Schorndorf

Wildschweine versauen Blütenfest

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Symbolbild. © Alexander Roth
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Mannshaupten steht in voller Blütenpracht, aber das traditionelle Blütenfest am 1. Mai wird es in diesem Jahr nicht geben.

Schorndorf-Schornbach. Wanderer und Spaziergänger, für die in den letzten Jahren oder sogar Jahrzehnten das Blütenfest des Musikvereins Schornbach in Mannshaupten am 1. Mai ein fester Anlaufpunkt war, müssten sich in diesem Jahr neu orientieren: Das Blütenfest fällt aus – und das nicht nur, weil der Verein personell gerade eine Durststrecke durchmacht.

Wenn sich Heinz Beutel, von 1975 bis 1999 Vorsitzender des Musikvereins und anschließend fünf Jahre lang Ortsvorsteher in Schornbach, richtig erinnert, ist das 1975 erstmals veranstaltete Blütenfest seither überhaupt nur zweimal ausgefallen: in den Jahren 1983 und 1984. Damals, sagt Beutel, seien ihm die Dinge vorübergehend „etwas über den Kopf gewachsen“. Seit 1985 aber war das Blütenfest wieder fester Bestandteil im Veranstaltungskalender des Vereins und des Stadtteils. Viele Besucher, die alljährlich am 1. Mai das Fest auf der großen Wiese aus allen möglichen Richtungen angesteuert haben, markierten sich den Termin rot im Kalender.

Ganz schön viel: Ein Fest stemmen und noch selber Musik machen

Dass den Veranstaltern zuletzt die Lust aufs und am Blütenfest ein bisschen vergangen ist, weil das Wetter zwei Jahre hintereinander ganz und gar nicht mitgespielt hat, ist nicht der Grund, warum es in diesem Jahr gar kein Blütenfest gibt. Zwei andere Gründe sind laut Heinz Beutel entscheidender: Zum einen gleicht die von Wildschweinen wiederholt umgepflügte Festwiese mittlerweile einem Acker, was sich aber mit viel Aufwand vielleicht noch hätte beheben lassen. Zum andern – und das ist der Hauptgrund – ist der Schornbacher Musikverein derzeit personell nicht so gut aufgestellt, dass er ein solches Fest mit und aus eigenen Kräften stemmen könnte. Schließlich ist’s mit den zwei Schichten am 1. Mai, für die allein etwa 40 Helferinnen und Helfer benötigt werden, nicht getan.

Schon am Tag vorher muss alles, was für so ein Fest benötigt wird, nach Manolzweiler hinaufgeschafft und aufgebaut werden. Und am 1. Mai, das hat Heinz Beutel oft genug mitgemacht, geht’s für einige Mitglieder auch schon um 6 Uhr los und dann im Extremfall bis 22 Uhr am Abend ohne Pauseweiter. „Das muss man auch erst verkraften“, sagt der ehemalige Vorsitzende. Er hat nicht nur einmal erlebt hat, dass am nach dem Fest am 1. Mai nicht gleich komplett abgebaut werden konnte, weil die Zelte nass waren. Dazu kommt, dass das Fest im Laufe der Jahre auch insofern gewachsen ist, als es irgendwann die Rote und Schweinehals zum Bier nicht mehr getan haben. Stattdessen sind erst Kaffee und Kuchen und dann auch noch Chicken und Pommes dazugekommen sind. Und nicht zu vergessen: Von einem Musikverein wird natürlich noch erwartet, dass er auch noch selber Musik macht. Wobei er da in den letzten Jahren immer von der Blaskapelle der Siebenbürger unterstützt worden ist, die den Musikverein am Nachmittag abgelöst haben.

Beutel macht sich „keine Sorgen, aber ernsthafte Gedanken“

Das alles ist mit einem Musikverein, der derzeit gerade noch über rund 15 aktive Musikerinnen und Musiker verfügt, von denen der älteste 82 ist, nicht mehr zu stemmen. „Wir haben derzeit schon eine Durststrecke“, räumt Heinz Beutel mit Blick darauf ein, dass auch die Nachwuchsarbeit immer schwieriger wird. Einen Trauermarsch oder gar ein Abschiedslied will Heinz Beutel deshalb aber noch nicht anstimmen. Zwar sei der aktive Musikverein auch schon mal doppelt so groß gewesen wie der jetzige, andererseits aber habe er damals, als er den Vorsitz übernommen habe, aus gerade noch zehn Musikern bestanden und sich danach auch wieder berappelt. Bedingt allerdings durch eine sehr intensive Werbeaktion an der örtlichen Schule und ebenso intensive Gespräche mit den Eltern der für eine musikalische Ausbildung in Frage kommenden Kinder und Jugendlichen.

So etwas bräuchte es jetzt auch wieder, meint Heinz Beutel, der sich im Hinblick auf die Zukunft des Musikvereins „keine Sorgen, aber ernsthafte Gedanken“ macht. Durchaus etwas neidisch schaut er auf den benachbarten Musikverein Weißbuch, der solche Sorgen nicht hat – auch dank eines weitaus größeren Einzugsgebietes. Es gibt aber auch andere Beispiele: Im Wieslauftal haben die Musikvereine Steinenberg und Rudersberg, in Schorndorf die Stadtkapelle und die 1. Musik- und Tanzvereinigung fusioniert, weil es zumindest einer der beiden Partner allein nicht mehr geschafft hätte. Optimistisch stimmt Beutel, dass der Musikverein mit Dieter Richter einen sehr guten Dirigenten hat, mit dem es richtig Spaß macht.

Auch mal schön, am 1. Mai selber auf Tour gehen zu können

„Der Verein muss sich jetzt erst einmal wieder sammeln“, sagt Heinz Beutel, der noch nicht glauben will, dass das Blütenfest für immer gestorben ist – an welcher Stelle auch immer. Bisher allerdings haben sich die Organisatoren mit einem neuen Platz, etwa bei der Brühlhalle, noch nicht anfreunden können. „Da hätten wir das Laufpublikum nicht“, befürchtet Heinz Beutel, der es ganz persönlich auch mal schön findet, am 1. Mai nicht schaffen zu müssen, sondern selber auf Tour gehen und einem anderen Verein einen Besuch abstatten zu können.