert, fast halluzinierend hingehaucht. Zwischen lockendem Aufbruch und gestrandetem Scheitern. Durchaus auch Bilder des Todes.

Und gleichzeitig erinnern diese Seestücke ein wenig, man könnte sagen, als ästhetisch-historischen Mehrwert, an verwaschen monochrome Silbergelatine-Drucke aus der Frühzeit der Fotografie.

Maler als chemischer Giftmischer

Faszinierend sind auch die Arbeiten, die Adler als chemischen Giftmischer vorstellen. Als solcher hat er sein Atelier zum Labor gebracht und allerlei (Farb-)Materialmischungen etwa mit Ammoniak zum Reagieren gebracht. Selbstständig entstanden sind so krustig schillernde Strukturen, wie verfestigt mineralische Oberflächen früher Erdgeschichten oder ferner Galaxienballungen.

Die Bilder treiben sich so aus der Fläche selbst in den Raum. Ähnlich anderen Blättern, wie etwa auf denen der Rostabdrücke, scheinen hier Genese, Schönheit und Verfall auf frappierende Weise ineinander verwoben. So wie manche der Tafeln auszufransen scheinen oder ihr Farbauftrag zu zerbröseln scheint.

Und ja, dieser Mann hat auch Humor. Da gibt es überraschende Grafiken, auf denen allerlei tintige Dämonen ihr von Adler lustvoll inszeniertes skurriles Klecks-Unwesen treiben. Ein Männlein rauft sich das Haar, ein stolzer Papageienvogel macht seine Honneurs, irgendwas wie eine Nacktmulle kraucht am Boden. Auch das für den Künstler keine Gegensätze: Form und Deformation gehören zusammen. Ebenso in dieser schönen kleinen, aber reichen Ausstellung: Witz und Schönheit, so wie Zufall und Plan. Großes Bilder-Kino auf kleinen Quadraten!

Info

Die Ausstellung „Adler im Quadrat“ in der Laden-Galerie „Feuer & Flamme“, Gottlieb-Daimler-Straße 30, ist noch bis 19. Juli, geöffnet. Dienstag bis Freitag von 14 bis 18 Uhr, Samstag von 10 bis 14 Uhr. Eröffnungsrede von Mario Zoppelletto unter design-kontakt.de.

Würfel? Nun ja. Stehen für Bauklötzchen, die Kinder vorsichtig auftürmen und dann lustvoll einstürzen lassen. Oder für die launischen Glücksbringer aus dem Würfelbecher im Casino oder verrauchten Hinterzimmer. Eher nix Gutes also. Und klar fällt einem dazu Einsteins Diktum ein: „Gott würfelt nicht!“ Soll heißen: In der Schöpfung gibt es keinen Zufall.

Das sieht der Schorndorfer Künstler Andreas Heinrich Adler (64) ‘n bisschen anders. Er integriert das Absichtslose, das Ungewollte, den

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